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Mercedes-Benz Advance und Vision Van: Daimler krempelt die Transportbranche um

Unter dem Begriff Mercedes-Benz Advance bündelt Daimler neue Geschäftsmodelle für die Transportbranche der Zukunft. Was sich dahinter verbirgt, zeigt die Studie Vision Van.

Dem Kunden einfach nur einen Transporter mit vier Rädern hinzustellen, reicht dem Daimler-Konzern nicht mehr. "Wir sind eindeutig mehr als nur ein Transporter-Hersteller", sagt Volker Mornhinweg, Leiter der Van-Sparte. Mercedes richtet die Aufmerksamkeit über das Fahrzeug hinaus auf das komplette Geschäftsumfeld der Kunden. Dafür forscht und arbeitet in Stuttgart eine neu gegründete Abteilung seit zwei Jahren an insgesamt neun Pilotprojekten, aus denen sich in naher Zukunft neue Geschäftsmodelle für die Transportbranche entwickeln sollen. Alle Pilotprojekte laufen unter dem Begriff Advance zusammen. Oder wie es Mercedes in Anspielung auf die Van-Sparte gerne schreibt: adVANce.

Neue Geschäftsmodelle rund um den Transporter

Was genau steckt hinter Advance? Bisher baut Daimler seinen Kunden in Zusammenarbeit mit Auf- und Umbaupartnern auf deren Anforderungen ausgerichtete Transporter. Ein Markt, der allerdings seine Grenzen hat. Wer wachsen will, muss sich nach neuen Geschäftsfeldern umschauen. Genau das macht Daimler nun. Der Konzern denkt sich tief in die Arbeitsabläufe und Prozesse der Kunden ein. Und das eben auch abseits des Transporters. Wie lassen sich Zustellfahrzeuge der Kurierdienste schneller Be- und Entladen? Wie vereinfacht und beschleunigt man den Nachbestellprozess von Material für Handwerker? Fragestellungen, die alle auf ein Ziel hinauslaufen: aktuelle und künftige Anforderungen an das Tagesgeschäft identifizieren, Lösungen hierfür schaffen und den Arbeitsablauf des Kunden effizienter gestalten.

Für Daimler steht zwar das Fahrzeug weiterhin im Mittelpunkt, es wird jedoch zum Trägerobjekt, um vernetzte Lösungen und innovative Transportkonzepte an den Kunden zu bringen. Die neun Pilotprojekte erstrecken sich über drei Themenfelder. Zum einen Konnektivitäts- und IoT-Anwendungen (Internet of Things), in denen der Transporter mit seiner Umwelt vernetzt ist und so Abläufe automatisiert werden. Im zweiten Bereich entwickelt Daimler Hardware-Lösungen für die Transportbranche. Beispielsweise ein intelligentes Laderaummanagement. Die dritte Säule von Mercedes Advance bilden alternative Mobilitätskonzepte, die neue Wege bei der individuellen Personenbeförderung ermöglichen.

Vision Van – der Pakettransporter von morgen

Einen konkreten Ausblick, wie umfassend Daimler das Transportgewerbe revolutionieren möchte, zeigt die Studie Vision Van. Der elektrisch betriebene, automatisierte und vollvernetzte Transporter soll die Paketzustellung auf der letzten Meile beschleunigen. Wie immer bei Concept Cars mutet das Design sehr futuristisch an. Der Elektroantrieb hingegen scheint nicht allzu weit entfernt von der Serienreife. Das Batteriepackage ist modular aufgebaut und erlaubt je nach gewählter Größe zwischen 80 und 270 Kilometer Reichweite.

Ein KEP-Fahrzeug (KEP = Kurier und Expressdienst) beispielsweise muss laut den Berechnungen der Daimer-Experten 40 Kilometer pro Schicht rein elektrisch schaffen. Somit habe der Vision Van für den Liefereinsatz mit 80 km Reichweite das optimale Verhältnis von Fahrzeuggewicht und Reichweite. Sind die Akkus leer, schließt der Fahrer den Vision Van an der Steckdose (Gleich- und Wechselstrom) an oder stellt ihn auf einem induktiven Ladefeld ab. 

Elektroantrieb gewinnt zunehmend an Interesse

Die KEP-Branche sieht Daimler als wichtigsten Kunden für Elektrotransporter. Einfahrverbote für Verbrennungsmotoren in Innenstädte oder Paket­zustellungen zu späten Abendstunden erfordern neue Konzepte. Gesteuert wird der Vision Van nicht per Lenkrad und Pedalen, sondern mit einem in die Türverkleidung eingebauten Joystick. Ähnliche Systeme setzt Mercedes bereits als Lenkung für Menschen mit Behinderung ein. Der Vision Van wird automatisch beladen. Dabei werden die Regale außerhalb des Transporters in einem automatisierten Verteilzentrum mit Paketen bestückt. Ein fahrerloses Förderfahrzeug verlädt die Regale anschließend im sogenannten One-Shot-Verfahren in die Transporter.

Nicht nur die Beladung, auch die Entladung will Daimler über sein intelligentes Lademanagement beschleunigen. Die cloudbasierte Steuerungssoftware ordnet die Paketstücke bereits bei der Beladung platzsparend nach Größe, Gewicht und Adresse. Stoppt der Kurierfahrer beim Paketempfänger, nimmt ein elektrischer Hubarm das vorgesehene Paket aus dem Regal und stellt es dem Fahrer neben der Tür bereit. Minutenlanges Wühlen nach Paketen im dunklen und engen Laderaum ist damit passé. Höchstens 30 Sekunden soll die Paketübergabe nach dem Halt dauern.

Verkürzte Curbside Time

Das Laderaumsystem ähnelt dabei vom Grundprinzip her der Tablettrückgabe in einer Kantine. Die Pakete stehen auf rechteckigen Platten, die jeweils bis zu 31 Kilogramm verkraften. Um möglichst viel Eigen­gewicht zu sparen, bestehen die La­dungs­träger aus Aluminium, das Regal­gerüst aus Carbon. Noch wich­ti­ger als das Gewicht ist beim Kurierdienst aber die Zeit. Auch die Curbside Time, das ist die Standzeit des Fahrzeugs am Bordstein, will Mercedes mit seiner neuen Lade­raumsteuerung deutlich verkürzen.
Verfügt der Kunde über eine Drohnen-Landefläche, so fliegen zwei Drohnen die Pakete durch die Luft aus. Der Paket­zustel­ler spart sich somit weite Wege und die Zahl der Haltepunkte sinkt. Die Drohnen schwirren autonom zum Ziel und können dabei bis zu zwei Kilogramm schwere Pakete tragen. Dabei können sie sich maximal 7,5 Kilometer von ihrer Heimatbasis, dem Vision Van, entfernen.

"Mit diesem Van integrieren wir die Intelligenz eines modernen Logistik­lagers in einen Transporter", sagt Volker Mornhinweg, Leiter Mercedes Vans. Nach Einschätzungen der Daimler-Entwickler ließe sich mit diesem Fahrzeug die Produktivität in der Zustellung auf der letzten Meile um 50 Prozent steigern. Eine weitere Effizienzsteigerung und mehr Sicherheit verspricht Daimler durch die Fahrzeugvernetzung. LED-Lichter im Edelstahlboden des Laderaums beispielsweise zeigen dem Fahrer an, ob er gefahrlos das Fahrzeug verlassen kann. An einer Smartwatch am Handgelenk liest der Kurierfahrer Name, Adresse und Stockwerk des Empfängers ab.

Autor

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Daimler

Datum

7. September 2016
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