Lkw-Parkplatz Zoom

Meinung zur Parkplatznot: Sind Lkw unerwünscht?

Lkw auf der Straße bremsen den Verkehr und Lkw-Parkplätze sind in der Nachbarschaft unerwünscht – am besten, Lkw lösen sich in Luft auf, oder?

Neulich bei mir zu Hause: Ich hatte meine Zugmaschine mitgenommen, um den Innenraum mal wieder gründlich zu reinigen, und freute mich, als ich sah, dass direkt vor meiner Haustür eine Parkbucht mit drei Plätzen frei war. In meinem Wohngebiet sind ausreichend Parkplätze vorhanden für alle Anwohner, aber dummerweise brauche ich ja für die Zugmaschine immer zwei (Pkw-)Parkplätze hintereinander. Glück gehabt also! Denkste. Denn der Pkw vor mir stellte sich genau auf den mittleren dieser drei Plätze. Ich traute meinen Augen kaum, stieg aus und bat den vor wenigen Tagen neu hinzugezogenen Nachbarn höflich, doch einige Meter vor- oder von mir aus auch zurückzufahren, damit ich da auch noch parken könne. Dann entspann sich folgender Dialog: "Nein, ich bleibe hier stehen. Das hier ist ein Wohngebiet, Sie dürfen mit Ihrem Lkw hier gar nicht parken." "Ja, stört Sie das Fahrzeug hier? Fühlen Sie sich in irgendeiner Weise davon belästigt?" "Nein, aber es ist eben verboten." "Wo soll ich denn Ihrer Meinung nach parken?" "Das ist mir egal." "So habe ich Sie eingeschätzt." Man kann sich vorstellen, dass das der Beginn einer äußerst rustikalen Nachbarschaftsbeziehung war.

Da bewahrheitete sich mal wieder das schöne Wilhelm-Busch-Zitat: Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Es ist doch wirklich zum Haareraufen. Man will die Waren, die der Lkw bringt, aber man will den Lkw nicht. Fahren sollen wir nicht. Halten sollen wir auch nicht. Da gründen sich dann gleich landauf, landab Bürgerinitiativen. Ihre Aussage ist immer die gleiche: Ob Lkw parken oder nicht, ist uns völlig wurscht. Hauptsache, nicht im Umkreis von ein bis zwei Kilometern vor unserer Haustür. Sogar in neu entstehenden Industriegebieten sollen Lkw nicht parken dürfen. Halteverbotsschilder, Steine oder sonstige Barrieren stehen an vielen Stellen. Alleine in diesem Jahr gab es die Meldungen über Bürgerinitiativen gegen Lkw gleich zu Dutzenden – mit Forderungen nach Sperrungen, Durchfahrtsverboten, Beschränkungen von Gewicht, Uhrzeit, Park- und Halteverboten.

Für mich den Vogel abgeschossen hat die Bürgerinitiative "Rastplatzwahnsinn" in Seevetal. Die nutzt Synergieeffekte, protestiert gleich gegen zwei Parkplätze und wünscht sich eine bundesweite Vernetzung aller Parkplatzgegner. All diese Initiativen lehnen die betreffenden Lkw- Parkplätze ab, nicht eine von ihnen bietet jedoch Alternativvorschläge an. Vorgestern war ich im Bundesverkehrsministerium zu einem Gespräch über Bezahlung, Arbeitsbedingungen und Ansehen von Lkw-Fahrern. Ein hoher Ministerialbeamter brachte es treffend auf den Punkt, als er sagte: "Angesichts dessen, was sich Lkw-Fahrer alles gefallen lassen müssen, wäre es vielleicht das Beste, wenn die mal zwei Tage strei..., äh, ich meine aktiv CO2 einsparen würden." Vielleicht verstehen die Leute dann endlich mal, dass es mit Lkw zwar manchmal schlecht vorangeht, ohne Lkw aber überhaupt nicht.

Autor

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Götz Mannchen

Datum

10. Januar 2012
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