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Maut-Harmonisierung: Kein Geld für Euro 6

Beim Erwerb von Euro 6-Lkw winken Zuschüsse durch die KfW-Bank. Doch die Mittel sind längst aufgebraucht. Fast 1.000 Anträge warten auf ihre Bewilligung.

Kaufen oder warten? Viele Speditionen tun sich beim Thema Euro 6 noch schwer. Zwar sind die Fahrzeuge längst auf dem Markt, und im Jahr 2014 kommt ohnehin keiner mehr daran vorbei. Doch Euro 6-Lkw kosten mehr in der Anschaffung und profitieren in Deutschland nicht von einer niedrigeren Maut – anders als in Österreich oder der Schweiz.

Trotzdem wollen immer mehr Speditionen Erfahrungen sammeln und nehmen diese Saubermänner in ihre Flotten auf. Und allen Unkenrufen zum Trotz: Der Verbrauch ist niedriger als gedacht. Der Logistikdienstleister Duvenbeck aus Bocholt hat bereits rund 30 Euro 6-Lkw im Einsatz, die Spedition Elflein aus Bamberg 35.

Spedition Schwarz mit starker Euro-6-Flotte

Die Spedition Schwarz aus Herbrechtingen im Kreis Heidenheim legt sogar noch eins drauf: "Wir haben inzwischen 42 Euro 6-Fahrzeuge", sagt Geschäftsführer Hans-Günther Schwarz. Insgesamt umfasst der Fuhrpark rund 250 eigene Einheiten, die je zur Hälfte bei Schwarz und zur Hälfte beim tschechischen Tochterunternehmen Kareka stationiert sind.

Schwarz hat die Investition nicht bereut. "Es war die richtige Entscheidung. Die Fahrzeuge fallen im Fuhrpark überhaupt nicht auf, und von einem Mehrverbrauch kann gar keine Rede sein", bilanziert er nach den ersten Monaten. Die ersten Fahrzeuge dieser neuen Generation bei ihm bereits seit Ende 2011 im Einsatz. Der Diplom-Ingenieur hält es für wichtig, als Mittelständler frühzeitig und aus eigenem Antrieb zu handeln – als erst auf Druck der Politik.

Außerdem müsse man auch das Argument der höheren Anschaffungskosten relativieren. Denn in Deutschland können Speditionen gemäß dem Innovationsprogramm im Rahmen der Maut-Harmonisierung bei der KfW-Förderbank von entsprechenden Zuschüsse profitieren. Die liegen bei 3.850 Euro für Großunternehmen, bei 4.950 Euro für mittlere Unternehmen und bei 6.050 Euro für kleine Unternehmen. Die Spedition Schwarz rangiert mit  mehr als 350 Mitarbeitern in der Mitte.

Den Zuschuss gibt es nur theoretisch

Den Zuschuss gibt es aber nur theoretisch. Spediteur Schwarz kritisiert, dass man sich nicht darauf verlassen könne. "Erst gibt es was, dann sind die Mittel plötzlich aus und es gibt nichts mehr", sagt er. Ob man zum Zug komme oder nicht, sei Glücksache. Mit Planbarkeit habe das nichts zu tun. Er selbst hat für zehn der mehr als 40 Einheiten eine Förderung erhalten – und kann sich damit noch glücklich schätzen.

In der Tat: Nach Recherchen von trans aktuell warten 973 Anträge mit einem Volumen von 28,9 Millionen Euro auf ihre Bewilligung. Bereits Anfang Mai war der KfW-Bank das Geld ausgegangen. Bis dahin hatte sie 1.070 Anträge, die 4.097 Lkw umfassen, bewilligt. Gesamtvolumen: 18,5 Millionen Euro. Seit 30. Januar ist die Förderung von Euro 6-Lkw möglich. Das Bundesverkehrsministerium spricht von einer unerwartet hohen Nachfrage.

Fördertopf reicht nicht aus

Laut Ministerium waren im Haushalt 2012 zunächst 16 Millionen Euro für das Innovationsprogramm eingeplant. Doch trotz Aufstockung um weitere zehn Millionen Euro reicht das Geld nicht. "Deshalb kann die KfW derzeit keine weitere Förderzusage erteilen", teilt das Ministerium mit. Es versucht nach eigenen Angaben, weitere finanzielle Spielräume für das Programm zu erschließen.

Die KfW räumt gegenüber trans aktuell ein, dass dies Situation für Spediteure unerfreulich sei. Man sei aber von öffentlichen Mitteln und entsprechenden Freigaben im Haushalt abhängig. Sobald die Bank wieder liquide ist, gilt: Speditionen müssen ihre Anträge einreichen, bevor sie investieren. Den Verwendungsnachweis müssen sie zwei Monate nach Zulassung, spätestens aber zwölf Monate nach Förderzusage einreichen. Sonst geht der Zuschuss flöten.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Datum

22. August 2012
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