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Masternaut: Auf den Punkt gebracht

Masternaut hat seine neue Onlineplattform Connect gestartet. Unter anderem läuft bereits eine Funktion, um den Fahrstil des Fahrers zu bewerten. Weitere Services wie etwa ein Planungswerkzeug folgen.

Rund 20 Millionen Euro hat der Telematikanbieter Masternaut nach eigenen Angaben in die neue Online-Plattform Connect investiert. Die soll – sobald alle Applikationen dort laufen – die bisherigen Webdienste Econaut und Geonaut ersetzen. Stand heute bietet Connect bereits ein Fahrtenbuch sowie vor allem auch eine ausgefeilte Fahrstilanalyse. "Wobei die Spritkosten nur einen Teil des Einsparpotenzials ausmachen", erklärt Masternaut Deutschland-Geschäftsführer Nick Walker gegenüber trans aktuell.

Um das verwirklichen zu können, setzt Masternaut mit seiner Blackbox namens MT400 direkt am CAN-Bus an. Dazu hat der Telematiker mit Deutschlandsitz in Oberhaching bei München eine patentierte Lösung entwickelt, die Spannungsunterschiede berührungslos abnehmen kann. Daran lassen sich schließlich die Daten ablesen. Der Vorteil: Auf diese Weise lassen sich mehr Informationen auslesen, als dies mithilfe der standardisierten FMS-Schnittstelle möglich wäre. "Aufgrund unseres Abnehmeverfahrens bleibt zudem der Garantieanspruch gegenüber dem Fahrzeughersteller unberührt", erklärt Walker.

Die Cloud als Basis

Die eigentliche Logik des Systems steckt allerdings in der Wolke – oder anders ausgedrückt in der SaaS-Lösung (Software as a Service) namens Connect. Meldet sich der registrierte Benutzer dort an, sieht er abhängig von seinen Berechtigungen eine Vielzahl an Informationen.

"Dabei haben wir besonderen Wert auf die Untergliederung nach Gruppen gelegt, die sich dann quasi beliebig nach unten weiter verästeln können", erklärt Walker. Deutlich machen lässt sich das Ganze an einem Beispiel: Nehmen wir an, die Spedition Mustermann hat mehrere Niederlassungen. Jede dieser Zweigstellen verfügt wiederum über unterschiedliche Geschäftsbereiche. So gibt es etwa eine Lkw-Flotte für Stückgutverkehre, eine für Teil- und Komplettladungen sowie eine weitere für den internationalen Fernverkehr.

"Nun gilt es sicherzustellen, dass die Niederlassungen nicht die Daten des jeweils anderen sehen. Und auch der Disponent der Stückgutflotte muss nicht unbedingt die Fernverkehrsfahrzeuge sehen", erläutert Walker. Schon allein an diesem kleinen Beispiel wird klar, wie feinmaschig das Sichtbarkeitsraster gestrickt sein kann. Denn schließlich sieht auch der Fuhrparkleiter etwas anderes als der Disponent oder wiederum der Lkw-Fahrer.

Fahrzeugspezifisches Protokoll hinterlegt

Wie weitreichend die Funktionalitäten und die Auswertungsmöglichkeiten sind, zeigt ein tieferer Blick in die Plattform Connect. Zu diesem Zweck hatte die Redaktion trans aktuell eines ihrer Firmenfahrzeuge mit der MT400 ausrüsten lassen. Von da an schickte der Transporter, ein Fiat Scudo, beständig sowohl die Fahrstilanalyse als auch die Ortung mitsamt Route an Connect. Für den Scudo haben die Entwickler sogar eigens ein fahrzeugspezifisches Protokoll hinterlegt. Das gibt es nicht nur für den Transporter, sondern für alle Fahrzeuge, darunter auch Lkw. Und dort wieder für die unterschiedlichsten Modelle.

Doppelt eindrucksvoll zeigt sich der Fahrstilassistent, wenn man zudem ein Display im Fahrerhaus verbaut hat. Das dient bei Weitem nicht nur als besseres Navigationsgerät. Hinter dem Button "Sparsam fahren" verbirgt sich ebenfalls eine komplette Auswertung für den Fahrer beziehungsweise das Fahrzeug.

Light Bar zeigt Effizienz an

Wer die sogenannte Light Bar verbaut hat, kann sich mittels eines RFID-Schlüssels direkt identifizieren. Wer eine Fahrerkarte hat, meldet sich mit dieser am Digitacho an, sodass das System ebenfalls weiß, wer am Steuer sitzt. Mittels LED-Lämpchen zeigt die Light Bar zudem an, wie effizient man gerade unterwegs ist. Das Gerät orientiert sich dabei an den Ampelfarben. Geschickt: Mit einem einzigen Fingerdruck vor dem Drehen des Zündschlüssels lässt sich eine Strecke als Privatfahrt deklarieren. Dann wird die Ortung ausgeschaltet. Geht es ausschließlich um eine Fahrstilanalyse, reicht also theoretisch die Light Bar aus. Die genaue Auswertung lässt sich letztlich in jedem Fall über die Webplattform Connect einsehen.

Auch hier gibt es natürlich unterschiedliche Ansichten. Der Fahrer selbst sieht seine eigenen Daten. Darunter auch, wann er etwa zu stark beschleunigt oder auch zu rasant in die Kurve gefahren ist. Diese einzelnen Punkte lassen sich entsprechend gewichten und fließen dann unterschiedlich stark in die Fahrerbewertung ein. "Was wie stark berücksichtigt wird, kann jeder Fuhrparkverantwortliche selbst festlegen", erklärt Walker.

Fuhrparkleiter kann Profile vergleichen

Ebenso verhält es sich mit der Empfindlichkeit an sich, also was beispielsweise bereits als zu raues Beschleunigen gelte. "Da gibt es durchaus unterschiedliche Philosophien", berichtet Walker. In einer Tabelle sieht der Fahrer schließlich, wie viele Punkte er pro Stunde hat. Zudem kann er in einer Übersicht sehen, wie gut er damit im Vergleich zu seinen Kollegen ist – ohne allerdings zu sehen, wer wo steht. Denn die anderen Angaben sind anonymisiert.

Anders sieht der Zugang für den Fuhrparkverantwortlichen aus. Der sieht sehr wohl, wer wie gut unterwegs ist und kann entsprechend korrigierend eingreifen, etwa durch Fahrerschulungen. Wobei – und das ist keineswegs selbstverständlich – die vom System gegebenen Ratschläge tatsächlich Sinn machen und nicht nur ganz allgemeine Tipps beinhalten.

Beim elektronischen Fahrtenbuch speichert das System automatisch die einzelnen Fahrten. Der Fahrer wiederum kann die einzelnen Positionen mit Leben füllen – also beispielsweise der Angabe, welcher Kunde angefahren wurde. Sind alle erforderlichen Daten eingegeben, geht’s per Knopfdruck an den Fuhrparkverantwortlichen, der folglich auch an dieser Stelle entlastet ist. 

Eigentümerwechsel steht an

Hinter den Kulissen bleibt es allerdings ebenfalls spannend. So hat die Beteiligungsgesellschaft Summit Partners bekanntgegeben, dass sie ein Joint Venture mit Fleetcor Technologies, einem Anbieter von Tankkarten, gründet habe. Ziel ist es, die Masternaut Group Holding von der Beteiligungsgesellschaft Francisco Partners zu übernehmen. Das Führungsteam von Masternaut, unter Leitung von Geschäftsführer Martin Hiscox, werde aber weiterhin das Geschäft leiten, heißt es in einer Pressemitteilung. Außerdem bleibe  Hiscox auch Anteilseigner des Unternehmens.
 
Fleetcor-Vorstand Ron Clarke sieht in dem Eigentümerwechsel großes Potential: "Wir von Fleetcor verfügen über einen wertvollen Bestand an Fuhrparkkunden und Partnerbeziehungen in Europa", berichtet er. Die Kombination beider Unternehmen ermögliche es, den Kunden einen größeren Nutzwert zu bieten. Und zu guter Letzt gelte es, "das weitere Wachstum beider Unternehmen zu forcieren".

Portraits

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Masternaut

Datum

5. Juni 2014
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