Alles über Bauma 2016
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Foto: Michael Kern

Marktübersicht

Reifen für die Baustelle

Biss müssen sie genauso haben wie Nehmerqualitäten. Reifen für den Bau brauchen spezielle Eigenschaften. Eine Marktübersicht.

Wie der Herr, so‘s Gescherr: Ein Kipper ist im Vergleich zum Straßenroller das weitaus komplexere Gebilde. Ähnliches gilt für die Besohlung, auf der sich das Baufahrzeug fortbewegt. Der Einsatz auf dem Bau verlangt ausgeprägtere und speziellere Eigenschaften als der Straßentransport. Sind es doch gerade die Eigenschaften der Bereifung, die insbesondere abseits des Asphalts – als verbindendes Element zwischen Antriebsstrang und Untergrund – über Fortkommen oder Steckenbleiben und damit über die Wirtschaftlichkeit des Fahrzeugs bestimmen.

Der entscheidende Unterschied beim Offroad-Pneu zum Straßenreifen ist: Werden die Antriebskräfte auf der Straße hauptsächlich durch Haftreibung übertragen, hängt das Fortkommen im Gelände in erster Linie von einem ganz anderen Faktor ab. Es braucht nämlich eine optimale Verzahnung zwischen Profil und Untergrund, um Traktion zu generieren. Grobstollige, teils auch laufrichtungsgebundene Profile sind das Mittel der Wahl, um dem Pneu genügend Biss zu verschaffen. Wobei aber kräftiges Zubeißen allein nur die halbe Miete ist. Denn schmiert das Profil schnell zu, ist es ebenso schnell vorbei mit der Grip-Herrlichkeit. 

Ein gewisses Selbstreinigungsvermögen des Profils ist deshalb ein ebenso entscheidender Faktor. Fängt der Treibachsreifen allerdings erst einmal an sich einzugraben, nützen in der Regel auch die besten Selbstreinigungskräfte nichts mehr. Dieser Gefahr begegnet man am ehesten mit einem moderaten Reifenfülldruck. 5,5 bis 6,0 bar anstelle der oft üblichen 8,0 bar in den Zwillingsreifen wirken manchmal Wunder, ohne den Pneu dabei zu überfordern: Immerhin noch rund 9,8 Tonnen Last pro zwillingsbereifte Achse weist Michelin zum Beispiel als Tragfähigkeit für den Reifentyp Works XDY 315/80 R 22,5 aus. Nicht nur auf der Antriebsachse, sondern auch auf der Lenkachse stellt der Offroad-Betrieb besondere Anforderungen an den Pneu. Denn gerade bei den Achsformeln 6x4 oder 8x4, wie sie auf dem Bau gebräuchlich sind, sieht sich der Mann am Steuer mit einer sehr speziellen Fahrcharakteristik konfrontiert.

Lenkachsreifen braucht ausreichend Seitenführung

Das angetriebene Achsendoppel im Heck macht das Fahrzeug als Ganzes tendenziell kurvenunwillig und befördert eine ausgeprägte Neigung, über die Vorderräder zu schieben. Deshalb ist es wichtig, dass die Lenkachsreifen genügend Seitenführungskräfte aufbauen. Dies wird erreicht durch eine daraufhin optimierte Karkasse, einen speziell angeordneten Gürtelverband und eine längsrillenbetonte Profilierung.Die gezogene Einheit, die weder sonderlich viel Spurstabilität noch Traktion herstellen muss, hat es da leichter. 

Für ihre Bereifung gilt, genauso wie im Übrigen auch für die beiden anderen Achspositionen: Die Kerbzähigkeit des Gummis muss dem Reifen primär Nehmerqualitäten bescheren. Und da hat in puncto Wirtschaftlichkeit auch die Runderneuerungsfähigkeit der Karkasse ein bedeutsames Wörtchen mitzureden, da der Pneu im Gelände naturgemäß schneller verschleißt als auf geteerter Fahrbahn. Ist es auf der Straße – vor allem im Fernverkehr – zumeist mit ein oder zwei Runderneuerungen getan, so kann ein Baureifen doch deutlich häufiger zum Wiederbesohlen gebracht werden. Freilich ist das, was den Grobstolligen zum Meister im Gelände macht, auf der Straße nicht immer vorteilhaft.

Grobstollige Reifen mit Nebenwirkungen auf der Straße

Denn je gröber die Stollen sind, desto ausgeprägter treten im Onroad-Betrieb unerwünschte Nebenwirkungen auf wie zum Beispiel vermehrte Geräuschentwicklung oder das Walken, das den Verbrauch in die Höhe treibt. So kommt es, dass viele Hersteller beim Baustellenreifen mehrgleisig fahren. Die Skala reicht von mehr oder weniger gemäßigt auf Offroad-Fertigkeiten getrimmte Pneus, die auch im Straßenbetrieb noch eine einigermaßen gute Figur abgeben, bis hin zu echten Offroad-Spezialisten, denen es im Gelände weder vor aggressivem Untergrund noch vor schlüpfrigem Grund graust. Das sind dann aber auf der Straße doch eher raue Gesellen, die dem Treibstoffverbrauch des Lkw nur wenig Positives beizutragen haben. Als weitere Kriterien, die beim Baustelleneinsatz von Belang sind, gelten Bodenfreiheit und Nutzlast.

315/80 R 22.5 als Kompromiss

In puncto Bodenfreiheit hat sich für die ziehende Einheit die Größe 315/80 R 22,5 als Kompromiss aus Laufeigenschaften, Rollwiderstand und Bauhöhe durchgesetzt. Diese hat einen Halbmesser von rund 500 Millimetern und bewirkt deshalb eine geringere Bodenfreiheit von ungefähr 20 Millimetern im Vergleich zur klassischen Größe 13 R 22,5. Das macht der Reifen jedoch durch eine höhere Flankensteifigkeit, günstigeren Rollwiderstand sowie weniger Gewicht wieder wett. Für die Lenkachse immer wieder gern genommen wird auch der Super Single in der Größe 385/65 R 22,5. Er entspricht von der Höhe her dem 315/80er, verfügt aber über mehr Traglast und empfiehlt sich, sobald sich hinter der Kabine ein Kran in die Höhe reckt. Falls die Last am Bug eher gewöhnlich ausfällt, hat der Super Single vorn den Vorteil, dass er mit reduziertem Luftdruck betrieben werden kann. Das schafft auf der Straße etwas mehr Fahrkomfort und sorgt im Gelände durch die große Aufstandsfläche bei relativ geringem Reifendruck für eine geringe Flächenpressung. Diesen Vorteil erkauft sich der Super Single im Vergleich zum 315/80er allerdings mit einem höheren Rollwiderstand und ein paar Pfunden mehr Eigengewicht auf den Rippen.

Erst seit kurzem gibt es Super Single mit Traktionsprofil

Apropos Gewicht: Um Nutzlast herauszukitzeln, muss es ja nicht gleich die einzelbereifte Hinterachse mit einem Super Single sein, wie es bei Betonmischern ab und zu vorkommt. Entsprechende Super Singles mit Traktionsprofil gibt es nämlich erst seit Kurzem: Continental ist der einzige Hersteller, der solche 385/65er anbietet. Wem es auf jedes Kilo Nutzlast ankommt, der kann auch durch entsprechende Wahl der konventionellen Bereifung zumindest etwas an zusätzlicher Nutzlast gewinnen. Zwar wird er nicht im gleichen Umfang fündig, wie das zum Beispiel bei einer Kippbrücke aus Aluminium der Fall ist. Das eine oder andere Zentnerchen ist bei entsprechender Marktrecherche aber dennoch ohne Weiteres drin.

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Datum

23. März 2016
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