Verlader und Logistikdienstleister Zoom

Logistikdienstleister: Fahrt frei für Verlagerung

EU-Projekt Nextrust bringt Verlader und Logistikdienstleister zusammen – höhere Effizienz ist das Ziel

Jeder fünfte Lkw fährt ohne Ladung durch die EU, im Inlandsverkehr sogar jeder vierte. Bei der EU-Kommission schrillten die Alarmglocken, als ihr die Ergebnisse einer Studie im April 2014 vorlagen. Mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagern, mehr Frachtenbörsen nutzen und besser vernetzen, lauteten danach die ersten Schlussfolgerungen. Jetzt will es die EU genau wissen und hat für 18 Millionen Euro das Förderprojekt Nextrust  angestoßen, bei dem Hersteller, Logistiker und Händler aus Belgien, Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden  die entscheidenen Fragen zur Effizienz von Verkehren stellen.

Wie sehen nachhaltige Logistikprozesse aus, wenn sich Unternehmen besser vernetzen? Welche Möglichkeiten gibt es, die Auslastung zu erhöhen und die Effizienz zu steigern? Die Antworten sollen in dreieinhalb Jahren vorliegen. Beteiligt sind knapp
30 Unternehmen, die in mehr als 20 Pilotprojekten Lösungen für effiziente, intelligent vernetzte, multimodale Transporte liefern sollen.

GS1 Germany unterstützt kommunikativ, TX Logistik (TXL) aus Troisdorf bei Köln koordiniert das Ganze und ist Bindeglied zur EU. "Es geht um weit mehr, als die Kosten um ein paar Euro zu reduzieren. Wir wollen Unternehmen die Möglichkeit bieten, ihre gesamte Supply Chain strategisch zu prüfen und an einem Kooperationsmodell auszurichten", sagt Dirk Jeßke, Geschäftsbereichsleiter Commercial Management und verantwortlicher Projektleiter bei TXL.

Nach Ende der Projektlaufzeit solle Nextrust als nachhaltiges Geschäftsmodell etabliert werden, das auch dem kritischen Blick der Wettbewerbshüter standhält, so Jeßke weiter. Dazu sind neutrale "Trustees" als unabhängige Beobachter und Vermittler im Boot.  
Das gesamte Projekt ist thematisch in vier Arbeitspakete (Optimierung von Stückguttransporten, von Teil- und Komplettpartien, Verlagerung von Komplettpartien auf den Intermodalverkehr sowie Last-Mile-Verkehre/E-Commerce) und zeitlich in drei Phasen unterteilt. Das Besondere daran sei, sagt GS1-Projektkoordinator Tim Bartram, dass "sehr viele Pilotprojekte gestartet werden, die mit verschiedenen Ansätzen die Neuordnung der Logistik anstreben".

Leerfahrten vermeiden, Rückladungen verbessern

Es geht ums große Ganze, um mehr Effizienz, mehr Austausch, Software-Entwicklung, Netzwerke und die schnelle Umsetzung der Ergebnisse in den Unternehmen. Dieses Ziel beschreibt auch das Unternehmen TX Logistik, die ein großer Player im grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr ist. Jeske rechnet damit, dass Verlader in Zusammenarbeit mit ihren Logistikpartnern die Chance nutzen werden, Leerfahrten zu vermeiden und Rückladungen besser auszulasten. Ein eigenes Pilotprojekt widme sich der Bündelung von Komplettladungen verschiedener Verlader und Logistikdienstleister mit dem Ziel einer Integration in das TXL-Intermodal-Netzwerk. 

In Phase eins wird ein riesiges Datenvolumen  nach Postleitzahlen, Lieferrouten, Volumina, Paletten, Gewicht und besonderen Parametern wie etwa Gefahrgut gefiltert, um passende Partner zu finden. Es geht um Auslastung, Rückladungen und deren Bündelung, neue Akteure, den Einsatz von IT-Systemen, bessere Planung, Abstimmung und Kooperation. Alle beteiligten Verlader und Logistikdienstleister senden dazu ihre Daten an den Projektpartner Giventis, der mithilfe der Cloud-basierten Plattform ELG die Transportströme aufnimmt und die Zahlen anonymisiert scannt. Um Leerfahrten auf der Straße künftig zu reduzieren, sollen ­Güter gebündelt und auf die Schiene gesetzt werden.

Intermodal lohnt sich

Zwar gebe es nach dem Bahnkrisenjahr voller Streiks, Verspätungen und Unwetter viele Vorbehalte gegenüber dem Intermodalverkehr, sagt Jeßke. Doch diese ließen sich überwinden: "Mit den richtigen Parametern ist der Intermodalverkehr definitiv wettbewerbsfähig – und auf langen Strecken nicht nur stückkostenbasiert im Vorteil, sondern darüber hinaus auch umweltschonend." Wer keine eigenen kranbaren Ladeeinheiten hat, kann bei TXL auf das System Nikrasa zugreifen, das aktuell auf drei Relationen zum Einsatz kommt. "Die Nord-Süd-Achse ist unser Kernmarkt und soll weiter wachsen", sagt Jeßke, aber auch auf dem Ost-West-Korridor soll mehr Verkehr auf die Schiene kommen.

Doch Synergien auf der ­Straße sind ebenso erklärtes Ziel des Projektes Nextrust. Neben Frachtenbörsen nehmen auch große Verlader wie Mondelez, Unilever und Beiersdorf teil, um die Nachhaltigkeit der Wertschöpfungskette zu verbessern. "Aber auch kleinere Verlader können einen wertvollen Beitrag leisten und im Rahmen konkreter Pilotprojekte dazustoßen", berichtet Jeßke.

Das Projekt NexTrust

Ziele:

  • Nachhaltige Logistikprozesse durch vernetzte Kooperation
  • CO2-Reduktion auf allen Verkehrsträgern (40 bis 70 Prozent)
  • 50 Prozent bessere Auslastung der Transportmittel

Beteiligte: 28 Partner, darunter TX Logistik, Fiege und Wenzel Logistics sowie die Lebensmittel- und Konsumgüterkonzerne Mondelez (Milka, Oreo) sowie Unilever (Knorr, Dove) und der Kunststoffproduzent Borealis
Projektphase: dreieinhalb Jahre, erste Ergebnisse Mitte 2017
Argumente für mehr Intermodal: Günstiger auf längeren Strecken, höhere Nutzlast im Vor- und Nachlauf (44 Tonnen), kein Sonntagsfahrverbot, Personaleinsparung möglich, posi­tive Umweltbilanz bei CO2 und NOx, verringertes Unfallrisiko

Portrait

Autor

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DB AG/Miethe

Datum

19. November 2015
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