Alles über Logistik-Kongress Baden-Württemberg
Nils Schmid, Wirtschaftsminister, Baden-Württemberg, Logistik-Kongress 2014 Zoom

Logistik-Kongress Baden-Württemberg: Immer schön fair bleiben

Beim Logistik-Kongress Baden-Württemberg 2014 ging es um ein gutes Miteinander von Dienstleister und Verlader. Dass dies gelingen kann, zeigten mehrere Praxisbeispiele.

Der Logistik-Kongress Baden-Württemberg 2014, eine Veranstaltung der Fachzeitschrift trans aktuell, des Logistiknetzwerks Log BW sowie des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL), war mit dem Titel "Fair Play" überschrieben. Denn der anständige Umgang miteinander ist nicht nur im Sport wichtig - sondern eben auch in der Wirtschaft. Welche wichtige Rolle die Logistik dabei spielt, zeigte die Anwesenheit von Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid (SPD) in der Stuttgarter Liederhalle, der zugleich Vize-Ministerpräsident des Landes ist. "Logistik ist etwas Besonderes, denn ohne sie würde die Welt stillstehen, es würde kein Mercedes vom Band laufen, die Krankenhäuser hätten keine Arzneimittel und im Supermarkt wären die Regale leer", sagte er. Die Logistik teile dabei das Schicksal der Politik - die Arbeit findet im Verborgen statt. Zumindest so lange alles gut läuft. "Dass das fast immer der Fall ist, spricht für Sie."

Wie wichtig Fair Play ist, habe sich aber auch an anderer Stelle gezeigt. So habe das faire Zusammenspiel zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern dafür gesorgt, dass Deutschland gut aus der Krise gekommen ist. Heute gehe es wiederum etwa um Fairness bei Werkverträgen, "die heute auch ein Thema sein werden". Im Ländle gibt es rund 18.000 Unternehmen mit 200.000 Beschäftigten der der Logistik. Das sei kein Wunder: "Baden-Württemberg ist das industrielle Herz Europas. Das exportieren der Waren ist nur aufgrund der Logistik möglich", sagte Schmid.

Wirtschaftsminister Schmid stellt sich den Fragen des Publikums

Dass es hier aber auch Stolpersteine gibt, zeigten die Rückfragen an den Wirtschaftsminister. "Wir diskutieren mit einigen Kunden die taggleiche Belieferung", warf Amadeus Kurz von Hermes Logistik ein. Dies schaffe allerdings noch mehr Verkehr und damit noch mehr Staus. Dem konnte sich der SPD-Mann nicht verschließen: "Die Verkehrsinfrastruktur in Baden-Württemberg ist bereits am Anschlag", gab auch der Minister zu. Daher brauche es neben dem Erhalt auch den Aus- und Neubau von Straßen. "Vor allem brauchen wir aber auch emissionsarme und -freie Fahrzeuge sowie die Bündelung von Transporten um dem Herr zu werden", sagt Schmid.

Prof. Frank Bayer von der Dualen Hochschule Lörrach gab zu bedenken, dass die Finanzierung der Infrastruktur ungerecht sei - "wenn Lkw ab zwölf Tonnen zahlen - und viele andere nicht". Minister Schmid zeigte sich  auch diesbezüglich durchaus offen, gab aber zu bedenken, dass die Begeisterung der Bevölkerung dafür gering ist. "Eine wie auch immer geartete Pkw-Maut kommt on top", ist er sich sicher. Schließlich brauche man mehr Geld. VSL-Präsident Karlhubert Dischinger gab zu bedenken, dass die Lkw-Maut letztlich auch der Verbraucher zahle. Werde die Maut ausgeweitet, müsse man diese Kostenzuwächse ebenfalls der Bevölkerung vermitteln.

ZF Friedrichshafen: Komplexe Logistik eines Verladers

In die Praxis eines Verladers ging es bei Peter Heim, Logistikleiter vom Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen. Er verdeutlichte, wie man als Verlader mit seinen Logistikdienstleister auf Augenhöhe sein kann. Mit 122 Produktionsstätten in 26 Ländern spielt bei ZF die Logistik eine entscheidende Rolle. Wobei das Wachstum nicht in Europa stattfinde. Dort sieht Heim eher eine Seitwärtsbewegung. Das Plus werde eher in Asien erwirtschaftet.

Um dem Rechnung zu tragen, hat das Unternehmen den Begriff Supply Chain Excellence geprägt. Die Wertschöpfungskette müsse dabei robust und anpassungfähig sein und darüber hinaus auch schnell reagiert werden. "Das sind zugleich die Anforderungen an unsere Dienstleister", erklärte Heim.

Bei den Anforderungen hat er aber auch das eigene Haus im Blick. So bringen Einkauf und Logistik beispielseise unterschiedliche Interessen in den Beschaffungsprozess ein. "Da gibt es Konflikte, die entsprechend kanalisiert werden müssen." Daher gibt es bei ZF einen formalisierten Beschaffungsprozess, der exakt dokumentiert sei.

Auch technisch rüstet der Zulieferer auf. So erproben die Oberschwaben gerade ein aktives Transportmanagement, das IT-System TOMS von Supplyon. Dabei handelt es sich um eine Art Leitstandskonzept, um alle Transporte transparent zu steuern - mit allen Lieferanten und Dienstleistern.

Wenn es kriselt, braucht es wiederum gegenseitiges Vertrauen. "Wir trennen uns nicht so schnell von einem Partner." Aber für den Fall gibt es bei ZF eine festgeschriebene Vorgehensweise. "Selbst wenn das nicht oft vorkommt."

Heidelberger Druckmaschinen: 1.700 Lkw-Ladungen pro Jahr

Um Druckmaschinen ging es bei Robert Kusiek, Leiter der Exportlogistik bei Heidelberger Druck, dem nächsten Verlader im Bunde. Das Unternehmen erwirtschaftet rund 85 Prozent des Umsatzes im Ausland und verfügt daher über eine eigene Vertriebsorganisation. Gerade mal 15 Prozent laufen über externe Verkäufer. Aufgrund der Produkte laufen rund 64 Prozent über Seefracht, vier Prozent Luftftacht und 33 Prozent gehen über Landverkehre. "Bei Heidelberger Druckmaschinen kommen wir auf 1.700 Lkw-Ladungen pro Jahr", berichtete Kusiek.

Dabei musste das Unternehmen durchaus in seine Logistik eingreifen, produziert es doch im Vergleich zu vor sieben Jahren nur noch die Hälfte an Druckwerken. "Da brauchte es eine Konsolidierung", erkläre er. In die Projektplanung wurden daher auch die externen Logistikdienstleister eingebunden. "Damit haben wir von deren kreativen Lösungsansätzen profitiert." Von Vorteil sei gewesen, dass die Logistiker die Produkte der Heidelberger Druckmaschinen bereits kannten.

Spedition Fels: Investitionen in Millionenhöhe

Mit von der Partie in Stuttgart war dauch die Spedition Fritz Fels, die als Aussteller auf dem Logistik-Kongress vertreten war. Rund 1,2 Millionen Euro hat der Verlader für die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen in die Hand genommen. Unter anderem auch für eine Verladerampe. Aber auch das Einrichten einer Umkistungs-/Verpackungszone.

Seit November 2013 ist das neue Logistikkonzept am Start, an dem die LGI Gruppe maßgeblich beteiligt war. Heute ist die Logistik am Werk Wiesloch-Walldorf konsolidiert. Das Hub Europe befindnet sich in der Halle 2. In der Halle 69 befindet sich das Hub Overseas. "Logistik ist für uns ein absolutes Kernthema geworden", berichtet er. Daher sei man auch Mitglied bei der Bundesvereinigung Logistik (BVL) sowie im Kooperationsausschuss von Log BW.

Panalpina: Korruption als Problem

Die Seite der Logistikdienstleister beleuchtete Volker Böhringer, CEO Regional Europe bei Panalpina Welttransport. Der Logistikdienstleister hat weltweilt rund 16.000 Mitarbeiter, 560 davon in Baden-Württemberg. In Stuttgart befindet sich dabei einer der wichtigsten Standorte. Böhringer lenkte den Blick auf das Thema Compliance. Schaue man hier etwa auf die Korruption, sehe es weltweit ziemlich düster aus.

Auch Panalpina blickt diesbezüglich auf eine wechselhafte Vergangenheit zurück: So zeigte sich im Jahr 2005 ein Kunde des Logistikdiensters selbst an. Auch Panalpina wurde in diesem Zusammenhang vorgeladen. Dabei ging es um die Verzollung von Gütern. Die Untersuchung zog sich bis ins Jahr 2011. "Wir sind heute geläutert aus der Sache raus", berichtete Böhringer. Dazu habe sich das Unternehmen aber entsprechend organisatorisch neu aufgestellt. So gibt es eigens eine Ethik- und Compliance-Organisation. Demzufolge müssen sich die Manager jedes Jahr diesbezüglich weiterbilden. Der zugehörige sogenannte Code of Conduct ist in 27 Sprachen verfügbar und lässt sich sogar im Internet herunterladen.
 
Darüber hinaus bemüht sich Panalpina in kritischen Staaten darum, die Logistik so aufzustellen, dass Korruption nahezu unmöglich ist. In Rumänien etwa bemüht sich der Dienstleister um eine Zollabwicklung die komplett ohne Zahlung erfolgt. "Das dauert dann natürlich länger." Es gebe natürlich auch Länder, wo so etwas nicht geht. "In Nigeria sind wir daher nicht mehr vertreten", erklärte Böhringer. Fair bleiben heißt in dem Zusammenhang eben auch, die Grenzen des Machbaren zu erkennen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Lesen Sie hier mehr zum Logistik-Kongress Baden-Württemberg 2014

Auf der Podiumsdiskussion des Logistik-Kongress Baden-Württemberg ging es um die Frage "Wie lässt sich ein faires Miteinander in Beschäftigung und Wettbewerb gestalten?" Hier erfahren Sie mehr zu den Expertenmeinungen.

Dorothee Bär, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, diskutierte am Vorabend des Kongresses mit Experten. Unter anderem ging es um das Thema Infrastruktur.

Portraits

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

28. Mai 2014
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