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Lkw-Unfälle im Spiegel der Medien: Ursachenforschung

Die Serie der Lkw-Unfälle auf deutschen Autobahnen hält weiter an. Nun werden auch die Publikumsmedien auf die besonders schlimmen Unfälle am Stauende aufmerksam und versuchen, ihre Leser oder Zuschauer über die Ursachen aufzuklären und entsprechend zu warnen.

Am 8. August erscheint der neue FERNFAHRER und auch diese Ausgabe ist mit vielen spannenden Themen gespickt. Mein Kollege Michael Kern etwa hat in einem Vergleichstest die vier Generationen des Actros genau unter die Lupe genommen, Felix Jacoby war bei einer Spedition in Rostock zu Besuch. Ich selbst habe mich, neben dem Portrait eines Fahrers der alten Schule und dem Dauerbrenner der korrekten Zusatzbeleuchtung am Lkw, einmal mehr der Serie von schweren Lkw-Unfällen am Stauende angenommen. Schon seit zwei Jahren ist eine dramatische Steigerung auf deutschen Autobahnen zu beobachten. Schwerpunkt im Heft 9 ist dabei eine Reportage mit dem Titel "Die irre Hetze auf der A 2". Sie beschreibt unter anderem die verzweifelten Maßnahmen des Verkehrsministeriums in Niedersachen, diese Unfälle einzudämmen, und lässt in unserem Forum Fahrer über die komplexen Ursachen der Unfälle zu Wort kommen.  

Unfälle mit Lkw-Beteiligung auf Autobahnen weiter gestiegen

Nach Auswertung der Meldung lokaler Medien im Internet kracht beinahe jeden Werktag mindestens ein Lkw in ein Stauende, manchmal passieren sogar bis zu drei dieser Unfälle am Tag. Das ist natürlich keine verlässliche Statistik. Allerdings: Nach aktuellen Angaben des StatistischenBundesamtes (Destatis) gab es 2015 insgesamt mehr Unfälle und Verkehrstote als im Vorjahr. Doch die Zahl der an Unfällen beteiligten Lkw herauszufinden, ist keine leichte Sache, denn sie liegt so nicht vor. Aber ein langes Telefonat mit Gerhard Kraski, dem Hauptsachbearbeiter zum Thema Verkehrsunfälle bei Destatis in Wiesbaden, bringt es an den Tag, nachdem er mich zielsicher durch die unendlichen Zahlenreihen einer nun auch für 2015 vorliegenden Publikation (siehe PDF im Anhang) geleitet und mir gleich mündlich die Vergleichszahlen zu 2014 verraten hat. Dafür vielen Dank. 

2015 gab es auf deutschen Autobahnen insgesamt 20.133 Verkehrsunfälle (2014: 18.901). In 3.560 Fällen waren Fahrer von Güterkraftverkehrsfahrzeugen aller Gewichtsklassen nach den Ermittlungen der Polizei die Hauptverursacher von 7.734 Unfällen mit einem Personenschaden, an denen sie beteiligt waren. Das sind natürlich alle Unfälle, nicht nur die am Stauende. Es gab insgesamt dabei im vergangenen Jahr 7.117 Leichtverletzte (2014: 6.758, Anstieg von 5,3 %), weitere 2.053 Schwerverletzte (2014: 1946, Anstieg von 5,5 %) und 232 Tote (2014: 191, Anstieg von 21,5 %). Und es sieht bei einem prognostizierten weiteren Wachstum des Güterverkehrs derzeit nicht danach aus, als ob sich die Situation kurz- oder mittelfristig entspannen würde. 

Die Publikumsmedien werden nun auch auf die Lkw-Unfälle aufmerksam  

Lokale Medien berichteten in der Vergangenheit in der Regel nur über die Lkw-Unfälle an sich. Doch mittlerweile versuchen auch sie, so wie ich in meinem Blog "Nicht mehr normal" die Hintergründe zu verstehen. Das, was dabei ermittelt wird, ist, so die Ansicht der meisten Verbände des Transportgewerbes, nicht gerade förderlich für das Image der Branche. Aber es nützt ja nichts, die Unfälle zu verschweigen. Denn die Angst vor der Gefahr im Heck fährt mit. Und mittlerweile machen sich viele Fahrer und Journalisten auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage: Warum passiert das alles?

Sven Fritzsche etwa, Fahrer aus Chemnitz, kam jetzt in der Freien Presse zu Wort. Immer wieder taucht dabei das Wort Monotonie auf. Die HNA hat nach einem schlimmen Unfall auf der A 7 bei Guxhagen einen Fahrer befragt. Die Überschrift ist zwar etwas reißerisch, aber der Inhalt stimmt sehr nachdenklich. Es geht um zu viel Ablenkung am Steuer. Das sieht auch Focus Online so. Der Kölner Stadt-Anzeiger beklagt ebenfalls, dass immer mehr stehende Fahrzeuge übersehen werden. Ganz aktuell hat nun die Allgemeine Zeitung Mainz einen Versuch gemacht, die komplexen Zusammenhänge zu verstehen. Darin findet sich übrigens auch ein Interview mit mir zu diesem Thema.

Lkw-Sicherheitstag an der A 2

Wie ich bereits in meinen vorletzten Blog erwähnt habe, wollen auch immer mehr deutsche Fahrer zur Aufklärung ihrer Kollegen beitragen. Die Allianz im deutschen Transportwesen (Aidt) etwa hat nun in Zusammenarbeit mit den gerade neu entstehenden Kraftfahrerkreisen Flyer und Plakate mit Unterstützung des FERNFAHRER drucken lassen. Darin werden die Kollegen aufgefordert, ihren Notbremsassistenten, soweit er denn im Lkw verbaut ist, nicht zu deaktivieren. Immer öfter sagen mir Unternehmer, dass sie nahezu verzweifeln, weil einige ihrer Fahrer den Einsatz der Lebensretter ums Verrecken verweigern. 

Der Initiator der Aktion, Axel Flaake war deshalb bereits zum zweiten Mal auf Einladung von Wolfgang Horn, Leiter Zentrale Verkehrsdienste der Polizei Hannover, beim insgesamt dritten Lkw-Sicherheitstag des Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) e. V. in Kooperation mit der Polizeidirektion (PD) Hannover eingeladen. Auf der Raststätte Garbsen an der A 2 zeigte die Feuerwehr ihre Möglichkeiten bei der Unfallrettung und demonstrierte unter anderem, wie schwer es ist, einen Lkw-Fahrer aus seinem Unfallfahrzeug zu retten. In einem sehenswerten Filmbeitrag des NDR in der Sendung "Hallo Niedersachsen" vom 28.7. sprach GVN-Hauptgeschäftsführer Benjamin Sokolovic angesichts eines leider doch eher mäßigen Interesses der meisten Lkw-Fahrer realistisch davon, auch weiter dicke Bretter bohren zu müssen. "Wir müssen aufklären und dürfen nicht nachlassen", Sokolovic. "Wenn wir nur einen Unfall pro Tag verhindern, ist das schon ein gewonnener Tag."

Wirbel um NDR-Film bei Facebook

Auch Axel Flaake stand dem freien Mitarbeiter des NDR Rede und Antwort und mahnte dabei, den Notbremsassistenten nicht zu deaktivieren. Eine souveräne Leistung des Kollegen, den wir bereits portraitiert haben. Kurz nach der Sendung des Filmbeitrags gab es leider bei Facebook erheblichen Wirbel um diesen Filmbeitrag, der leider zeigt, dass unter Fahrern auch Neid und Missgunst herrschen.

Mittlerweile gibt es einige Communities von Fahrern, die Online-Beiträge, auch die von www.eurotransport.de, teilen und damit zu einer erlaubten und gewollten Verbreitung der Reportagen beitragen. Eine Gruppierung ist nun allerdings einen Schritt zu weit gegangen und hat aus Gründen, deren Erörterung hier den Rahmen sprengen würde, den Fahrer Axel Flaake aus dem bereits gesendeten Filmbeitrag einfach herausgeschnitten. Das ist unverschämt, um es freundlich zu bezeichnen, es ist zudem eine gravierende Verletzung des Urheberrechts, die Konsequenzen haben wird. Denn der NDR wird nun nach Auskunft der Redaktion von "Hallo Niedersachsen" dagegen vorgehen. Für alle anderen Fahrer, die Beiträge weiterhin legal teilen möchten, sei hier ein Link zum NDR verraten, der zeigt, wie es richtig geht. 

Download
Kostenlos herunterladen Destatis: Verkehrsunfälle (PDF)

Autor

Foto

Sven Flaake

Datum

4. August 2016
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