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Lkw-Unfälle: Fahrer fordern Sicherheitsabstand

Immer wieder passieren schwere Auffahrunfälle. Mit inzwischen drei Lastzügen fordert die "Allianz im deutschen Transportwesen" daher Kollegen auf, immer genügend Sicherheitsabstand einzuhalten.

Ende September war ich auf dem Weg zur NUFAM in Karlsruhe. Auch auf der A3 und der A5 reihte sich Lkw an Lkw. Und immer wieder dasselbe traurige Spiel: Der Mindestabstand von 50 Metern scheint nur noch eine theoretische Größe zu sein. Was mache Fahrer da machen, ist Harakiri. Immer wieder habe ich darüber und und über die spürbare Zunahme der Lkw-Unfälle geschrieben, zuletzt hier.

Minimale Abstände auch im Konvoi

Viele Fahrer sind beunruhigt. "Es ist wirklich erschreckend, mit welch minimalen Abständen auch im Konvoi überholt wird", sagt etwa Dean Kockel. "Das ist einer der Hauptgründe für die schwerwiegenden Auffahrunfälle." Doch mit einem Vorurteil räumt er auf: "Das Klientel beschränkt sich nicht nur auf osteuropäische Kennzeichen." Weitere Zitate von besorgten deutschen Fahrern zu diesem Thema findet Ihr am Schluss dieses Textes.

Deutsche Fahrer setzen ein Zeichen

Diesem Wahnsinn muss ein Ende bereitet werden, hat sich daher eine Gruppe von engagierten Fahrern aus dem Verein "Allianz im deutschen Transportwesen" (A.i.d.T) gesagt und vor über einem Jahr mit einem ersten Lkw ein klares Zeichen gesetzt. Axel Flaake aus Bad Oeynhausen war der erste Fahrer, der das Heck seines Aufliegers mit Erlaubnis seiner Firma mit einem drastischen Spruch beklebt hat: "Das ist das Ende meines Lkw. Lass es nicht zu Deinem Ende werden. Halte Abstand." Im FERNFAHRER hat Axel bereits berichtet, dass die private Kampagne durchaus Wirkung zeigt. "Rund 80 Prozent aller Fahrer halten tatsächlich Abstand, die anderen 20 Prozent fallen sofort wieder zurück, wenn sie es gelesen haben."

Jetzt hat der kleine Verein mit vielen Helfern und mit Unterstützung von Sponsoren eine großartige Aktion auf dem Freigelände der NUFAM organsiert – mit Tombala und beeindruckenden Vorführungen, wie man einen Fahrer nach einem Unfall aus einem Lkw birgt. Im Vordergrund aber steht die Präsentation des nächsten Aufliegers mit der markigen Warnung: ein goldbrauner Sattelzug der Spedition Modschiedler. Und da sich auch der selbstfahrende Unternehmer Karsten Glaschick ebenfalls der Kampagne angeschlossen hat, sind es mittlerweile drei Lkw, die nun die Fahrer, die hinter ihnen zu dicht auffahren, vor den oft tödlichen Folgen eines zu geringen Abstands warnen. 

Unternehmer unterstütze die Fahrer-Kampagne

"Diese Kampagne ist ein starkes Zeichen für mehr Verkehrssicherheit", betont Glaschick. "Eine Lkw-Heckbeschriftung wird direkt im Straßenverkehr wahrgenommen. Sie trägt somit unmittelbar dazu bei, das Risiko von Auffahrunfällen zu verringern. Den Einsatz der Mädels und Jungs vom AIDT e.V. finde ich klasse. Ich bin ja selbst Mitglied im Verein. So viel Zeit wie die anderen Mitglieder kann ich als selbstfahrender Unternehmer aber nicht aufbringen. Umso mehr habe ich mich über die Gelegenheit gefreut, mit dem ‚Branden‘ unseres neuen Lkw einen Beitrag für den Erfolg der Aktion leisten zu können." Auch Spediteur Roland Modschiedler, der Chef von Michael Schmalz, einem der Köpfe des Organisationsteams, ist vom Engagement überzeugt: "Ich habe diese Kampagne unterstützt, weil ich sie als sehr erfolgsversprechend ansehe und sie sicher das eine oder andere Leben retten kann."

Große Resonanz bei den Fahrern

"Als wir die Einladung zur NUFAM kurz vor Weihnachten bekamen, hätten wir am liebsten auf den Tischen getanzt", sagt Schmalz. "Wir, unser kleiner Verein, dem Vetternwirtschaft und persönliche Bereicherung vorgeworfen wurde, bekommen die Chance, uns und unsere Abstandkampagne auf einer Messe zu präsentieren!? Wow! Was für eine Ehre, was für eine Herausforderung und was für eine Aufgabe."


Der Erfolg gibt ihnen Recht. Und stellvertretend für alle, die an der Aktion mitgemacht haben, sagt Axel Flaake: "Die Reaktion der Fahrer war überwiegend positiv, nur einige wenige, die nichts davon wissen wollten, gab es natürlich auch. Besonders überrascht war ich am Donnerstag, wo nur Fachbesucher zugelassen waren. Vor allem bei den Unternehmern ist die Aktion sehr positiv angekommen, es gab nicht eine negative Meinung."

Nach Angaben des Vereins haben nun weitere Unternehmer immerhin eine Zusage gegeben, die Abstandskampagne auf ihren Trailern zu zeigen. Aber am Ende der NUFAM bleibt noch ein weiterer positiver Nebeneffekt, wie Katja Schmalz, die für die professionelle Pressearbeit des Vereins verantwortlich ist, berichtet: "Es existiert offenbar doch das Gemeinschaftsgefühl unter den Fahrern. Es war schön zu erleben, wie wir alle unseren Verein und die Abstandskampagne mit Überzeugung, Spaß und Gemeinsamkeit präsentiert haben. Allein das war es wert, an der Messe teilzunehmen. Danke an alle, die uns unterstützt und aktiv auf der Messe geholfen haben. Es war ein Wahnsinnserlebnis!"

Engagierte Fahrer zur Situation auf der Autobahn
 
Silvio Bachmann
"Auch ich sehe es jede Nacht und bekomme es manchmal mit der Angst zu tun, wenn mir einer so dicht auffährt. Durch diese Kampagne sprechen wir genau die Menschen an, die es betrifft und es auch selber in der Hand haben, den Abstand einzuhalten und somit ihr eigenes Leben und das der anderen Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden. Ich fand den Auftritt unseres Vereins echt toll. Gute Stimmung, viele nette Leute. Sehr interessant auch die Rettung eines LKW-Fahrers und natürlich die hervorragende Organisation. Ganz großen Respekt!"

Maik Erdmann
"Auffahrunfälle gab es schon immer. Nur durch die sozialen Medien wie Facebook oder auch Twitter wird uns die Häufigkeit bewusst. Das hat Vor-, aber auch Nachteile. So wird oftmals über Schuld oder Unschuld gerichtet, obwohl die wenigsten wissen, was der wirkliche Grund für einen Unfall war. Nur eben auch durch die sozialen Medien ist es möglich, diese und andere Kampagnen zu verbreiten. Einen besseren Weg, viele Leute zu erreichen, gibt es momentan nicht. Der Auftritt auf der NUFAM brachte mehr als irgendeine Demo. Man kam mit den Leuten direkt ins Gespräch, konnte diskutieren, versuchen zu überzeugen. Was auch in den meisten Fällen gelang. Ich finde, diese Art Öffentlichkeitsarbeit ist ein richtiger Weg."

Dean Kockel
"Wenn ich täglich mit der Dash-Cam alle gefährlichen Situationen aufzeichnen würde, es käme innerhalb eines Jahres bestimmt ein Terrabyte an Datenmenge zusammen. Es ist erschreckend, mit welch minimalen Abständen auch im Konvoi überholt wird. Das ist auch der Grund der schwerwiegenden Auffahrunfälle. Auch beschränkt sich das Klientel der Fahrer nicht nur auf osteuropäische Kennzeichen. Hinzu kommen viele Pkw-Fahrer, die sich ihrer eigenen Gefahr nicht bewusst sind, wenn sie kurz vor einer Ausfahrt vor einem Lkw einscheren, verkehrsbedingt abbremsen müssen und die Schrecksekunde des Lkw-Fahrers nicht ausreicht, um reagieren zu können. Ich persönlich würde mir zu der Abstandskampagne noch eine weitere wünschen: "Fahr defensiv und vorausschauend - Sekunden entscheiden über Leben und Tod". Selbst meine Magnettafel in GrößeA4 mit dem Keep Distance zeigt ein klein wenig Wirkung und ich wurde schon einige Male darauf angesprochen, im positiven Sinne.

Björn Pridöhl
"Man sieht einfach zu viele Kollegen Tag für Tag auf den Straßen, die trotz der hohen Unfallzahlen, die nachweislich bei Abstand vermeidbar gewesen wären, vorsätzlich die Assistenzsysteme deaktivieren oder einfach anderes am Steuer machen."

Katja Schmalz
"Es passiert viel zu viel durch mangelnden Abstand. Viele schreckliche Unfälle ließen sich mit ein bisschen Weitsicht vermeiden. Die Kampagne ist in meinen Augen ein sehr wirksames Mittel, um sowohl Lkw- als auch Pkw-Fahrer wachzurütteln."

Michael Schmalz
"Leider hatten wir in den letzten zwei Jahren zu viele tote Kollegen zu beklagen, aber wie ich selbst auf der Fahrt zur NUFAM feststellen durfte, scheint die Kampagne auf dem Auflieger die nachfolgenden Fahrer zum Nachdenken zu animieren, so dass sie Abstand halten."

Udo Skoppeck
"Die Kampagne ist deswegen so wichtig, weil sie unmittelbar im rollenden Verkehr wirkt. Nicht durch statische Plakate oder zerfledderte Brückenbanner. Beim Fahren bemerkt der geneigte Auffahrer erst, wie dicht er am Heck dran ist, wird unvermittelt stutzig und lässt sich wieder zurückfallen."

Dirk Sommer
"Es gibt leider viel zu viele Idioten, die sich der Gefahr nicht bewusst sind, wenn sie den Sicherheitsabstand nicht einhalten. Und damit meine ich alle Verkehrsteilnehmer."

Johann Theodor
"Es fing mit einem kleinen Aufkleber "Keep Distance" an. Verteilt von vielen Händen. Es folgte der Auflieger von Axel Flaake mit dem Abstandshinweis. Mittlerweile sind es derer drei. Und wenn das Ganze nur dazu gereicht hat, einen schweren Auffahrunfall zu verhindern  wurde sehr viel geleistet."
 
 

Die vielen Unterstützer und Sponsoren des NUFAM-Stands:

Kasatrans, ET-Radio, NUFAM, EPAL, Truck Parking Europe, Camion Pro, SVG, EP Granderath, Fahrschule Schuster, Drive Concept, Scania, Spedition Modschiedler, Spedition Karthaus, Trucker Church, Michael Wasser, DLRG Haßlinghausen, Wolfgang Schiffers, Günzburger Steigtechnik, CCS Mannheim, Jutta Steinruck, MdEP. Grillzicke Asmusen


Das Team vor Ort bestand aus:
Steffen Achtstetter, Silvio Bachmann, Veith Böhme, Lars Dreier, Maik Erdmann, Axel Flaake, Kati Kalesse, Matthias Gilge, Michael Meier, Holger Sichelschmidt, Katja und Michael Schmalz, Michael Schroh Claudia und Udo Skoppeck und Gregor Ter Heide

Autor

Datum

5. Oktober 2015
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