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Lkw Trucks-Chefentwickler Ennerst im Gespräch: Daimler testet Systeme bis an ihre Grenzen

Im Oktober 2015 hat Daimler medienwirksam einen Actros auf die Straße gebracht, mit dem der Hersteller die Systeme zum automatisierten Fahren testet. Nach einem Jahr Probebetrieb zieht Daimler Trucks-Chefentwickler Sven Ennerst eine positive Zwischenbilanz. Man teste die Systeme bis an ihre Grenzen. Kritische Situationen hat es demnach aber noch nicht gegeben, sagt er im Gespräch mit eurotransport.de.

eurotransport.de: Herr Ennerst, vor einem Jahr haben Sie einen Actros mit Highway Pilot im Beisein von Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann medienwirksam in den Verkehr gebracht. Welche Erkenntnisse haben Ihnen die Tests mit diesem Fahrzeug seitdem geliefert?

Ennerst: Wir befindem uns im Plan hinsichtlich unseres Entwicklungspfades. Es geht darum, einzelne Funktionalitäten des Gesamtsystems detaillierter zu testen, so dass wir sie zum Ende dieser Dekade in unsere Fahrzeuge einbauen können. Begonnen hatte der gesamte Prozess ja schon vor zwei Jahren, als wir unsere Vision vom autonomen Fahren erstmals in Magdeburg und auf der IAA 2014 in einem Technologieträgervorgestellt haben. Der nächste Schritt war, diese Technologie in ein aktuelles Serienfahrzeug zu integrieren. Das ist vor einem Jahr passiert.

Wie oft macht sich der Chef-Entwickler selbst ein Bild vom Geschehen?

Solche Funktionalitäten muss man erfahren – im wahrsten Sinne des Wortes. Da kann man sich viel auf dem Papier anschauen, aber am Ende kommt es auf die Integration der Systeme in das Fahrzeug und ihre Wirkungsweise an. Bei jedem neuen Entwicklungsschritt fahre ich die verschiedenen Fahrzeuge dann auch meistens selbst.

Die verschiedenen Fahrzeuge – also ist es bei dem einen Actros mit Highway Pilot nicht geblieben?

Es gibt inzwischen mehrere Erprobungsfahrzeuge. Wir testen unterschiedliche Fahrzeug-Konfigurationen.

Ihr Aktionsradius dürfte sich nicht auf Baden-Württemberg beschränken, auch wenn Sie dort den Actros mit Highway Pilot vor einem Jahr vorgestellt haben …

Wenn wir über den Actros reden, sind wir heute in ganz Deutschland unterwegs. Einzelfunktionen testen wir aber auch in anderen Ländern – zum Beispiel in den USA oder in Japan. Es handelt sich ja nicht um Systeme, die wir spezifisch auf Deutschland oder Europa ausrichten. Daimler hat mehrere Marken im Fokus und schaut sich deshalb die Applikationsfähigkeit auch für diese Marken an.

Zurzeit keine Tests mit Platooning

Wie häufig sehen wir die Actros-Lkw mit Highway Pilot in Deutschland denn zusammen fahren – Stichwort Platooning?

Platooning testen wir im Moment nicht, das liegt an den heute noch spezifischen und teils sehr aufwendigen Zulassungbedingungen in den einzelnen deutschen Bundesländern. Wir werden das Thema aber nicht vernachlässigen. Zudem gibt es ja auch andere Regionen und Länder, in denen wir Platooning erproben können.

Welchen Streckenanteil hat bei Ihren Erprobungen das autonome Fahren, also die Fahrt mit aktiviertem Highway Pilot?

Das messen wir nicht. Unser Ziel ist vielmehr, die Einzelfunktionalitäten des Systems anzuschauen. Generell gilt, dass wir uns immer in Level 2 des automatisierten Fahrens bewegen. Der Fahrer hat immer die Kontrolle und Verantwortung für das Fahrzeug, wir reden über eine Unterstützung durch die Systeme.

Gab es schon kritische Situationen, in denen der Fahrer eingreifen musste?

Wir versuchen immer, die Systeme auch bis an Ihre Grenzen zu testen. Aber kritische Situationen gab es dabei bisher nicht.

Sehen Sie an irgendeiner Stelle dennoch Korrekturbedarf?

Ich kann nicht sagen, dass es an irgendeiner Stelle Schwierigkeiten geben würde. Es kommt darauf an, möglichst viele Kilometer zu fahren, um in der Erprobung alle Eventualitäten, die im Straßenverkehr auftreten können, in den Systemen abzubilden. In unserer Vision vom autonomen Fahren sind die Sicherheitssysteme ein ganz wesentlicher Baustein. Und wir wollen sicherstellen, dass diese Systeme funktionieren. Das bedeutet, dass wir für die Absicherung dieser Systeme sehr viele Erprobungsfahrten benötigen – auch um sicher zu gehen, dass es nicht zu Fehlwarnungen kommt.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Daimler/Henrik Morlok

Datum

31. Oktober 2016
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