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Lkw-Polizeikontrollen in Deutschland: Lenkzeiten-Schmu im Visier

Mögliches Diebesgut und Verdacht auf Tachomanipulation – an den Autobahnen A 1 und A 2 greift die Autobahnpolizei mit großen Kontrollen durch.

Fahndungserfolg macht mutig. Ende Februar hatten Beamte der Verkehrspolizei Direktion (VPD) West aus Brandenburg auf der A 10 einen litauischen Sattelzug kontrolliert. Der Fahrer konnte keine ordnungsgemäßen Frachtunterlagen vorzeigen und so erhärtete sich sehr schnell der Verdacht, dass etwas mit seiner Ladung nicht stimmte. "Die Zollplombe war gefälscht", beschreibt Gerald Selinger, der erste Polizeihauptkommissar der VPD, den Zufallstreffer. "Unsere Beamten haben dann auf der Ladefläche drei Land Rover im Wert von 250.000 Euro entdeckt. Sie waren in Holland als gestohlen gemeldet. Der Fahrer wurde vorläufig festgenommen."

135 Polizisten beim Großeinsatz

Vier Wochen später steht Selinger auf dem Aral-Autohof Schopsdorf an der A 2. Quer über das Gelände verläuft in etwa die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Es ist immer noch früh dunkel, aber angenehm warm. Das Technische Hilfswerk hat bereits zwei Lichtmaste und ein großes Zelt aufgebaut, als Selinger gegen 19 Uhr zur Einsatzbesprechung ruft. 135 Polizeibeamte aus beiden Ländern machen sich bereit zu einer gemeinsamen nächtlichen Großkontrolle an der Transitaustobahn. Auch dort hat der Schwerverkehr aus Osteuropa in den letzten Jahren massiv zugenommen. Nicht umsonst heißt die Route bei den deutschen Fahrern "Warschauer Allee". Aber nicht nur Handelsware ist dort unterwegs. Immer öfter versuchen organisierte Banden, im Schutz der Dunkelheit Diebesgut aus Deutschland zu schaffen. Und so heißt es knapp im Einsatzbefehl: "Bekämpfung der Eigentumskriminalität, der Kfz-Komplettentwendungen, des Ein- und Durchfuhrschmuggels und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz."

Wettrennen von Hase und Igel

"Die Aufgaben sind klar verteilt", erläutert  Hauptkommissar Selinger. "Die Kollegen aus Sachsen-Anhalt ziehen auf der A 2 verdächtige Fahrzeuge aus dem fließenden Verkehr, unsere Leute führen hier vor Ort dann die Kontrollen durch." Es ist so etwas wie das Wettrennen von Hase und Igel, von Profis auf beiden Seiten des Gesetzes. "Wir wissen natürlich, dass bei Lkw mit gestohlener Ware unauffällige Pkw vorausfahren, um zu überprüfen, ob wir kontrollieren. Und natürlich spricht sich unsere Aktion schnell über die diversen sozialen Medien oder den klassischen CB-Funk unter den Lkw-Fahrern herum." Deshalb sind auch auf den Umgehungsstraßen Fahrzeuge in Zivil unterwegs, Einsatzwagen stehen weiter östlich an den Auffahrten zur Autobahn. Das Fahndungsnetz ist weit ausgeworfen und eng geknüpft.

Die klassische Manipulation mit einem Magneten ist rückläufig

Schauplatzwechsel an die A 1 zur Autobahnpolizei Bramsche nördlich von Osnabrück: Zwei Nachtkontrollen und drei Tageskontrollen stehen auf dem Plan. Das erste Fazit kann Polizeihauptkommissar Helfried Gössel, Leiter Schwerlastkontrolle der Autobahnpolizei Osnabrück, schon früh ziehen: "Die klassische Manipulation mit einem Magneten am Kitas-Geber des Getriebes ist rückläufig", berichtet er. "Denn um den neuen Kitas-Geber, der seit Oktober 2012 in allen Lkw eingebaut werden muss, von außen zu beeinflussen, bedarf es eines derart starken Elektromagneten, dass es einem sofort die Finger wegreißt." Aber jede gute Nachricht hat auch ihren negativen Nebenaspekt. "Wir müssen feststellen, dass immer öfter – vor allem von Transportunternehmern oder Fahrern aus dem Osten – die alten Kitas-Geber wieder eingebaut werden. Auch das können wir bei einer intensiven Kontrolle natürlich mit der entsprechenden Software in der Fahrzeugelektronik auslesen. Bei Ebay sind sie aber dennoch der Renner."

Auch bekannte deutsche Firmen tricksten

Die Manipulation des Tachos ist eine Straftat. Und dennoch lassen sich Fahrer immer wieder dazu verleiten – oder machen es aus eigenem Antrieb. Gössel hat seine Fälle schön säuberlich in einem Ordner festgehalten, mit Bild der erwischten Fahrzeuge. Ein kurzer, wohlgemerkt unerlaubter Blick zeigt: Auch bekannte deutsche Firmen sind dabei, und sei es 'nur' mit den Fahrzeugen ihrer osteuropäischen Niederlassungen. Selbst Unternehmen, von denen man es nie und nimmer gedacht hätte, stehen auf der Liste. Ein glatter Dolchstoß in den Rücken des Glaubens an die Seriosität des Gewerbes und eine bittere Pille für die Frachtführer, die mit Qualität im Wettbewerb punkten wollen.

Den vollständigen Artikel gibt’s in FERNFAHRER 6/2014, jetzt am Kiosk.

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

2. Mai 2014
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