Lastenräder, Matthias Gastel (Grünen) Zoom

Lastenräder: Bundesregierung sieht erhebliches Potenzial

Die Zukunft gehört den Lastenrädern. In der Distributionslogistik können sie nach Einschätzung der großen Koalition wichtige Aufgaben übernehmen.

"Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass es noch ein großes, bislang nicht genutztes Potenzial für Lastenfahrräder – auch mit elektrischer Unterstützung – insbesondere im Liefer- sowie im Service- und Dienstleistungsverkehr – vor allem in den Kommunen gibt", erklärt der Parlamamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), Enak Ferlemann, auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Matthias Gastel, Harald Ebner und Bärbel Höhn.

Lastenräder können zur Stauvermeidung beitragen

Ferlemann weist darauf hin, dass Lastenräder als umweltfreundlich gelten und sie zur Stauvermeidung beitragen können. Vor diesem Hintergrund habe das BMVI eine Studie in Auftrag gegeben, die die weiteren Potenziale des Lastenrads aufzeigen soll. Der Anspruch ist hoch: Geplant ist eine Bestandsaufnahme von Transportdiensten mit dem Fahrrad in Europa. Ferner ist eine Potenzialanalyse für verschiedene Marktsegmente sowie eine Prognose mit Blick auf die Umwelt- und Verkehrsauswirkungen vorgesehen. Liegen die Ergebnisse vor, will das BMVI daraus Maßnahmen und Handlungsempfehlungen zur Förderung der Fahrrad-Elektromobilität im urbanen und ländlichen Raum ableiten.
Unabhängig davon fördert die Bundesregierung bereits heute den Einsatz von Elektrorädern. Staatssekretär Ferlemann weist auf ein Dutzend Maßnahmen hin, die gefördert oder bezuschusst werden. Darunter sind sieben Einzelprojekte mit einem Fördervolumen von rund 9,5 Millionen Euro, die teils seit 2011 laufen und spätestens 2016 enden. Dazu gehören etwa das Elektro Power-Projekt E-Synergy, das ein Ultraleichtfahrzeug für die letzte Meile auf die Straße bringen will, oder das Projekt SPL-S, das die Entwicklung eines einspurigen Lastenrads zum Ziel hat. Weitere fünf Maßnahmen sind Teil der Schaufenster Elektromobilität beziehungsweise des Nationalen Radverkehrsplans und beziehen sich auf den Individualverkehr. Dahinter stehen Fördermittel von 4,3 Millionen Euro.

Das Verkehrsministerium geht davon aus, dass die Nachfrage nach E-Rädern weiter steigt. 2013 sind laut Zweirad-Industrie-Verband rund 410.000 E-Bikes verkauft worden. 95 Prozent davon sind Pedelecs, die nicht rein elektrisch fahren, sondern nur die Muskelkraft unterstützen. "Der Einsatz von E-Rädern und die Fortentwicklung der entsprechenden Technologien werden weiterhin im Rahmen der laufenden Förderprogramme der Bundesregierung unterstützt", heißt es.

Den Grünen geht das Engagement des Bundesverkehrsministeriums nicht weit genug

So viel Engagement das Bundesverkehrsministerium bei der Förderung der Fahrrad-E-Mobilität auch an den Tag legt – nach Auffassung der Grünen reicht es nicht. "Die Förderung von Pedeleds und Lastenfahrrädern durch die Bundesregierung bleibt halbherzig", kritisiert Matthias Gastel, der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. "Zwar unterstützt die Bundesregierung verschiedene Forschungsprojekte und Modellinitiativen, aber weitreichende Förderziele sowie einen separaten Etat für Elektro-Fahrräder im Bereich der Elektro-Mobilitätsforschung gibt es nicht", bemängelt er. Im Fokus der Förderung stehe das Elektroauto. "Obwohl die Verbesserung der Infrastruktur für E-Bikes weniger aufwendig ist und die Nachfrage nach Pedelecs bisher höher ist als nach Elektroautos."

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Matthias Gastel

Datum

9. September 2014
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