Lang-Lkw, Rinterink, Georgi, Schockemöhle Zoom

Lang-Lkw: Weitere Akteure an Bord

Der Feldversuch nimmt Fahrt auf − mit Rigterink, Schockemöhle und Georgi sind drei weitere Mittelständler dabei. An Bord der Fahrzeuge sind Lebensmittel, Fahrzeugteile sowie Luftfrachtpaletten.

Der Teilnehmerkreis des Feldversuchs mit Lang-Lkw ist seit Jahresbeginn weiter gewachsen. Aktuell sind nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), die das Projekt wissenschaftlich begleitet, 33 Unternehmen mit zusammen 63 Fahrzeugen gemeldet.

Bei den neuen Mitstreitern handelt es sich erneut um mittelständische Speditionen, die unterschiedlichstes Ladegut befördern: Die Spedition Rigterink aus dem niedersächsischen Nordhorn zum Beispiel transportiert damit Zwieback innerhalb von Thüringen, konkret zwischen dem Brandt-Werk in Ohrdruf und dem neuen Rigterink-Logistikzentrum in Bollberg.

Rigterink hat bereits einschlägige Erfahrung mit langen Einheiten

Der Lkw sei seit einigen Wochen erfolgreich unterwegs, erklärt das Unternehmen gegenüber trans aktuell. Der Lebensmittellogistiker hat bereits einschlägige Erfahrung mit 25 Meter langen Einheiten: Im Rahmen eines Landesprojekts hatte er schon von März 2008 bis Dezember 2009 ein Langfahrzeug auf dieser Relation eingesetzt.
Ebenfalls in Niedersachsen, in Mühlen, hat der Logistikdienstleister Paul ­Schockemöhle seinen Sitz. Im Gegensatz zu Rigterink sind beim Schockemöhle-Langfahrzeug aber keine Lebensmittel, sondern Autoteile an Bord. "Das Fahrzeug verkehrt täglich zweimal zwischen dem Schockemöhle-Logistikzentrum in Holdorf im Kreis Vechta und dem Daimler-Werk in Bremen", teilt die Firma mit.

Eine Fahrt kann eingespart haben

Bis zum Start der 25-Meter-Einheit am 20. Januar pendelten drei bis vier konventionelle Lkw zwischen Holdorf und Bremen. "Nun kann mindestens eine Fahrt eingespart werden", heißt es. Entscheidend für die Teilnahme am Feldversuch war für die Firmenchefs die Öffnung des Bundeslands Bremen für Lang-Lkw. Bereits seit 2010 hat sich Schockemöhle nach eigenen Angaben mit dem Einsatz von längeren Fahrzeugkombinationen befasst und mögliche Strecken geprüft.

Bei dem einen Lang-Lkw muss es aber nicht bleiben. Der Einsatz weiterer Einheiten werde fortlaufend geprüft, heißt es. Schockemöhle begründet dies mit dem steigenden Verkehrs­aufkommen, dem man nur durch intelligente Transportlösungen wie dem Lang-Lkw und der Nutzung des Kombinierten Verkehrs (KV) begegnen könne. Der Betreiber der schwarzen Fahrzeuge mit dem aufgedruckten Pferdekopf bezweifelt, dass der Lang-Lkw der Schiene schadet. Er weist darauf hin, dass er fast zeitgleich zur Teilnahme am Feldversuch sein Aufkommen im KV gesteigert hat − von vier auf sechs Auflieger am Tag.
Eher außergewöhnlich mutet die Teilnahme des Unternehmens Georgi Transporte am Feldversuch an. Denn der Spezialist für Luftfrachtverkehre auf der Straße hat seinen Sitz im nordrhein-westfälischen Burbach. Und NRW zählt zu den Ländern, die sich einer Teilnahme am Feldversuch verweigern − zum Verdruss von Verbänden, Unternehmen und auch des Bundesverkehrsministeriums. Doch Georgi setzt die beiden Lang-Lkw, die seit Februar unterwegs sind, auch nicht im Flächenland rund um seine Firmenzentrale, sondern zwischen den großen deutschen Flughäfen ein. Deren Zufahrten sind Teil des Positivnetzes, also für Lang-Lkw freigegeben. Damit ist Georgi neben der Spedition Georg ­Reischl aus Ebersberg bereits der zweite auf sogenannte Road-­Feeder-Services spezialisierte Teilnehmer des Feldversuchs.

Entlastung der Autobahn und Klimaschutz

"Wir setzen unsere Lang-Lkw täglich auf den Strecken zwischen den Flughäfen Frankfurt, Leipzig, Dresden, Hannover, München und Nürnberg sowie nach Norderstedt − also zum Airport Hamburg − ein", erklärt das Unternehmen gegenüber trans aktuell. Ziel sei es, auf den entsprechenden Routen bis zu 30 Prozent der zurzeit benötigten Lkw einzusparen. "Das bedeutet natürlich weniger Fahrten, weniger Kraftstoffverbrauch, weniger Emissionen und einen zusätzlichen Beitrag zur Entlastung der Autobahnen sowie zum Klimaschutz", heißt es von der Georgi-Gruppe, die etwa 350 Mitarbeiter beschäftigt und rund 250 eigene Lkw einsetzt.

Vom ersten Gedanken bis zum ersten Einsatz dauert es vier Monate

Der Vorlauf vom ersten Gedanken über die Genehmigungen bis hin zum Einsatz der Fahrzeuge habe rund vier Monate gedauert. Georgi Transporte hat sich, was die Konfiguration der Fahrzeuge angeht, für Scania-Motorwagen mit Kofferaufbau, Dolly-Achse und Kofferanhänger entschieden. Alle Fahrzeuge seien zusätzlich mit versenkbaren Rollenböden für die Beförderung von Luftfrachtpaletten und Containern ausgestattet.

Wie Schockemöhle erwägt auch Georgi eine weitere Aufstockung der Langfahrzeugflotte. Wobei die Georgi-Gruppe in der Planung schon einen Schritt weiter ist: Die Verantwortlichen in der Firma haben bereits feste Vorstellungen: "Zwei weitere geplante Lang-Lkw-Motorwagen werden vom Typ MAN TGX sein", heißt es. Bis sie auf die Straße kommen, dürfte demnach nicht mehr viel Zeit vergehen. Damit würde die Zahl der am Feldversuch teilnehmenden Lkw nach anfänglicher Zurückhaltung erneut steigen.


APPELL AN NRW

Der Niedersächsische Industrie- und Handelskammertag (NIHK) hat erneut eine Beteiligung aller Bundesländer am Feldversuch mit Lang-Lkw gefordert. "Wir brauchen einen ergebnisoffenen Feldversuch auf allen Autobahnen für ein ökologisch und ökonomisch sinnvolles Fahrzeugkonzept", erklärt der NIHK. Unverständlich sei vor allem die anhaltende Blockade des Lang-Lkw durch einzelne Bundesländer. Explizit spricht der Dachverband der Kammern hier die Rolle des Nachbarn Nordrhein-Westfalen an. Aber auch Niedersachsen müsse weitere Strecken freigeben, wenn der unternehmerische Bedarf da sei.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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4. April 2014
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