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Lang-Lkw-Studie: BGL und VSL äußern sich zu den Vorwürfen

Mit einer Studie greift die Allianz pro Schiene den Lang-Lkw an. Die Verbände BGL und VSL nehmen nun Stellung zur Studie.

Laut Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sprechen einige objektive Fakten gegen das von der Allianz pro Schiene auch in eigenen Mitteilungen immer wieder verbreitete Bild. So stehe eine künftige Zulassung der Lang-Lkw erst nach Vorlage der Ergebnisse aus dem derzeitigen Feldversuch zur Diskussion. Es gehe laut BGL dabei nicht um eine Erhöhung der Gesamtgewichte auf 60 Tonnen und mehr, wie in der Studie kolportiert wird. Tatsächlich stünden ausschließlich die längeren Fahrzeugkombinationen im Mittelpunkt.

Bereits im dritten Jahr sind Lang-Lkw demnach mit höchster Sicherheitsausstattung und mit besonders qualifizierten Fahrern ohne Beanstandungen auf einem ausgewählten Straßennetz unterwegs. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) spreche zudem in ihrem Zwischenbericht nur von einer "geringen Anzahl an identifizierten Risiken". Zudem attestiere die BASt Lang-Lkw eine Kraftstoff- und CO2-Ersparnis im Feldversuch von 15 bis 25 Prozent. Tatsächlich gibt es vom Verband Spedition und Logistik Nordrhein-Westfalen bereits einen Anforderungskatalog: Mindestens fünf Jahre Fahrpraxis im Lkw-Bereich für die Fahrer, spezielle Schulungsmaßnahmen für das Führen von Langfahrzeugen, genehmigungspflichtiger Einzelrelationsverkehr und der zwingende Einsatz von Assistenzsystemen wie Radarbremse in jedem Lang-Lkw.

Verkehrsverlagerung ist unwahrscheinlich

Weiter sei eine Verlagerung des Verkehrs von der Bahn auf die von der Allianz pro Schiene dramatisierend "Straßenungetüme" genannten Lang-Lkw nicht zu erwarten. Dies stütze sich auch auf Aussagen von Verkehrsexperten aus dem Eisenbahnbereich. Zwar biete der Lang-Lkw mehr Laderaum, bleibe aber auf 40 Tonnen beschränkt. So eigne er sich ohnehin nur für großvolumige oder leichte Güter wie Dämmstoffe oder Möbel. Diese Güter seien bislang keine Domäne der Bahn. Zudem sei wegen der etwas größeren Maße und der höheren Achsanzahl die Nutzlast der Lang-Lkw bei 40 Tonnen Gesamtgewicht deutlich geringer als bei Standard-Lkw. "Für eine Rückverlagerung von kombinierten Verkehren von der Schiene auf die Straße wird die volle Nutzlast gebraucht", so der BGL. Lang-Lkw seien also für diesen Zweck gar nicht geeignet.

Auch Einwände bezüglich der EEG-Umlagen für den strombetriebenen Eisenbahnverkehr bei gleichzeitiger "Mautabsenkung" für Lkw lässt der BGL nicht gelten. Tatsächlich habe die Bahn aber noch lange nicht die gleiche Belastung zu tragen wie der Straßenverkehr. "Verkehrspolitik in Deutschland lässt sich nicht mit der Konfrontation Schiene gegen Straße betreiben", sagt BGL-Präsident Adalbert Wandt. "Die Herausforderungen und das Verkehrswachstum sind so groß, dass sie nur bei intensiver Kooperation der Verkehrsträger überhaupt zu lösen sind."

VSL: unseriöse Studie

Auch der Verband Spedition und Logistik Nordrhein-Westfalen (VSL) verteidigt Lang-Lkw gegenüber der Studie. Der Verband weist ebenso auf die Kraftstoff-Einsparungen hin. Zwei Lang-Lkw ersetzten drei reguläre Lkw. Das helfe zudem, auch dem steigenden Fahrermangel entgegenzuwirken. "Die vorgelegte Studie der Verkehrswissenschaftler der Technischen Universität Berlin beinhaltet Hypothesen, die nicht zutreffen", kommentiert der Verkehrswissenschaftler und Vorstand des VSL Dr. Rüdiger Ostrowski die Studie. "Wenn bei dem Studienauftrag eine Allianz pro Schiene Auftraggeber ist, die für den Schienengüterverkehr spricht, ist es wohl wenig verwunderlich, dass diese Studie zu dramatischen Ergebnissen kommt, die gegen die Lang-Lkw-Konstruktion sprechen."

Das Gewerbe fordere keinen flächendeckenden Einsatz der Lang-Lkw, sondern genehmigungspflichtigen Einzelrelationsverkehr zwischen Knotenpunkten. "Es ist bedenklich, dass solche unseriösen Studien nur einseitige Ansichten darstellen und diese als verkehrsökonomisch, sinnvolles Instrument aufbauen, ohne sachlich alle Felder zu beleuchten." Man müsse zu einer sachlichen Diskussion zurückfinden, um dieses verkehrspolitische Instrument endlich einsetzen zu können. "Diese Studien helfen in der Diskussion nicht weiter."

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Krone

Datum

25. August 2015
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