Lang-Lkw, Lager Zoom

Lang-Lkw: Fakten zu den Großen

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat die wissenschaftliche Begleitung des Feldversuchs in Angriff genommen. Mit dabei sind 13 externe Forschungspartner. Die Teilnehmerzahl ist geringer als gedacht.

Sie will es genau wissen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat sich zum Ziel gesetzt, bei der Begleitforschung des Feldversuchs mit Lang-Lkw so viele Erkenntnisse wie möglich zu sammeln. Diesen Eindruck konnte man bei einer Infoveranstaltung der Behörde vorigen Donnerstag in Bergisch Gladbach gewinnen. So ist die Zahl der in das Projekt eingebundenen Forschungspartner fast genauso groß wie die der am Feldversuch teilnehmenden Unternehmen. 13 Projekten, die durch externe Dienstleister betreut werden, stehen aktuell 15 Firmen gegenüber, die sich am Feldversuch beteiligen.

Die Zahl der verkehrenden Lang-Lkw ist kleiner als die bislang genannten 36

Die Teilnehmerzahl ist damit deutlich geringer als bislang angenommen. Die BASt spricht auf ihrer Internetseite von 20 beteiligten Firmen: Tatsächlich ist der Teilnehmerkreis mit 15 Unternehmen um ein Viertel kleiner. Das liegt daran, dass zwei Betriebe weiterhin auf die Freigabe ihrer Strecken warten, bei den anderen drei Firmen verzögern andere Gründe den Start. Die Zahl der bereits verkehrenden Lang-Lkw ist ebenfalls kleiner als die bislang genannten 36. Zwei Teilnehmer hätten noch nicht alle gemeldeten Einheiten im Einsatz, hieß es. Eine weitere Überraschung: Die BASt erklärte erstmals öffentlich, dass die Bahnfähigkeit der Lang-Lkw hergestellt sei, wenn einer der Behälter kranbar ist. Viele Unternehmen waren bislang davon ausgegangen, dass beide Einheiten für eine Verladung auf die Schiene geeignet sein müssen.

Was die Teilnehmerzahl betrifft, geht BASt-Vizepräsident Prof. Michael Rohloff davon aus, dass sie noch deutlich steigt. So habe der Fahrzeugbauer BMW angekündigt, zehn zusätzliche Einheiten auf die Straße zu bringen. Und auch 65 weitere Streckenabschnitte, die in Bälde hinzu kommen, brächten Bewegung in den Versuch.

Die Phase der Datenerhebung soll nicht länger als fünf Jahre laufen

Gleichzeitig ergänzte Rohloff, dass es für vernünftige Versuchsergebnisse nicht auf die Quantität ankomme. "Wir wären ohnehin nicht in der Lage gewesen, ein paar Hundert Fahrzeuge anzuschauen", sagte er. Auszuwerten gibt es auch bei einer überschaubaren Zahl an Teilnehmern genug: Insgesamt fünf Themenfelder hat die BASt ausgemacht, die sie mit den Forschungspartnern unter die Lupe nimmt. Das sind die Punkte Fahrzeuge, Fahrer, Infrastruktur sowie die Auswirkungen auf Transport, Logistikprozesse und Umwelt. Der fünfte Punkt ist mit "Sonstiges" überschrieben. Die Phase der Datenerhebung soll nicht länger als ein Jahr laufen. Da die meisten Wissenschaftler ihre Projekte bereits im Herbst in Angriff genommen haben, ist dieses Jahr mit ersten Ergebnissen zu rechnen.

Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Sicherheit durch die Projekte. Unter anderem wollen die Institute herausfinden, wie es um das Fahrverhalten der Lang-Lkw bestellt ist, ob die Assistenzsysteme ihren Zweck erfüllen und wie sich Überholvorgänge gestalten. Ferner interessiert die beteiligten Wissenschaftler, welche Folgen sich beim Einfädeln auf die Autobahn ergeben, ob der Straßenoberbau der Belastung standhält und ob Tunnels sowie Rückhaltesysteme Crashs gewachsen wären.

Lang-Lkw mit unterschiedlichen Achslastverteilungen

Was die Straßenbelastung angeht, ließ Ingenieur Wolf Uhlig, der mit der TU Dresden die entsprechende Studie vorbereitet, durchblicken, dass er beim Lang-Lkw von unterschiedlichen Achslastverteilungen ausgeht. Die könnten sich sehr wohl auf den Oberbau der Straßen auswirken.

Mit am spannendsten dürfte die Antwort auf die Frage sein, ob die Leitplanken den Kräften der Lang-Lkw standhalten. Im Gegensatz zu den anderen Forschungsprojekten rund um den Feldversuch ist nach Ansicht der Wissenschaftler bei dieser Frage keine Antwort anhand von Modellrechnungen oder anderen Erhebungen möglich.

Uwe Ellmers, Leiter des BASt-
Referats Straßenausstattung, kündigte an, dass sein Haus mit der Prüforganisation Dekra entsprechende Versuche sowohl an Beton- als auch an Stahl-Rückhaltesystemen fahren wird. Die Iveco-Zugmaschinen sind bereits angeschafft, angehängt wird ein Lang-Lkw vom Typ 3, den drei Viertel der teilnehmenden Unternehmen einsetzen: eine Kombination aus Motorwagen mit Wechselbrücke, Dolly-Achse und Auflieger. "Wir werden die Versuche mit einem Anprallwinkel von 20 Grad und einer Geschwindigkeit von 65 Stundenkilometer durchführen", sagte Ellmers.

Ob die Schutzsysteme halten, ist fraglich: In Deutschland müssen sie bei einem Anprallwinkel von 20 Grad nur Kräfte auffangen, die bei 13 Tonnen und 70 km/h entstehen. Ellmers wagt daher keine Prognose. Bricht eines der beiden Rückhaltesystemen zwischen den Fahrbahnen, wäre er schon zufrieden. "Dann wäre der Lang-Lkw zumindest aufgehalten."

Mit elf Fahrern aus fünf Firmen

Von Ellmers abgesehen, geht das Gros der Forschungspartner mit Fragebögen auf Datensammlung, was bei den Speditionen nicht nur Freude auslöst. "Wir verlangen Ihnen schon einiges ab", sagte BASt-Projektleiter Dr. Marco Irzik an die Adresse der Teilnehmer. Mit Fragebögen ist etwa das Projekt verbunden, das Aussagen zur möglichen psychologischen Beanspruchung der Fahrer treffen möchte. Mit elf Fahrern aus fünf Firmen waren die Wissenschaftler schon in Kontakt. Mit sieben von ihnen wurden sowohl Interviews als auch Fahrten absolviert.

Besonders beim Feldversuch gefordert sind der Handelsriese Edeka und die Firma Schäfer Transporte aus Holzminden. Deren Lang-Lkw sind besonders begehrte Objekte der Forschungspartner. Da sie praktisch täglich immer dieselben Strecken fahren und auch als konventionelle Einheiten unterwegs sind, versprechen sich die Wissenschaftler von ihrer Beobachtung besonders viel und haben sie mit zusätzlicher Kameratechnik vollgestopft.

Diese beiden Betreiber wissen aber auch ohne diese Untersuchungen, was sie am Lang-Lkw haben. "Er ist das sicherste Fahrzeug überhaupt. Manch ein Autofahrer würde sich wünschen, er hätte einen hinter sich", sagte der Technische Leiter von Edeka Südbayern, Anton Klott. Damit spielte er darauf an, dass diese Fahrzeuge mit allen modernen elektronischen Systemen, wie einem Bremsassistenten, ausgestattet sein müssen. "Der Lang-Lkw ist ein Engel auf Rädern", so Klotts Fazit.

Meist nur Einschichtbetrieb

In der Begleitforschung hat sich gezeigt, dass die Lang-Lkw im Schnitt nur im Einschichtbetrieb unterwegs sind. In der von Dr. Wolfgang Röhling betrachteten Kalenderwoche (KW) 51 im vorigen Jahr waren die zu dem Zeitpunkt eingesetzten Lang-Lkw im Schnitt 7,5 Stunden am Tag mit einer durchschnittlichen Entfernung von 500 Kilometern im Einsatz. In dieser KW absolvierten die damals 19 Lang-Lkw an 710 Stunden insgesamt 47.000 Kilometer. Röhling ist Chef der Firma TCI Röhling und ermittelt mit der Uni Sankt Gallen, ob und wie sich Lang-Lkw auf die Verkehrsnachfrage auswirken. Die erhobenen Werte haben sich bei einer erneuten Betrachtung in KW 2 2013 kaum verändert: Danach waren die Lang-Lkw im Schnitt sieben Stunden und über 460 Kilometer im Einsatz. Insgesamt bewältigten sie an 660 Stunden 44.000 Kilometer.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Datum

24. Januar 2013
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