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Lager: Roboter erledigen die Retoure

BLG Logistics setzt in seinem Logistikzentrum Frankfurt vollautomatische Fahrzeuge ein. Das Pilotprojekt soll auch auf andere Standorte übertragen werden.

Nicht weniger als einen Paradigmenwechsel findet mit dem System G-Com im Lager statt, darin sind sich die Beteiligten einig Statt wie bisher der Mensch zum Regal, sprich zur Ware, kommt jetzt das Regal zum Menschen. Eine umgedrehte Welt, die die Kommissionierung verändern wird, sagen das Softwarehaus Inconso, der Maschinenbauer Grenzebach Automation und der Logistikdienstleister BLG Logistics.

Transportsystem G-Com ist in Frankfurt in Betrieb

Das fahrerlose Transportsystem namens G-Com ist erstmals im Logistikzentrum von BLG Logistics in Frankfurt in Betrieb. Für einen Kunden, Anbieter von Berufsbekleidung und Betriebsbedarf, übernehmen dort 210 BLG-Mitarbeiter das Online-Versandgeschäft mit rund 1,3 Millionen Sendungen pro Jahr. Wie überall im Onlinehandel gibt es auch hier reichlich Retouren: Bis zu 8.000 Einzelteile kommen von den deutschen Kunden jeden Tag wieder zurück, in Spitzenzeiten bis zu 14.000 Artikel. Die besonders geschulten Mitarbeiter, schreiben den Kunden die Ware gut und begutachten deren Zustand. Ist dieser gut, wird die Ware neu verpackt und ins Retourenlager gebracht.
Bis hier nichts Ungewöhnliches. Aber: Im Retourenlager arbeiten keine Menschen, Zäune sperren den Bereich ab. Kommissioniert wird an fünf, Stargates genannten Pick-Stationen, an denen automatisch die Regale vorfahren, auf denen sich die Ware befindet, die der Mitarbeiter für den nächsten Bestellauftrag benötigt. Sind die Teile entnommen und gescannt (oder, bei der Retoure, in das Regal gelegt), fährt das Regal automatisch wieder auf die Lagerfläche zurück.

Bis zu 600 Kilogramm können Carrys schultern

Dafür schiebt sich eines der 75 niedrig gebaute Transportfahrzeuge der Firma Grenzebach, Carrys genannt, unter das Regal, hebt es an und transportiert es auf einem festgelegten Weg. Bis zu 600 Kilogramm können die Carrys schultern, und 60 Meter in der Minute zurücklegen. Geleitet werden sie durch 2.200 Bodenmarker auf dem Fußboden. Eine Schnittstelle zum Inconso  Lagerverwaltungssystem fungiert dabei als Taxizentrale und gibt vor, zu welcher Pickstation welches Regal gebracht, und wo es abgeholt werden muss. Ebenfalls im System werden die Stellplätze der Regale verwaltet. Geladen werden die Carrys induktiv über Ladematten am Boden.

Retouren schnell bearbeiten

"Wir haben ein System gesucht, das sich in einer Bestandsimmobilie einbauen lässt, das schnell verfügbar ist und mit dem wir eine hohe Produktivität erreichen", sagt Andreas Wellbrock, Mitglied des Vorstands BLG Logistics für den Geschäftsbereich Kontraktlogistik. Ziel sei gewesen, die Retouren schnell zu bearbeiten und schnell wieder zurück ins System einsortieren zu können. Seit Oktober vergangenen Jahres ist es in Betrieb, zum Weihnachtsgeschäft ist es dann voll gestartet. Zu den Investitionskosten macht keiner der Beteiligten Angaben, ebenso zu den Betriebskosten.

Das Projekt hat für BLG Pilotcharakter: Ist es gut skalierbar, kann es mit dem Kundenauftrag wachsen? "Das wollen wir für künftige Anwendungen auf Herz und Nieren testen – denn ich kann mir das etwa auch für den Automobilbereich, etwa für ein Ersatzteillager, vorstellen."

Ilona Jüngst

Autor

Foto

Tristan Vankann

Datum

19. Februar 2015
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