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Ladungssicherung : Europaweite Standards gefordert

Zwei Tage lang diskutieren Experten auf dem von Dekra und VDI veranstalten Symposium Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen. In Klettwitz auf dem Euro Speedway geht es um einheitliche europäische Standards, Vorschriften zur Berechnung von Zurrkräften und juristische Aspekte der Ladungssicherung. Referenten vermitteln ihr Wissen über neue Erkenntnisse sowie deren Auswirkungen auf die Praxis.

 „Wir müssen die Vorschriften zur Ladungssicherung im Straßengüterverkehr und die Praxis der Kontrollbehörden europaweit zügiger vereinheitlichen“, sagt Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands der DEKRA SE und Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil auf dem Symposium.

„Deutschland hat europaweit einen einzigartigen und ausreichenden Standard bei der Ladungssicherung erreicht, den es zu konsolidieren und europaweit zu etablieren gilt“, sagt Klinke. Seiner Ansicht nach müssten bei diesem Prozess die betroffenen Praktiker angemessen einbezogen werden. Es seien praktikable, einfach verständliche und vor allem für das Transportgewerbe bezahlbare Standards und Lösungen unabdingbar, die keinen Raum für Interpretationen lassen. Ladungssicherung auf heutigem Niveau sei ein Kostenfaktor, der nicht vernachlässigt werden könne.

Stimmen aus der Branche: 

„Es drängt sich der Eindruck auf, dass in dem bereits seit vielen Jahren bewährten, nachweisbar immer sicherer gewordenen Transportsystem künftig ein unverhältnismäßiger, nochmals erhöhter Aufwand betrieben werden muss, um den Vorschriften gerecht zu werden“, sagte Klemens Große-Vehne, Inhaber der Große-Vehne Speditions. Hiermit sei ein erhöhter Werteverzehr verbunden, der im harten internationalen Wettbewerb besser eingesetzt werden könnte. Ein sicherer Transport und die Sicherheit beim Be- und Entladen seien im Interesse aller Beteiligten. Maßgebend für weitere Entwicklungen müssten jedoch konkrete Erkenntnisse aus dem realen Unfall- und Schadengeschehen sein. Verschärfungen von Vorschriften aufgrund hypothetischer Annahmen seien auf dem bereits erreichten hohen Sicherheitsniveau kritisch zu prüfen.


Bernd Thiede fordert alle fünf Jahre die DIN-Norm EN 12642-XL zu prüfen

Bernd Thiede, Schmitz Cargobull AG, sprach sich dafür aus, die im Jahr 2007 veröffentlichte DIN-Norm EN 12642-XL zur Festigkeit von Fahrzeugaufbauten alle fünf Jahre auf Richtigkeit und Aktualität zu überprüfen. Bei einer Aufbauprüfung nach EN 12642 Code XL ergeben sich nach seinen Erkenntnissen als Schwachstellen der fehlende Abgleich zwischen dynamischer und statischer Prüfung und der hohe Kostenaufwand für die Fahrzeughersteller. Zudem müssten Neukonstruktionen und zugekaufte Komponenten erneut geprüft werden. Moderne Assistenzsysteme wie das Roll Stability Programm, ein ESP für Trailer; würden nicht berücksichtigt, auch gebe es keine einheitliche EU-Regelung. Weiter seien für Altfahrzeuge teilweise aufwendige Nachrüstungen notwendig. Als Vorteil der Aufbauprüfung nach EN 12642 Code XL nannte Thiede, dass unter bestimmten Voraussetzungen keine zusätzlichen Ladungssicherungsmaßnahmen notwendig sind, was Aufwand, Zeit und Kosten spare. Ein Ladungssicherungszertifikat biete Sicherheit bei Kontrollen durch Polizei und BAG. Bei einigen Verladern sei es eine Bedingung für zukünftige Fahraufträge, zudem erleichtere es den Wiederverkauf der Fahrzeuge. Der VDA Normenausschuss wird das Ende Oktober 2011 in Berlin diskutieren.

Zügige Abläufe sorgen bei der Sicherung der Ladung für weniger Stress


In der täglichen Praxis stören oft nur Kleinigkeiten, die sich aber durch relativ einfache Maßnahmen verbessern lassen. „Einige immer wieder kehrende Arbeitsabläufe, vor allem bei der Sicherung der Ladung, lassen sich dann stressfreier erledigen“, erklärte Toni Hotz, Toni Hotz Transporte in Hördt. „Dies macht die Abläufe zügiger und fördert die Souveränität der Fahrer. Einmalige Investitionen in Zeit und Geld zahlen sich auf Dauer mehrfach aus.“ Die Spedition, die mit Daimler und Dekra kooperiert, führte einige Verbesserungen an ihren Fahrzeugen ein, die sich bestens bewährt haben. Dazu zählt eine zertifizierte Plane, bei der 24 Aluminiumprofile die sonst üblichen Stecklatten ersetzen. Beim Beladen verringert dies Unfallrisiken, Lärmemissionen und Rüstzeiten. Weiter rüstet der Mittelständler seine 28 Sattelanhänger mit stabileren, rot-weiß gestreiften Palettenanschlagleisten mit erhöhtem Biegemoment aus. Die Anhänger verfügen über zusätzliche Rückfahrscheinwerfer, selbst entworfene Leiterhalterungen und verstärkte Stützfüße. Ein aufgenähter Scheuerschutz an Spanngurten erhöht die Transportsicherheit und die Lebensdauer der Gurte. „Trotz eines Mehrgewichts von rund 100 Kilogramm und rund zwei Wochen Umbauzeit pro Sattelanhänger haben sich die in Eigenregie durchgeführten Nachrüstungen in der Praxis vielfach bewährt“, sagt Hotz.

Referate, Diskussion und Fahrdemonstrationen sorgen für regen Austausch

Neben interessanten Referaten kompetenter Experten haben die Veranstalter zur Podiumsdiskussion „Nationale und internationale Ladungssicherungskontrollpraxis – Rechtssicherheit quo vadis?“ eingeladen. Insgesamt konnten  220 Teilnehmer aus 14 Ländern an der regen  Diskussion teilnehmen. In Klettwitz führten zudem Fachleute diverse Fahrdemonstrationen mit unterschiedlichen Ladegütern im Spurwechseltest vor. Die Ausstellung mit Best Practice-Beispielen hat den Bogen zur Praxis gespannt.

Verleihung des Europäischen Sicherheitspreises

Neben interessanten Referaten und Diskussionsforen haben Dekra, EVU und DVR den  Europäischen Sicherheitspreises Nutzfahrzeuge 2011 verliehen. Der Preis ist in diesem Jahr an den japanischen Entwicklungsingenieur Hidehiko Enomoto gegangen.

Foto

Rosenberger

Datum

7. Oktober 2011
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