Alles über Dauertest Renault Kangoo Z.E.
Bei sensiblem Umgang mit dem Fahrpedal und Außentemperaturen von rund fünf Grad Celsius schafft der Kangoo Z.E. etwa 65 Kilometer. Zoom

Ladestationen in Stuttgart: Das Leid beim Laden eines Elektroautos

Elektroauto fahren könnte ganz einfach sein – wenn die Ladestationen funktionieren würden. Die Zapfstellen der EnBW in Stuttgart tun das eher selten.

In Deutschland gibt es 920 Erdgastankstellen. Im Schnitt alle 388 Quadratkilometer eine. Das ist nicht gerade viel. Trotzdem bin ich kürzlich in drei Tagen mit einem Erdgasauto problemlos 2.500 km quer durch Deutschland gefahren.

In Stuttgart hat die EnBW 233 Elektroladestationen aufgestellt. Im Schnitt alle 0,8 Quadratkilometer eine. Stuttgart ist eine sogenannte Schaufensterregion für Elektromobilität. Eben bin ich 20 Kilometer mit einem Elektroauto gefahren und fünfmal vor defekten Ladestellen gestanden.

233 Ladestationen in Stuttgart

Die Misere begann gestern Abend, als ich zu einem Geschäftstermin in die Stuttgarter City musste. "Nimm das Elektroauto, das parkt überall kostenlos", dachte ich mir. In der Innenstadt zeigte der Renault Kangoo Z.E. noch eine Reichweite von 17 Kilometer an. "Hmmmm, vier Kilometer bis nach Hause, und knapp zehn ins Büro morgen früh, das wird knapp", kalkulierte ich schnell. Aber wozu gibt es denn die 233 Ladestationen? Blöderweise war die Station in der Theodor-Heuss-Straße belegt und ich hatte keine Zeit, weiter zu suchen.

Zwei Euro fürs Laden pro Stunde

20.15, noch eine halbe Stunde bis zum Anpfiff der Championsleague. Also schnell heim und dort aufladen, dann ein Fußballbier auf dem Sofa. Ich wohne in Stuttgart Botnang, einem überschaubaren, ruhigen Stadtteil außerhalb des Talkessels. Trotzdem gibt es dort gleich fünf Zapfpunkte für Strom. Einen davon keine 200 Meter weg von meiner Wohnung. "Prima, dann lade ich eben über Nacht." Das kostet zwar richtig Geld, denn selbst wenn das Auto fertig geladen ist, kassiert die EnBW zwei Euro für jede Stunde, an der das Auto an der Ladesäule hängt. Die Alternative hieße aber: Irgendwann nachts aufstehen und das Auto umparken. Eigentlich eine tolle Geschäftsidee: Mit Ladesäulen Parkgebühren eintreiben. Nur nicht wirklich kundenfreundlich.

Defektes Lesegerät

Die Station war sogar frei. Doch als ich die Ladekarte ans Lesegerät hielt, meldet es lapidar: "Kein Ladeplatz frei." Na klasse, das kenne ich schon. Erst vor ein paar Tagen musste ich mit einem E-Smart von Car2go unverrichteter Dinge weiterfahren.

Freundliche Mitarbeiter bei der Hotline

Anruf bei der Hotline der EnBW: Ein Herr Schmidt nimmt verständnisvoll meine Daten auf und verspricht rasche Abhilfe. Also auf zur nächsten Station. Ein Kilometer Fußmarsch in der Kälte tut doch gut nach dem langen Tag im Büro. Leider reagiert diese Ladestation nicht auf meine Karte, weigert sich, die Klappe zu öffnen. Herr Schmidt von der EnBW reagiert schon leicht irritiert auf meinen erneuten Anruf, wünscht mir aber viel Glück bei der weiteren Suche und einen schönen Abend.

Weiter zu Station Nummer drei. Mittlerweile ist es kurz vor 21 Uhr, Manuel Neuer hat schon den ersten Elfmeter gehalten und die Zapfstation meldet auf dem Display "Ladedauer 1 Stunde". Moment Mal, der Kangoo braucht mindestens sechs Stunden, um seine 22-kWh-Batterie zu füllen. Habe ich irgendetwas falsch eingestellt? Schnell das Lademenü gecheckt – alles ok. "Wird schon klappen", denke ich noch und mache mich auf den Fußmarsch nach Hause, gerade noch rechtzeitig zum zweiten Elfer, den Alaba an dem Pfosten donnert.

Um 7.45 starte ich den Spaziergang ins Dorf, um das Auto zu holen. Frische Luft am Morgen, sollte man öfters machen. Der Renault steht noch da, nur leider immer noch mit leerer Batterie. 10,5 Stunden hing das Kabel an der Dose und kein Elektron ist geflossen. Nichts, das Auto ist so leer wie gestern Abend. Acht Kilometer Reichweite, das reicht nie bis ins Büro. Herr Schmidt hat längst Feierabend, jetzt meldet sich Herr Doll bei der Störungsstelle. Er prüft die Kartennummer, er prüft die Ladestation und verspricht rasche Abhilfe.

Der Saft ist alle. Was tun?

Ins Büro reicht der Saft nicht, aber bis nach Vaihingen zum Bahnhof sollte ich es noch schaffen. Von dort kann ich mit dem Bus ins Büro fahren. Ich streichle das Pedal des Renault, schalte die Heizung ab, lasse das Radio aus. Doch es hilft nichts, an der Uni piepst das Auto aufgeregt, zeigt null Kilometer Reichweite und verlangt nach frischem Saft. Sofort!

Also das iPhone gezückt und per EnBW-App die nächste Lademöglichkeit gesucht. Toll, dass die App alle Stationen anzeigt. Blöd, dass sie weder sagt, ob sie funktionieren, ob sie frei sind und dass es keinen Routenplaner gibt. Nicht mal die genauen Adressen sind hinterlegt. Trotzdem finde ich den Ladepunkt am Pfaffenwaldring. Doch auch Station Nummer vier verweigert den Dienst, reagiert erst gar nicht. Herr Doll von der EnBW ist sehr verständnisvoll, als ich meinem Unmut Luft mache, murmelt etwas von Updates, die er über die Stationen laufen lässt, und empfiehlt die beiden Ladestellen auf dem Gelände der Universität gleich um die Ecke. Beide seien ok, er habe es extra nochmals geprüft.

Die Mär vom Update

Mittlerweile ist mein Adrenalinpegel gut gestiegen. Wenn ich jetzt liegenbleibe, werde ich zum akuten Verkehrshindernis. Trotzdem wage ich es, steuere den Kangoo sacht die paar hundert Meter auf den Uni-Parkplatz – und finde eine defekte Säule vor, zugeklebt von der EnBW, die mit dem Aufkleber um Verständnis bittet. Nein, Verständnis habe ich keines, überhaupt nicht. Schon gar nicht, nachdem auch die zweite Säule schon auf dem Display wieder einen Fehler meldet. Mittlerweile kennt Herr Doll meine Nummer, begrüßt mich mit Namen. Es täte ihm wirklich so leid. Aber er sitze doch in Karlsruhe. Und ich solle doch 20 Minuten warten, von wegen Update und so.

Ich ließ den Kangoo stehen und fuhr mit einem Smart von Car2go ins Büro. Das klappte prima. Der Smart benimmt sich genauso problemlos wie unser Kangoo, den wir hier testen. Elektroautos machen wirklich Spaß, die Dinger sind flink, leise – echt cool. Nur beim Laden kann man in Wallung kommen. Schaufenster Elektromobilität? Die EnBW hat doch einen großen Laden in der Stadt. Ich muss mich echt bremsen, sonst fahre ich denen demnächst in die Fenster.

Foto

Hanno Boblenz

Datum

20. Februar 2014
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