Schiene, Duss Zoom

KV-Terminal: Der Preis höchster Sicherheit

Im Chemiedelta Bayerns eröffnet Anfang 2014 ein öffentliches KV-Terminal. Umweltschutzauflagen haben die Kosten explodieren lassen.

Mehr Service, weniger Kosten und Emissionen – das verspricht sich Wacker Chemie vom neuen
KV-Terminal im Osten Bayerns. 740.000 Tonnen Chemiestoffe ließ Wacker im Jahr 2012 von Burghausen aus versenden, davon 70 Prozent per Lkw. "Bisher müssen wir mangels Umschlagkapazitäten und leistungsfähigen Alternativen auf der Schiene unsere Kunden in Europa nahezu ausschließlich über die Straße beliefern", bedauert Sprecher Klaus Millrath. Das soll sich ab 2014 ändern.

950 Lkw verkehren täglich im ChemDelta Bavaria

Das Potenzial auf der Schiene ist groß. Im bayrischen Chemiedelta zwischen Aschau, Trostberg und Burghauen tummeln sich acht Chemie- und Industriestandorte mit 25 Unternehmen und 25.000 Mitarbeitern. Zu den größten Unternehmen zählen Wacker Chemie, Vinnolit und Borealis, deren Transportmenge 2012 7,6 Millionen Tonnen betrug, davon 4,3 Millionen Tonnen in Burghausen.  46 Prozent der Güter waren auf der Schiene unterwegs. 950 Lkw und 385 Waggons verkehren laut der Regio Invest Inn-Salzach täglich im so genannten ChemDelta Bavaria. Das Investorenkonsortium, bestehend aus Stadt Burghausen, Landkreis Altötting, Raiffeisenbank Altötting/Mühldorf, Wacker Chemie und Borealis, bezahlt 8,6 Millionen Euro am 35-Millionen-Euro-Terminal.
Mit dessen Inbetriebnahme im März 2014 sind in der ersten Ausbaustufe bis zu 48.000 Hübe jährlich vorgesehen. Vier Umschlag- und drei Abstellgleise mit insgesamt 4,4 Kilometern Länge für 630-Meter-Züge und ein Portalkran müssen montiert werden. Mit der zweiten Ausbaustufe sollen 24.000 Hübe hinzu kommen. 80 Prozent der Kosten werden gefördert.

Nötig wurden neue Straßen, Gleisanschlüsse, die Verlegung einer Hochdruckgaspipeline und eine Brücke über den Alzkanal. Dessen Bau war anno 1914 der entscheidende Faktor für die Ansiedlung der Chemieindustrie, die bereits damals aus dem Abfluss des Chiemsees Strom gewann und  Kühl- und Prozesswasser entnahm. 18 Hektar Wald wurden für den Bau abgeholzt. In letzter Minute stimmte das bayrische Finanzministerium dem Waldverkauf zu.

"Wir hatten sehr schnell hohe Umweltauflagen", sagt Ingenieur Matthias Riederer vom Münchner Planungsbüro Hitzler. So entfielen 20 Prozent der gesamten Herstellungskosten auf die Umsetzung der Verordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (VAUwS, §29). Alle Umschlagbereiche, insgesamt 25.000 Quadratmeter, mussten mit 70 Zentimeter Stahlbeton ausgekleidet werden, um sie stoffundurchlässig zu machen. Darf doch die Bodenplatte keine Risse ausbilden. "Die Auflast ist enorm. Die Container stehen auf 18 mal 16-Zentimeter-Füßen und werden dreilagig übereinander gestapelt", erklärt Riederer.

Erstes öffentlich gefördertes Terminal Deutschlands

"Wir sind das erste öffentlich geförderte Terminal Deutschlands, das die Verordnung komplett umsetzt", sagt der Bauleiter – inklusive einem 400.000-Liter-Löschwasserbecken. Ob der Betrieb des KV-Umschlags trotz der hohen Umweltauflagen wirtschaftlich ist, bleibt abzuwarten. Denn die Umschlagvergütung steigt laut Riederer nicht über die 20 Euro pro Hub bei einem geförderten Terminal. Im 40 Kilometer nahen Salzburg koste ein Hub 45 bis 65 Euro. Der Neubau in Burghausen wird die Diskussion um die Nachrüstung von bestehenden KV-Terminals sicher neu anheizen.
Die Deutsche Umschlagsgesellschaft Schiene-Straße (Duss) hat die öffentliche Ausschreibung als einer von drei Bewerbern gewonnen. Mit ihrer Erfahrung und einem schlüssigen Betriebskonzept habe sie das Investorenkonsortium überzeugt, so Riederer. Sie wird ab März für den sicheren Transport der sensiblen Chemiegüter sorgen, gemeinsam mit der DB Schenker Rail-Tochter BTT und dem Silologistiker
Karl Schmidt Spedition.

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Deutsche Bahn

Datum

1. Oktober 2013
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