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Kühne + Nagel: Kontraktlogistik legt um 860.000 Quadratmeter zu

Der Logistikkonzern Kühne + Nagel betreibt Flächen von fast zehn Millionen Quadratmetern. Der Landverkehr ist das zweite Mal in Folge profitabel.

Immense Schwankungen bei den Frachtraten, ein Preisverfall infolge von Überkapazitäten in der Luft- und Seefracht und ein starker Schweizer Franken haben den Logistikdienstleister Kühne + Nagel im vergangenen Jahr erneut vor große Herausforderungen gestellt. Das Unternehmen hat diese Schwierigkeiten jedoch gemeistert und in Zürich für das Jahr seines 125-jährigen Bestehens Rekordzahlen vorgelegt. 

Zwar gingen die Umsätze infolge der niedrigeren Frachtraten um 4,7 Prozent auf 20,28 Milliarden Franken (18,66 Milliarden Euro) zurück, doch gelang es dem Management, das Ergebnis um 3,8 Prozent auf 850 Millionen Franken (782 Millionen Euro) zu steigern. Die Rendite liegt bei 5,1 Prozent – und damit in einer Größenordnung, die Vorstandschef Dr. Detlef Trefzger erst für 2016 erwartet hätte. Allein durch die Frankenaufwertung hat Kühne + Nagel nach Angaben von Finanzvorstand Markus Blanka-Graff 1,7 Milliarden Franken Umsatz (1,56 Milliarden Euro) und 538 Millionen Franken Rohertrag (495 Millionen Euro) verloren.

Landverkehr ist nicht länger Sorgenkind

Zum zweiten Mal in Folge ist der Landverkehr – das langjährige Sorgenkind – in den schwarzen Zahlen. Die gemessen am Umsatz von 2,83 Milliarden Franken (2,6 Milliarden Euro) kleinste der vier Firmeneinheiten schloss das Jahr 2015 mit einem Ergebnis von sieben Millionen Franken (6,4 Millionen Euro) ab. Grund für das vergleichsweise geringe Ergebnis ist eine Geldbuße von 34 Millionen Franken (31 Millionen Euro), die Kühne + Nagel wegen Kartellabsprachen für die 2009 in Frankreich übernommene Alloin-Gruppe bezahlen muss. Konzernchef Trefzger will sich das Geld vom früheren Eigentümer jedoch zurückholen, da die Preisabsprache den Zeitraum vor der Übernahme betreffe. 2015 hat die Landverkehrssparte nach längerer Zeit auch mit einer Übernahme von sich reden gemacht: Im Juni rutschte die auf Intermodalverkehre spezialisierte Retrans-Gruppe in den USA unter das Kühne + Nagel-Dach, 300 Mitarbeiter an 68 Standorten kamen hinzu. In der Zwischenzeit habe man bereits neue Aktivitäten aufgebaut – unter anderem gemeinsame Intermodaltransporte von den USA nach Mexiko.

Kontraktlogistik expandiert

Stark auf Expansion ausgerichtet war die Kontraktlogistik, die für einen Umsatz von 4,71 Milliarden Franken (4,33 Milliarden Euro) steht, wegen hoher Investitionen jedoch ein rückläufiges Ergebnis hinnehmen musste. Insgesamt 860.000 Quadratmeter an neuer Logistikfläche kamen voriges Jahr weltweit hinzu. Damit steht das Unternehmen mit 9,9 Millionen Quadratmetern an der Schwelle zur Zehn-Millionen-Marke. Vor allem in Europa, Nordamerika und Asien habe man sich mit neuen Anlagen verstärkt, sagte Trefzger auf Nachfrage der Fachzeitschrift trans aktuell. Hauptbranchen seien die Pharma- und Hightech-Industrie sowie der wachsende Bereich E-Commerce. 

50 bis 60 Millionen für Singapur

Mit dem Aufbau einer 50.000 Quadratmeter großen Logistikimmobilie in Singapur, die zu Jahresbeginn an den Start ging, tätigte Kühne + Nagel seine größte Einzelinvestition außerhalb Europas. Allein 50 bis 60 Millionen der insgesamt investierten 250 Millionen Franken seien 2015 auf das neue Hub in Fernost entfallen. Fest steht für Trefzger, dass die mit solchen Immobilien verbundenen Aktivitäten immer über die reine Lagerhaltung hinaus gehen müssen. "Damit kann man keinen Deckungsbeitrag erzielen, und das wird von den Kunden hoffentlich auch nicht mehr nachgefragt", sagte er.

Seefracht: Geliefert wie versprochen

In der Seefracht, wo sich Kühne + Nagel als klarer Marktführer sieht, nahm das Ergebnis um 15,3 Prozent auf 459 Millionen Franken (422 Millionen Euro) zu. 2015 sei damit auch für die Seefrachtsäule das erfolgreichste Jahr überhaupt gewesen, bilanzierte der Vorstandschef. "Wir haben geliefert wie versprochen." Kühne + Nagel disponierte 3,8 Millionen 20-Fuß-Container – pro Quartal also 200.000 mehr als der nächste Wettbewerber, wie Trefzger unterstrich. Die besondere Kunst sei es gewesen, in einem von Überkapazitäten geprägten Markt und angesichts springender Frachtraten das Volumen und die Profitabiliät zu steigern. Kühne + Nagel kaufe Frachtraten neuerdings tagesaktuell und nicht mehr Monate im Voraus ein. "Die Kapazität ist da."

Luftfracht: Kein Rückgang der Kapazitäten

Auch in der Luftfracht erwartet Trefzger keinen Rückgang der Kapazitäten. Der Vorstandschef will hier nicht mit dem Preis, sondern mit der Stabilität und Verlässlichkeit von Luftfrachttransporten punkten. Gerade im Frische- und Pharmabereich sieht er erhebliches Potenzial. Diese Branchen seien auf sichere Lieferketten mit stabilen Temperaturen angewiesen. Kühne + Nagel hat dazu unter anderem seinen Service KN Phama-Chain entwickelt, der permanente Kontrolle und Zugriff auf die Sendungen ermöglicht. Insgesamt konnte der Konzern seine in der Luft beförderte Tonnage um knapp fünf Prozent auf 1,25 Millionen Tonnen steigern. Das Ergebnis wuchs um 11,3 Prozent auf 265 Millionen Franken (244 Millionen Euro). Auf große Schwankungen stellt sich Detlef Trefzger hinsichtlich der Raten auch für 2016 ein – doch auch das werde man meistern. Er rechnet für den Konzern erneut mit einer Umsatzrendite von mehr als fünf Prozent.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Kühne + Nagel

Datum

2. März 2016
5 4 3 2 1 5 5 1
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