Kühltransporte Jochen Pross 12 Bilder Zoom

Kühltransporte Jochen Pross: Ein tolles Team im Enztal

Im Enztal ist Dreh- und Angelpunkt der Logistik von Kühltransporte Jochen Pross. Die Touren gehen nach Berlin und bis in den tiefen Schwarzwald.

Die Enz entspringt im nördlichen Schwarzwald, sie passiert bei Neuenbürg an der B 294 zunächst die Forellenzucht Zordel und dann das Gewerbe­gebiet Rotenbach. Als noch die Wasserkraft genutzt wurde, stand hier eines der größten Sägewerke der Region. "Parkettboden aus Rotenbach ziert heute noch den Londoner Buckingham-Palast", erzählt Jochen Pross, 51, bei einer Führung über das riesige ­Gelände. "1967 hat Herbstreith & Fox hier ihre ersten Rohstofflagerhallen errichtet und seither immer weiter ausgebaut."
Tausende Tonnen Apfeltrester lagern in den Holzhallen. Er fällt an, wenn der Saft aus den Äpfeln gepresst wird. Überwiegend aus Osteuropa kommt dieser Trester heute für die Herstellung von Pektin. Diesen natürlichen Lebensmittelzusatzstoff wiederum produziert Herbstreith & Fox im Werk in Neuenbürg ein paar Kilometer die Enz abwärts. "70 Tonnen Trester für sieben Tonnen Pektin ist der Umrechnungsfaktor", erklärt Roland Bott. Mit einem Schubbodenauflieger fährt er am Tag durchschnittlich vier Touren aus einer der Hallen in die Produktion. "Ich fange um halb sechs an und bin jeden Abend daheim", sagt Bott. "Im Jahr summiert sich das mal eben auf tausend Fahrten. Nach 25 Jahren als ­Berufskraftfahrer reicht es mir, wenn meine Strecke bis zum Kunden jetzt nur noch knapp vier Kilometer lang ist."

Ganz im Gegenteil zu Daniel Rittmann: Der Familienvater lebt für den nationalen Fernverkehr, solange er am Wochenende daheim ist. Er bringt das auf Paletten oder in Big Bags verpackte Pektin im Planzug zum zweiten Werk von Herbstreith & Fox nach Werder bei Berlin. "Sonntagabend um 22 Uhr geht es raus. Die Lenkzeit reicht, um dort gleich in der Frühe abzuladen und anschließend meine Pause zu machen." Zwei Rundläufe sind es in der Woche. Daniel hat den Beruf aus Leidenschaft gewählt. Seinen Actros hat er nach und nach mit edlem Leder und anderem Zubehör ausgestattet. "Hier bei Pross zählen für mich besonders der moderne Fuhrpark und der Zusammenhalt unter den Kollegen", sagt Daniel. "Fast alle unsere Lastzüge, also auch ein Teil der älteren ­Actros MP3, haben bereits alle jeweils verfügbaren Fahrerassistenzsysteme. Gerade auf den langen Touren ist das eine echte Lebensversicherung. Ich kann nicht verstehen, dass manche Kollegen die Technik einfach abschalten, wie ich gelesen habe."

Am Samstag steht die Flotte sauber aufgereiht vor den Hallen in Rotenbach. Der offizielle Firmensitz ist zwar in Calmbach, aber der Dreh- und Angelpunkt ist seit zehn Jahren das Gelände unweit von Neuenbürg. Dort sitzt Jochen Pross zusammen mit seinem Disponenten Maik Renkewitz, 43, in einem kleinen Büro in einem Gebäude von Herbstreith & Fox. Maik ist nach der Wende als Lkw-Fahrer in den Schwarzwald gekommen, ist erst vier Jahre für Pross gefahren und plant nun mit seinem Chef zusammen die Touren. "Wir haben eine denkbar kleine Verwaltung", sagt der gelernte Lebensmittelkaufmann Pross, der sich 1989 mit einem gebrauchten Sprinter mit Kühlaufbau selbstständig gemacht hat. Seine Frau Manuela macht die Buchhaltung. Es ist eine für die Branche typische Geschichte: Nach und nach kam ein Auto dazu. Erst ein 3,5-Tonner, dann ein 12,5-Tonner und schließlich ein gebrauchter Mercedes-Benz 1832 – der Einstieg in die Klasse der Sattelzüge, damals mit einem Kühler von Chereau. Seitdem ist Pross ausnahmslos dem Stern treu geblieben. 1989 folgte der erste Kunde aus dem Lebensmitteleinzelhandel: Kaufland in Möckmühl, 1998 der zweite, Aldi in Rastatt.

Teil eines tollen Teams

Mittlerweile ist die blaue Flotte auf 26 Sattelzüge angewachsen. "Wir holen die Waren zu festen Terminen in den Zentral­lagern ab und beliefern die Filialen der beiden Kunden vornehmlich im Süden", erklärt Pross. Ein Teil der Lkw wie der von Kurt Neher ist noch mit einem Mann besetzt. "Das wollen wir aber weiter auf Schichtverkehre umstellen und suchen dazu weitere gute und vor allem auch motivierte Fahrer – möglichst aus der Region."

Wenn es eines sichtbaren Beweises bedarf, dass viele Fahrer nicht nur die Atmosphäre eines inhabergeführten Betriebes schätzen, sondern auch immer öfter großen Wert auf geregelte Arbeitszeiten legen, dann ist der Samstagvormittag die beste Gelegenheit. Bereits seit acht Uhr sitzen Jochen Pross und Maik Renkewitz im Büro. Sie lesen Fahrerkarten aus und besprechen mit den Mitarbeitern, die von der Tour zurückkommen, die Woche. So wie mit Wolfgang Albiez. Elf Jahre war er für eine Spedition ganz aus der Nähe auf der Traumtour nach Mallorca unterwegs. Auch ein zweiter Inselfahrer ist längst zu Pross gewechselt. "Das hört sich besser an, als es wirklich ist", sagt Albiez, "vor allem auf Mallorca selbst blieb zwischen Ankunft und Abfahrt der Fähre kaum Zeit."
Ein Teil der Lkw wird mittlerweile in ein ­wöchentlich wechselndes Schichtsystem eingeteilt. Bis tief in den Schwarzwald hinein fahren die Lkw täglich. "Die eine Schicht geht von Sonntagabend bis Samstagfrüh", erläutert Pross, "die andere dann entsprechend von Montagfrüh bis Freitagabend. Den Lkw tauschen die Fahrer hier auf dem Gelände. In der Regel läuft es ohne Probleme, sodass kein Stress aufkommt."

So hat schließlich auch Sebastian Naujoks vor sechs Jahren nach seiner Umschulung zu seinem beruflichen Glück gefunden. "Obwohl ich Berufsanfänger war, habe ich bei Pross eine Chance bekommen." Längst hat er sich bewährt und ist, wie er selbst betont, Teil eines tollen Teams geworden. "Ich möchte gar ­keine anderen Touren mehr fahren als regionale Lebensmitteldistribution."

Zahlen & Fakten

Anschrift:
Kühltransporte Jochen Pross
Jahnstr. 31
75323 Calmbach
Tel. (+49) 0 70 81/50 19
Fax (+49) 0 70 81/50 20
E-Mail jochen.pross.kuehltransporte@
t-online.de
Gründungsjahr: 1989
Unternehmensgröße: Inhabergeführtes nationales Kühltransportunternehmen
Umsatz: 3,5 Millionen Euro
Schwerpunkt: Regionale Distributionslogistik für den Lebensmitteleinzelhandel im Schichtverkehr, Ferntouren für Herbstreith & Fox nach Werder bei Berlin, Versorgungsverkehre mit Schubbodenauflieger vom Außenlager zur Produktion
Beschäftigte: 33
Fahrer: 31, drei Aushilfen
Fuhrpark: 26 Mercedes Actros mit 420 und 450 PS, davon 15 neue Actros und elf MP3, jeweils mit großem Fernverkehrsfahrerhaus und überwiegend mit allen aktuellen Fahrerassistenzsystemen, 22 Kühlauflieger von Schmitz Cargobull mit Carrier-Kühlaggregat, Zweikammersystem. Zwei Schubbodenauflieger von Kraker, zwei Curtainsider von Schmitz
Eigene Werkstatt: Ja
Einsatzbereich der Fahrer: Überwiegend regionale Distribution für den Lebensmitteleinzelhandel im Süden, natio­nale Ferntouren, Werkversorgung
Fahrleistung der Lkw: Rund 130.000 km pro Jahr
Offene Stellen: Gute Fahrer immer gefragt

Alle Angaben laut Geschäftsführer Jochen Pross

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 02/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

25. Januar 2016
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Unsere Experten
Rechtsanwalt Matthias Pfitzenmaier Matthias Pfitzenmaier Fachanwalt für Verkehrsrecht
Rechtsanwalt Matthias Pfitzenmaier ist Fachanwalt für Verkehrsrecht. Seit 1997 arbeitet er im… Profil anzeigen Frage stellen
Götz Bopp, unser Experte für Sozialvorschriften im Straßenverkehr (Lenk- und Ruhezeiten) Götz Bopp Sozialvorschriften und Güterverkehr
Beratung von Unternehmen und Fahrern rund um das Thema Lenk- und Ruhezeiten. Schwerpunkt im… Profil anzeigen Frage stellen
Aktuelle Fragen
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.