Finanzierung: Kreditmediator der Transportbranche

Kreditklemme: Stellt sich die Bank quer, ist noch nichts verloren. Hans-Joachim Metternich kann dann vermitteln. Der Kreditmediator der Bundesregierung hat bisher 700 Unternehmen betreut, darunter 50 aus der Transportbranche.

Der passionierte Orgelspieler Hans-Joachim Metternich zieht alle Register. Immer dann, wenn sich Firmen von ihrer Bank im Stich gelassen fühlen, tritt er auf den Plan. Das ist etwa dann der Fall, wenn das Finanzinstitut den Kredit für neue Lkw oder Lagerflächen verweigert. Dann prüft Metternich die Bilanzen, verhandelt mit den Banken und schaut, was zu retten ist. Vorausgesetzt, der Chef will sich helfen lassen und schaltet Metternich ein. Seit März fungiert er als Kreditmediator im Auftrag der Bundesregierung. Er vermittelt, wenn sich Banken quer stellen und mittelständische Unternehmen dadurch in Gefahr geraten oder am Wachstum gehindert werden. »Mein Grundsatz lautet, dass es für jedes wirtschaftlich vernünftige Projekt eine Finanzierung geben muss«, betont der Kreditmediator im Gespräch mit trans aktuell. Mit elf Mitarbeitern im 20. Stock des Frankfurter Hochhauses Skyper versucht der langjährige Chef der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz, dieses Ziel zu erreichen und gegen die Kreditklemme anzukämpfen. Bis Ende 2011 läuft sein Mandat. Bestehen die Kreditprobleme dann weiter, kann die Regierung es um ein weiteres Jahr verlängern.

Rund 700 Unternehmen haben sich bisher an Metternich gewandt, davon 50 aus der Transportbranche. 517 Firmen haben sich gemeldet, als sich Probleme abzeichneten, aber die Banken den Kreditantrag noch nicht abgelehnt hatten. »Diese Fälle sind uns lieber«, erklärt Metternich. Denn hier sei noch nichts verloren. "In 470 Fällen konnten wir Hilfestellung geben", sagt der Kreditmediator. Bei einer Vielzahl von Anfragen sei es um fehlende Sicherheiten gegangen. "Das können wir nur schwer akzeptieren, schließlich gibt es Bürgschaftsbanken, und auch die Kfw-Bank kann weiterhelfen", erklärt er.
Bei weiteren 175 dieser 700 Fälle hatte die Bank den Kredit bereits verweigert. Elf dieser Firmen kommen aus der Transportbranche. "Hier ist das Kind schon in den Brunnen gefallen", sagt Metternich. Um so schwerer ist es, noch etwas zu bewirken. In 38 Fällen verhandelt er mit den Hausbanken, 44 mal nahmen sich Banken und Kammern der Sache an, und weitere 29 Fälle konnte Metternich im Sinne der Unternehmen lösen.
"Wir haben bei diesen 29 Fällen Kredite im Wert von fast 30 Millionen Euro erhalten und damit 1.700 Arbeitsplätze gerettet", erzählt er. In weiteren 57 Fällen aber waren selbst Metternich die Hände gebunden. Es zeichnete sich bereits die Insolvenz ab. Der ehemalige Chefbanker spielte den Ball weiter an die Runden Tische in den Kammern, die auf diese Fälle spezialisiert sind.

Helfen konnte Metternich zum Beispiel im Juli einem Transportbetrieb aus Thüringen bei der Finanzierung eines Lkw. Auch gelang es ihm, einem Spediteur aus Bayern beim Neubau eines Lagers und eines Bürogebäudes zu unterstützen. Kreditwert: 385.000 Euro. "Die Hausbank hatte wegen Geringfügigkeit kein Interesse", sagt Metternich. Für ihn ein Unding: "Wir haben uns den Finanzierungsplan noch einmal angeschaut, ihn um Eigenkapital und Fördermittel optimiert – und schon hatten wir Erfolg".
Aktuell beschäftigt ihn ein Fall aus Nordrhein-Westfalen, wo ein Kurierdienst wegen der guten Auftragslage in den Fuhrpark investieren will. Auch behandelt er einen Fall aus Bayern, wo eine Spedition ihre Flotte wegen der Umweltzonen erneuern will – aber keinen Kredit bekommt.
Die Erkenntnisse aus der Logistikbranche sind weitgehend dieselben wie aus anderen Branchen. "Zum einen nehmen sich die Firmenberater der Banken oft nicht die nötige Zeit", beklagt Metternich. Zum anderen seien auch die Unternehmer häufig schlecht informiert. "Sie sollten sich dringend schlau machen, ehe sie zur Hausbank gehen", rät der Diplom-Kaufmann.

Zu den Förderbanken lohne der Weg immer, auch seinen die Förderbroschüren der Bundesländer gute Ratgeber. Dringend empfiehlt er, zinsgünstige Darlehen von Förderbanken, Zuschüsse der Länder und Bürgschaften oder Beteiligungskapital in den Finanzierungsplan aufzunehmen. Dann steht man beim Firmenberater viel besser da.

Von Vorteil sei es auch, wenn Firmen an ihrem Auftritt und ihrer Präsentation arbeiten. Auch sollte der Chef über Ratingthemen informiert sein. Denn der Druck werde steigen, befürchtet Metternich. So würden Banken durch das Regelwerk Basel 3 zu einer höheren Eigenkapitalquote gezwungen. Und es sei zu erwarten, dass sie noch genauer hinschauen. Um so mehr gelte es, im Gespräch eine gute Figur zu machen.

Der Kreditmediator Deutschland hilft kleinen und mittleren Unternehmen, die mit Finanzierungsproblemen oder abgelehnten Kreditanträgen zu kämpfen haben. Die Hilfe erfolgt schnell und kostenlos. Getragen wird die Einrichtung im Frankfurter Hochhaus Skyper von der Bundesregierung. Interessenten finden nähere Informationen, eine Kontaktadresse sowie Antragsformulare im Internet unter www.kreditmediator-deutschland.de, Telefon-Hotline: 0 69/2 44 34 68 88

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Datum

10. März 2011
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