Telematik: Spedition Messing Zoom

Kommunikation: Messing setzt auf Fleetboard

Eine moderne Telematiklösung ist ein Multitalent. Ob Ortung, Navigation, Fahrzeug- oder Auftragsmanagement: Fast alles ist heutzutage möglich. Setzt man die IT-Anwendung richtig ein, ist sie sogar eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Diese Erfahrung hat die Spedition Messing aus Coesfeld gemacht.

Das Unternehmen betreibt 68 eigene Lkw und hat dafür 80 Fahrer angestellt. Die sind auf das gesamte Bundesgebiet verteilt. Allein im Raum Dresden wohnen vier Mitarbeiter. "Das hängt auch damit zusammen, dass in Nordrhein-Westfalen kaum mehr qualifizierte Fahrer zu finden sind", sagt Geschäftsführer Christian Meßing.

Einsätze der Fahrer lassen sich ideal steuern

Daher hält er in der gesamten Republik nach Mitarbeitern Ausschau. Wird er fündig, gesteht er ihnen zu, am Wohnort bleiben zu dürfen. "Das ist nur möglich, weil wir Fleetboard in unseren Fahrzeugen eingebaut haben und dadurch die Einsätze der Fahrer ideal in Abhängigkeit von ihrem Wohnort steuern können", erläutert Meßing. Das IT-System aus dem Hause der Daimler-Tochter macht aus der Not der Firma also eine Tugend.

Mit Fleetboard ist auch eine effiziente Tourenplanung möglich. Meßing setzt stark auf Begegnungsverkehre, die je nach Gegebenheiten täglich neu festgelegt werden. Abhängig von den Restlenkzeiten ermitteln die Disponenten, welche Mitarbeiter an welchen Orten in Deutschland für diese Verkehre infrage kommen. Dass die Fahrer auf ganz Deutschland verteilt sind, ist hierbei von Vorteil. Für Spediteur Meßing hat das fast denselben Effekt, als würde er in verschiedenen Städten eigene Stützpunkte betreiben.

Und die Fahrer – fühlen die sich durch die Telematik überfordert? "Sie akzeptieren und unterstützen das System", sagt Meßing. Das liege auch daran, dass sie Fleetboard in vielerlei Hinsicht als Erleichterung empfinden. Sie bekommen die Datensätze und bei Bedarf die dazugehörige Navigation zum Kunden direkt ins Fahrerhaus überspielt. Das trägt dazu bei, Missverständnissen und Suchverkehren vorzubeugen.

Fleetboard bringt höhere Flexibilität

Auch bringt Fleetboard Fahrern je nach Rampensituation eine erhöhte Flexibilität. So müssen die Messing-Mitarbeiter bei einer Komplettladung normalerweise ihre Ankunft an der Entladestelle als auch Beginn und Ende der Entladung im System festhalten. Es geht aber auch einfacher: Bringt der Versandmitarbeiter das Päckchen direkt zum Fahrer, muss dieser weder eine Rampe ansteuern noch Wartezeiten in Kauf nehmen. In dem Fall muss der Fahrer auch nicht – wie es der normale Ablauf vorsieht – alle Punkte abarbeiten, sondern kann gleich das Ende der Entladung bestätigen und wieder losfahren.

Die vereinfachte Handhabung erleichtert sowohl die Disposition als auch das Handling durch die Fahrer. Auch das Auslesen der Fahrerkarte hält Messing so einfach wie möglich: Das Ganze geschieht in einem Aufwasch beim Betanken des Fahrzeugs. Diesen Boxenstopp muss der Fahrer ohnehin in Kauf nehmen. Und welchen finanziellen Nutzen bringen die schlankeren Abläufe? Das lässt sich nach Angaben der Spedition nur schwer beziffern.

Anders verhält es sich bei den Einsparungen bei Fahrzeugverschleiß und Kraftstoffverbrauch. Die lassen sich ohne Weiteres messen. Als grobe Hausnummer gibt das Unternehmen hier eine jährliche Ersparnis von rund 350.000 Euro an. "Wir haben dank Fleet-board beim Verbrauch schon rund zehn Prozent eingespart", resümiert Spediteur Meßing.

Früher habe er bei den gewichtsmäßig voll ausgelasteten Wechselbrücken-Fahrzeugen einen Verbrauch von unter 35 Litern nicht für möglich gehalten. "Nun sind wir im Schnitt bei 33 Litern." Ein Drittel des Fuhrparks besteht aus Sattelzügen. "Hier sind wir bereits deutlich unter 30 Litern." Diese Effekte seien auch deshalb beachtlich, weil die Messing-Fahrzeuge in der Regel über die größten Fahrerhäuser, große Tanks und Hebebühnen verfügen. Das erhöht das Eigengewicht schnell um zwei Tonnen.

Das zeigt, welches Potenzial Telematikanwendungen entfalten können. Daimler Fleetboard hat ermittelt, dass sich das System bei Messing mit all seinen Funktionen bereits nach 7,6 Monaten gerechnet hat. Diese Zeitspanne ist längst verstrichen – insofern profitiert Messing ausschließlich davon.

Schnittstelle zu Speditionssoftware Winsped funktioniert gut

"Seit 2007 haben wir alle neu angeschafften Fahrzeuge mit Fleetboard ausgestattet", sagt Firmenchef Meßing. Die Einführung habe reibungslos geklappt "Auch die Schnittstelle zu unserer Speditionssoftware Winsped des Anbieters LIS funktioniert gut."

Nicht immer war Meßing so gut auf Telematik zu sprechen. 2005 war Fleetboard seiner Ansicht nach noch nicht ausgereift, weshalb sich der Spediteur für eine Lösung des Anbieters Qualcomm entschied, die er später mit Fleetboard kombinierte. "Hier haben wir einige Enttäuschungen erlebt", sagt er. Die Mobilfunkgebühren im Ausland seien exorbitant hoch gewesen, und eine Auswertung von Fahrerzeug- oder Verbrauchsdaten nur begrenzt möglich. "Also konnten wir Qualcomm eigentlich nur zur Ortung einsetzen, was etwas wenig ist."

Doch das ist Geschichte. Meßing blickt lieber nach vorn als zurück. Und da hat er noch viele Ideen, wo Telematik die Effizienz weiter erhöhen kann.

Das Unternehmen

Die Spedition Messing aus Coesfeld beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und setzt 68 eigene Lkw ein, vornehmlich der Marken Mercedes-Benz und MAN. Das Unternehmen hat seinen Fokus vor allem auf Transport und Logistik von Holzwerkstoffen und Chemikalien und betreibt sowohl Ladungs- als auch Sammelgutverkehre. Messing ist Mitglied der Kooperationen ILN und Palletways. Geschäftsführer Christian Meßing leitet das 1908 gegründete Unternehmen heute in vierter Generation. Seit dem Jahr 1992 ist der gelernte Speditionskaufmann und Verkehrsfachwirt an Bord. Sein Bruder Andreas Meßing betreibt die firmeneigene Werkstatt.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

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Matthias Rathmann

Datum

9. Februar 2012
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