Kombiverkehr Prototyp Taschenwagen TN3000 Zoom
Foto: Kombiverkehr / Rene Spalek

Kombiverkehr ist unzufrieden

Qualität der Bahn ist verbesserungswürdig

Qualitätsprobleme und Kapazitätsengpässe beeinträchtigen die Geschäfte im intermodalen Verkehr. Darunter leidet auch der Operateur Kombiverkehr. DB Cargo räumt Versäumnisse ein.

"Wir könnten 20 Prozent mehr Züge jeden Tag fahren, wenn die Kapazität da wäre", sagte Geschäftsführer Robert Breuhahn bei der Gesellschafterversammlung am heutigen Mittwoch in Frankfurt. Es mangele an Lokomotiven, an Lokführern und an Kapazitäten in den Ballungsraum-Terminals. Dort seien die attraktiven Abfertigungsfenster bereits weitgehend belegt. Habe die Pünktlichkeit 2015 bei knapp 70 Prozent gelegen, sei auch 2016 keine Verbesserung eingetreten.

Die Verwaltungsratsvorsitzende von Kombiverkehr, Gudrun Winner-Athens, appellierte angesichts dieser Schwierigkeiten an DB Cargo, eine Güterbahn zu entwickeln, die „lean produziert, marktkonforme Preise und eine nachhaltige Qualität“ bietet. Raimund Stüer, Vertriebsvorstand von DB Cargo, sagte den versammelten Spediteuren zu, die Qualitäts- und Kapazitätsthemen anzugehen. „Was wir abliefern, ist nicht ausreichend“, sagte der ehemalige TX Logistik-Mitbegründer, der im März bei DB Cargo begonnen hatte und in seiner Funktion auch der neue DB-Vertreter im Kombiverkehr-Verwaltungsrat ist.

Aufgrund fehlender Ressourcen bleiben Züge stehen

Aufgrund der Mehrmengen und fehlenden Ressourcen bleiben viele Züge von DB Cargo stehen. Lag diese Zahl bereits bei bis zu 300 am Tag, seien es derzeit etwa 90 Züge, die nicht verkehren können. „Das Thema Qualität steht bei uns an erster Stelle“, bekräftigte Stüer und sagte zu, gemeinsam mit Kombiverkehr an Lösungen zu arbeiten. Wie Winner-Athens ist aber auch Stüer der Überzeugung, dass der Intermodalverkehr in Zeiten des Fahrermangels und einer stark belasteten Straßeninfrastruktur eigentlich ein enormes Potenzial hat – doch um Verkehre auf die Schiene zu verlagern, müssen Züge pünktlich beziehungsweise überhaupt fahren.

Berücksichtigt man noch Sonderfaktoren wie Streiks in Frankreich, die Verkehre fünf Wochen zum Erliegen brachten, und die zweiwöchige Schließung des Terminals Ludwigshafens aufgrund des Störfalls bei BASF, ist das Jahr 2016 für Kombiverkehr aber gar nicht so schlecht gelaufen. „Trotz aller Widrigkeiten war es ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr“, sagte Breuhahn.

Die Zahl der beförderten Sendungen stieg um 0,7 Prozent auf 985.424. Ohne die Widrigkeiten – wie Breuhahn sie bezeichnete – hätte Kombiverkehr die Schwelle von einer Million Sendungen erneut überschritten. Auf internationalen Relationen gab es einen Zuwachs um 0,8 Prozent auf 782.497 Einheiten. National beförderte der Operateur 202.927 Sendungen, zugrunde liegt ein Plus von 0,6 Prozent.

Brenner-Route ist der Renner

Am stärksten gefragt waren erneut die Verbindungen nach Italien – wobei das Gros mit 225.714 Sendungen auf die Brenner-Route entfiel. An zweiter Stelle stehen inzwischen Verkehre nach Skandinavien. Auf diesen Relationen wickelte Kombiverkehr 131.647 Sendungen ab, was einem Plus von 27,1 Prozent und einem Rekord entspricht: So viele Sendungen hat das Unternehmen nach eigenen Angaben noch nie nach Skandinavien befördert. Gefragt seien sowohl Fährverkehre über die Ostsee, als auch die reinen Zugangebote über die feste Querung. Dabei haben Kunden die Wahl zwischen Shuttlezügen ab Herne und Köln-Eifeltor nach Malmö. Von dort gibt es weitere Anschlussmöglichkeiten innerhalb von Schweden und nach Norwegen.

Minus resultiert aus Streiks, Unfällen und Baustellen

Der Zulauf auf diese und andere Relationen ist auch im laufenden Jahr positiv: Kombiverkehr schickt täglich 170 Direkt- und Shuttlezüge auf die Reise. Von Januar bis Mai hat der Operateur auf diesen Zügen bereits 413.412 Auflieger, Container und Wechselbrücken befördert. Doch auch hier wäre mehr möglich gewesen: Das Minus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr erklärt sich aus diversen Streiks, Zugunglücken, Baustellen und Ressourcenproblemen, die den Intermodalverkehr bereits in den ersten Monaten 2017 zu schaffen gemacht haben. Wenn also nur die Widrigkeiten nicht wären.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

28. Juni 2017
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