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Kombiverkehr: Lang-Lkw schadet Expressverkehren

Der Lang-Lkw erschwert nach Einschätzung des Operateurs Kombiverkehr den Ausbau von Expressverkehren auf der Schiene. "Es gibt zunehmend eine abwartende Haltung der Spediteure aufgrund des Feldversuchs", sagt Kombiverkehr-Geschäftsführer Robert Breuhahn gegenüber trans aktuell.

Vor einem Jahr hatte das Unternehmen sein Angebot für besonders zeitkritische Verkehre vorgestellt. Sie laufen unter dem Namen de.net-express und wenden sich speziell an die Bedürfnisse des Kep- und Stückgutmarktes. Kombiverkehr vermarktet die Züge gemeinsam mit seinen Partnerunternehmen DHL und Hellmann, die zuvor bereits eigene Schnellverbindungen im Angebot hatten.

Feldversuch startet - Nachfrage schwächelt

Fünfmal in der Woche verbinden Züge die norddeutschen mit den süddeutschen Ballungsräumen. Die Hauptachsen führen von Hamburg nach München, Nürnberg und Kornwestheim. "Entsprechend der weiteren Nachfrage soll dieses Netz sukzessive erweitert werden", schrieb Kombiverkehr im Geschäftsbericht 2010.

Die weitere Entwicklung scheint nun gehemmt. "Durch den Start des Feldversuchs haben sich die Zusagen und gleichzeitig die Nachfrage deutlich abgeschwächt", sagt Breuhahn. "Seitens Kombiverkehr hatten wir zu Beginn mehr Kunden und mehr Mengen als heute", bilanziert er.

Grundsätzlich sind Kombinierte Verkehre aber auf Wachstumskurs: 2011 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 972.600 Sendungen befördert, davon mehr als zwei Drittel international. Das entspricht einem Plus von 4,2 Prozent gegenüber 2010. Für das laufende Jahr geht Kombiverkehr von einem ähnlichen Wachstum aus. "Die Nachfrage ist weiterhin positiv", heißt es. Die jüngste Prognose im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums stützt diese Erwartung.

Hellmann sieht Lang-Lkw nicht als Gefahr für die Schiene

Doch bleiben die Sorgen im Bereich Express. Kombiverkehr, DHL und Hellmann sind aber entschlossen, ihre Aktivitäten fortzuführen, wie sie bei ihrem vergangenen Treffen bekräftigt haben. Hellmann bleibt zuversichtlich: Der Logistikdienstleister sieht den Lang-Lkw nicht als Gefahr für die Schiene an. "Er stellt eher eine Ergänzung dar", sagt Max Siep, der seit Jahresbeginn die Sparte Hellmann Rail Solutions leitet. Ein Lang-Lkw steht bei Hellmann bereits in den Startlöchern, weitere sollen folgen. "Ein verändertes Nachfrageverhalten im Bereich Schiene können wir nicht feststellen", sagt Siep.

Das Volumen sei zwar etwas niedriger als noch vor einigen Monaten. Den Rückgang führt der Spartenchef aber auf die konjunkturelle Eintrübung zurück. Noch immer sei es um die Auslastung der Züge sehr gut bestellt. "Nur bei hoher Auslastung lassen sich die Verkehre auf der Schiene wirtschaftlich betreiben", erläutert Siep.

700 Meter lange Zuggarnituren

Sein Unternehmen kauft die bis zu 700 Meter langen Zuggarnituren frühzeitig bei DB Schenker Rail auf Jahresbasis ein. Aktuell setzt Hellmann Rail Solutions von Montag bis Freitag vier Züge von Hamburg, Bremen, Osnabrück und Hannover aus ein. Diese Züge werden in Hannover zu drei Ganzzügen umgebildet, die Frankfurt, Nürnberg, Basel, Regensburg und Landshut ansteuern. Dort gibt es teilweise weiterführende Verbindungen. Umgekehrt gilt dasselbe Angebot.

Wichtig sind Siep vor allem eine hohe Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des Systems Schiene – denn die Verkehre sind absolut zeitkritisch: Bis abends um acht können die Kunden in den Terminals anliefern, bereit gestellt wird die Ware am frühen Morgen – in Frankfurt schon um 3:15 Uhr.

So kommen die Sendungen noch problemlos zur Auslieferung. Das hat für die Kunden der Expresszüge, darunter die Stückgutkooperation Cargoline, oberste Priorität. Cargoline-Geschäftsführer Jörn Peter Struck befürwortet zwar den Feldversuch mit Lang-Lkw und bedauert, dass seine Kooperation noch nicht daran teilnimmt. Das führt er auf Unsicherheiten für die Investitionen, eine fehlende Flexibilität bei den Relationen und das Verbot, Gefahrgut zu befördern, zurück. Trotz allem gibt er ein Bekenntnis zur Schiene aus: "Wir haben nach wie vor ein starkes Interesse an den Zügen", sagt er. "Die Diskussion um den Feldversuch mit Lang-Lkw hat keinen Einfluss auf unsere Entscheidung."

Hellmann startet durch

Nach einem längerem Vorlauf für Planung und Genehmigungen will der
Logistikdienstleister Hellmann aus Osnabrück Ende April den ersten Lang-Lkw im Rahmen des bundesweiten Feldversuchs auf die Reise schicken. Geplant ist eine Strecke von rund 20 Kilometern, die vom Unternehmenssitz überwiegend auf der A 1 zu dem Kunden Deutsche Duni in Bramsche führt, der Tischdeko wie Servietten vertreibt. "Momentan pendeln auf dieser Strecke bis zu 15 herkömmliche Lkw am Tag", sagt Hellmann-Sprecherin Kirsten Willenborg. "Mit dem Lang-Lkw kommen wir mit fünf bis sieben Fahrten weniger am Tag klar." Mündlich hätten die zuständigen Verkehrsbehörden die Fahrt auf den betreffenden Strecken bereits genehmigt.  Das Unternehmen, das sich bereits am niedersächsischen Pilotprojekt mit Lang-Lkw ab 2007 beteiligt hatte, hat aber noch weitere Strecken im Auge: Geplant sind Fahrten von Lehrte nach Passau und nach Göttingen zum System Alliance-Partner Zufall. Auch für einen großen Kunden prüfe man derzeit geeignete Routen. Da sich Nordrhein-Westfalen und Bremen nicht am Versuch beteiligen, sei der Aufbau von geeigneten Verkehren aber erschwert, sagt Willenborg.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

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Kombiverkehr

Datum

3. April 2012
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