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Kombinierter Verkehr: Von wegen Flasche leer

Der Getränkegroßhändler Voßkamp wollte schon länger den Kombinierten Verkehr testen. Dank der Aktion von trans aktuell ist es dem Unternehmen aus Borken im Münsterland gelungen, eine Ladung Leergut nach München-Riem auf die Schiene zu bekommen.

Für Jörg Voßkamp, Juniorchef des Getränkegroßhändlers Voßkamp mit Sitz im nordrhein-westfälischen Borken, war es die Probe aufs Exempel. »Innerhalb unseres Verbunds,  der Getränke Gruppe Münsterland, haben wir schon länger überlegt, einen Teil unserer Transporte über die Schiene abzuwickeln«, sagt der 28-Jährige. Bislang sei das vornehmlich an den fehlenden Ansprechpartnern gescheitert. Auch habe man ein wenig Respekt vor der zunächst fremdartigen Materie gehabt. »Dabei ist die Verladung innerhalb des Kombinierten Verkehrs (KV) zwar beeindruckend – aber dennoch so einfach«, urteilt er, nachdem der von Euro-Leasing zur Verfügung gestellte Trailer auf dem Bahnwaggon im Duss-Terminal (Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene–Straße – eine Tochterfirma der Deutschen Bahn) in Duisburg steht.

Voßkamp besorgt sich eine MAN TGX-Zugmaschine

Doch der Reihe nach. Denn das Familienunternehmen hat mit seinen gerade einmal zehn Angestellten zwar einen Werkverkehr mit eigenem Fuhrpark. Hat aber eine Größe wie viele mittelständische Speditionen. Dementsprechend groß war auch die Sorge vor dem vermeintlichen bürokratischen Aufwand. Denn bislang hatte keiner der sechs Lkw-Fahrer den Duis­port angesteuert. Schon allein deshalb, weil hierfür auch das nötige Equipment fehlt. Kranbare Sattelauflieger gibt es bislang schlicht noch nicht im Fuhrpark von Voßkamp. Dort finden sich eher Motorwagen mit Anhänger, wobei beides auf die Getränkelogistik zugeschnitten ist. Für die Jungfernfahrt ans Kombi-Terminal der Duss hat sich Jörg Voßkamp daher eigens noch eine MAN TGX-Zugmaschine besorgt.

Teilverladung war schon länger im Gespräch

Dem Borkener Unternehmen ist es ernst mit dem Test des KV. In der Getränke Gruppe Münsterland, zu der neben Voßkamp noch acht weitere Großhändler gehören, war eine Teilverlagerung nämlich schon länger im Gespräch. Kein Wunder also, dass die Fahrt von Borken nach Duisburg dann auch Chefsache ist – Jörg Voßkamp setzt sich selbst ans Steuer. »Das ist aber nicht ganz so selten der Fall«, erklärt er. Gerade in Stoßzeiten sitze er selbst häufiger am Steuer. Das trifft insbesondere in den Sommermonaten zu. »Da jagt bei uns im Münsterland ein Schützenfest das andere. Deshalb bin ich froh, dass die trans aktuell-Leseraktion im Herbst stattfindet.  Ansonsten hätte ich dafür gar keine Zeit gehabt«, erklärt er.

Hoch aufgehängt ist das Ganze auch bei den KV-Experten von Kombiverkehr. Die haben ihre Zentrale in Frankfurt am Main, im Zuge der Leseraktion sind aber sowohl der Leiter der Unternehmenskommunikation, Jan Weiser, als auch der regionale Gebietsleiter, Henning Harkebusch, nach Borken gekommen. 

Voßkam hat sich als KV-Neuling gut aufgehoben gefühlt

»Überhaupt wurden wir von Beginn an buchstäblich an die Hand genommen«, berichtet Voßkamp. Als KV-Neuling habe er sich da gleich gut aufgehoben gefühlt. Auch das Abholen des Aufliegers sowie der Zugmaschine sei kein Problem gewesen. »Der nächste Standort von MAN Rental beziehungsweise Euro-Leasing ist gerade einmal 45 Minuten entfernt.«

Man kann nicht alles auf die Schiene bringen

Zwar könne ein Getränkelogistiker nicht alles auf die Schiene bringen, aber dennoch sei es zumindest möglich, die eine oder andere Ladung per Bahn auf die Reise zu schicken. »Unser Problem ist, dass jede Brauerei anders verlädt«, erklärt Voßkamp. So werde bei der einen der Doppelstock-Hänger komplett beladen, bei der nächsten wiederum bleibt der obere Stock leer – was den Transport mit einem derartigen Hänger unwirtschaftlich macht. Aber auch der Umstand, dass nicht ausschließlich Europaletten zum Einsatz kommen, sei eine gewisse Herausforderung.

Schließlich muss formschlüssig geladen werden. Die rund 66 Kilometer lange Fahrt vom Firmengelände in Borken über die A 31 sowie die A 3 zum KV-Terminal am Duisport verläuft problemlos. Auch die Einfahrt ins Duss-Terminal ist schnell gefunden. Auf diesem Gelände ist der Operateur Kombiverkehr mit einer Agentur vertreten. Genau genommen sind es gleich drei Schalter in einem Raum, in der sich Jörg Voßkamp wiederfindet, nachdem er den Lkw auf dem Parkplatz abgestellt hat.

Ladung wird auf dem Zug eingebucht

Die erste Verwirrung ist schnell verflogen. Zunächst muss er bei Kombiverkehr anzeigen, dass die gebuchte Ladung da ist. Am Schalter von DB Schenker wird die Ladung auf dem Zug eingebucht. Zu guter Letzt muss er noch an den sogenannten  Blu Gate der Duss. An dieser Stelle sagt ihm der Terminalbetreiber, wo er mit seinem Sattelauflieger hin muss. Ein paar Unterschriften später sitzt er wieder im Lkw. Allerdings nur wenige hundert Meter, dann ist er auf dem ihm zugewiesenen Stellplatz angelangt.

Nur noch abkoppeln und schon schnappt sich der Kran den Auflieger, der im speziellen Fall etwas länger in der Luft bleibt. Allerdings nur, bis alle Fotoaufnahmen im Kasten sind. Denn die eigentliche Verladung des Trailers ist in unter einer Minute geschehen. »Das ist beeindruckend«, sagt Voßkamp, der im Vorfeld gleich mehrmals auf die trans aktuell-Leseraktion angesprochen wurde.

Test ist reibungslos verlaufen

Diese positiven Rückmeldungen von Kollegen und Kunden und der reibungslose Verlauf der Tests bestärken ihn in seinem Plan, einen Teil der Sendungen auf die Schiene zu bringen. »Wir müssen nur noch gegenrechnen, auf welchen Relationen sich das Ganze lohnt«, sagt er. Die Tour nach Erding ist knapp 1.500 Kilometer lang, davon rund 1.350 Mautkilometer. Die reine Fahrzeit beträgt etwa 20 Stunden.

Insgesamt nehmen bei Voßkamp die Bemühungen um eine Grüne Logistik viel Raum ein. Solarzellen hat der Getränkegroßhändler schon lange auf dem Dach. Auch bei der Elektro-Mobilität würde man gerne Vorreiter spielen. »Gerade im Verteilerverkehr würde uns ein Strom-betriebener Lkw reichen.« Das sei aber Zukunftsmusik. »Als Vorreiter sind wir für diese Technik zu klein.«

Es soll nicht die letzte Fahrt auf der Schiene sein

Ganz anders sieht das mit dem KV aus. Denn da braucht das Unternehmen nicht alles selbst machen. In diesem Fall holt Stöger Transport aus Kirchheim den Trailer vom Umschlagbahnhof München-Riem ab und bringt die Ladung zur Brauerei Erdinger. Zurück zum KV-Terminal geht es dann mit vollen Kisten. Wenn es nach Jörg Voßkamp geht, ist das aber nicht die letzte Fahrt auf der Schiene.

Die Firma

Der Getränkegroßhändler Voßkamp mit Sitz in Borken im Münsterland ist ein Familienunternehmen in dritter Generation. Der Händler ist Teil der Getränke Gruppe Münsterland und erwirtschaftet mit seinen zehn Mitarbeitern – darunter sechs Fahrer – einen Umsatz von rund 4,5 Millionen Euro im Jahr.  Für den Werkverkehr haben die Borkener sieben Lkw sowie 24 Kühl- und Ausschankanhänger.

Portraits

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

28. November 2012
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