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Kombi-Bahnhof Frankfurt (Oder): Polnische Firmen profitieren von Förderung

Ein Kombi-Bahnhof erwacht aus dem Dornröschenschlaf. Fördergeldern in Millionenhöhe sei Dank. Das Terminal soll die strukturschwache Region Frankfurt (Oder) aufwerten und an die großen Nordseehäfen anbinden.

14,3 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln sind seit 1999 in den Umschlagsbahnhof geflossen, wie das brandenburgische Infrastruktur-Ministerium gegenüber der Fachzeitschrift trans aktuell mitteilt. Die EU, die Bundesrepublik und das Land gleichermaßen haben bereits Geld in das Terminal gepumpt. Allein 9,3 Millionen Euro verschlingt aktuell der Bau einer Kranbahn.

Betreiber des Umschlagbahnhofs ist eine polnische Gesellschaft

Deutsche Firmen profitieren von diesem Geldsegen aber nicht. Im Gegenteil: Seit April 2012 ist der Betreiber nicht mehr die Deutsche Bahn, sondern die polnische Gesellschaft PCC Intermodal. Seitdem haben sich auch die Kennzeichen der Lkw verändert. Vor- und Nachläufe im Kombinierten Verkehr (KV) sind fest in der Hand von polnischen Frachtführern.

Nicht mehr nur die Logistikwirtschaft, sondern auch der Otto-Normal-Bürger nimmt an der Förderung Anstoß: "In das Containerterminal sind schon Millionen geflossen. Schön, dass die Werktätigen eines anderen Landes jetzt davon leben können", heißt es in einem Kommentar in der Online-Ausgabe der Märkischen Oder-Zeitung. "Hat unser Oberbürgermeister beim Containerterminal mal nachgezählt, wie viele einheimische Fuhrunternehmen dort tätig sind? Wenn nicht, beantworte ich ihm diese Frage gern: null", schreibt ein anderer Leser.

Deutsche Firmen wenden sich ab

Michael Lange weiß, warum sich deutsche Firmen zähneknirschend abwenden: weil sie nicht drauflegen wollen. Der Geschäftsführer der Spedition T&P, dessen Grundstück an das Terminal grenzt, war nicht mehr bereit, seine beiden Fahrzeuge zu den Konditionen des Betreibers PCC Intermodal einzusetzen. "2013 hat man uns in einem Gespräch mitgeteilt, dass wir nur noch zu Konditionen der polnischen Frachtführer fahren können", sagt er. Das heißt: 270 Euro Tagessatz plus 60 Cent je Kilometer bei Entfernungen von mehr als 400 Kilometern. „Weitere Nachverhandlungen blieben erfolglos. Uns blieb nur der komplette Ausstieg", berichtet Lange.

Frankfurt (Oder) unterscheide sich nicht von anderen Terminals

PCC-Marketingleiterin Monika Konsor-Faferek sieht ihren Arbeitgeber aber nicht in der Rolle des Preisdrückers. "Für welchen Auftraggeber unter welchen Bedingungen Transportservices durchgeführt werden, hängt von der Marktsituation ab und basiert auf individuellen Verträgen zwischen Kunden und Dienstleistern", sagt sie. Mit Blick darauf unterscheide sich die Situation in Frankfurt (Oder) nicht von der an anderen Terminals.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Juliane Bezold, Matthias Rathmann

Datum

22. Januar 2014
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