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Koch International: Stückgut an der Kette

Koch International ist weiter auf Wachstumskurs. Der neue Standort in Osnabrück birgt für den Mittelständler und Cargoline-Partner auch in Sachen Nachhaltigkeit einige Vorteile.

Das Jahr 2014 war für Koch International das bislang umsatzstärkste  – erstmals hat der Logistiker mit 101 Millionen Euro eine neue Zielmarke geknackt. Koch ist damit weiter auf Wachstumskurs. Qualität, Effizienz und Nachhaltigkeit lauten die wichtigsten Schlagworte. Nah am Kunden zu sein ist für Logistiker Chance und Herausforderung zugleich. So wird die Kontraktlogistik für den Stückgut-Spezialisten immer wichtiger. Nur wer sich unabkömmlich macht, lässt sich nicht so leicht gegen die billigere Konkurrenz austauschen – und besteht im Preiskampf. "Es ist ein harter Kampf geworden", sagt Personalchefin Jana Schützchen. Gleichzeitig gilt: Wer sich zu eng bindet, kann mit dem Kunden in eine ­ernste Krise rutschen, wenn dieser schwächelt oder absagt.

Investitionen in Fuhrpark, Logistikimmobilien und Mitarbeiter

Koch International hat sich entschlossen, in Fuhrpark, Logistikimmobilien und Mitarbeiter zu investieren, um den Aufgaben der Zukunft gewachsen zu sein. Schnell und effizient muss eine Logistikkette heute sein, aber eben auch qualitätsvoll. Doch was heißt das genau, auch in Bezug auf die Kunden?

Rund 30.000 Paletten Osterhasen pro Jahr

Hasen schwitzen nicht gerne, besonders jene aus Schokolade. Damit sie frisch bleiben und knackig schmecken, zeigt das Thermometer im neuen Lager nie mehr als 18 Grad an. Für seinen Lebensmittelkunden lagert und transportiert Koch jährlich rund 30.000 Paletten Osterhasen und Weihnachtsmänner im saisonalen Wechsel. Aus der Produktion gehen die Paletten zu Koch, werden dort sortiert und in temperaturgeführten Trailern zum Lebensmitteleinzelhandel in ganz Europa gefahren.

Unterflur-Schleppkettenförderer für den Stückguttransport

Für den Stückguttransport innerhalb des Lagers hat sich Koch etwas Raffiniertes einfallen lassen – einen Unterflur-Schleppkettenförderer. Er befördert die Ware auf einer Schiene und hat Weichen, ohne dass ein Zug verkehrt. Ein tutendes Warnsignal ertönt, wenn die Kette anläuft. Alle eingehenden Kundenpaletten werden beim Abladen gescannt wie üblich, jedoch gleichzeitig mit einem Hubwagen quasi vermählt, der die Ware sicher durchs Lager manövriert. Das Ziel ist der ­Relationsplatz für die Empfangs-Postleitzahl. Dazu wird der Hubwagen in eine 370 Meter lange Kettenlaufschiene im Hallenboden gehängt und fährt selbstständig im Rundlauf zur richtigen Abzweigung, wo die Ware in einem der 17 Verladebahnhöfe auf die Verladung auf den richtigen Lkw wartet.

Das Kettensystem des Herstellers Egemin ist mit einer IT-Software namens ETIS verknüpft, die an drei Messstellen in der Halle automatisch die Sendungsdaten um Gewicht und Abmessungen ergänzt oder korrigiert. Dazu fährt jeder Hubwagen über eine Waage, ein weiterer kalibrierter sorgt dafür, dass sich diese nicht verstellt. "Dieses Erfassen der Ware mit Gewichts- und Maßdaten hat auch den Vorteil, dass wir unsere Lkw nicht überladen", erklärt der Umweltbeauftragte Peter Koch, der auch Gesellschafter ist. Stößt ein beladener oder unbeladener Hubwagen gegen ein Hindernis, etwa den Fuß eines Mitarbeiters oder einen Karton, bleibt er einfach stehen und springt quasi aus der Kettenführung. Mit dem nächsten Mitnehmer wird er dann automatisch in die Kette eingehängt und weitergezogen oder ein Lagermitarbeiter nimmt ihn manuell heraus.
Während in der alten Umschlaghalle noch Dutzende Gabelstaplerfahrer die Paletten mit Stückgut hektisch von A nach B brachten, herrscht in der neuen 12.000-Quadratmeter-Halle fast entspannte Ruhe. Eine bei der FH Osnabrück in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass rund 85 Prozent der Güter kettenfähig sind. Die Studenten erarbeiteten das Pro und Kon­tra von Kette und Staplerbetrieb und die Logistikberatung Dr. Schaab + Partner überprüfte die Ergebnisse. Das Resultat beider Institutionen: 50/50. "Trotzdem entschieden wir uns für die Kette. Das Staplerkonzept ist zwar in der Anschaffung günstiger, aber auch personalintensiver. Eine Automatisierung ist effizienter und mindert das Unfallrisiko", ist Koch überzeugt.

Die Sorge einiger Mitarbeiter, ihre Arbeitskraft könnte nach dem Umzug überflüssig sein, konnte Koch entkräften. "Wir haben alle Mitarbeiter weiter­beschäftigt, nur teils haben sich die Aufgaben geändert."

Qualität durch Neubau gestiegen

Existenziell sei der Umzug gewesen: "Am alten Standort konnten wir schlicht nicht mehr wachsen und unsere Mitarbeiter saßen teils im Keller in engen Büros", sagt Koch. Vor dem Umzug 2013 hat Koch die Abteilungen und Prozesse neu strukturiert, verbessert und mit Leben gefüllt. 2014 wurden diese geprüft, verändert und mussten sich festigen. Die Qualität sei durch den Neubau deutlich gestiegen, sagt der Umweltbeauftragte: "2015 wollen wir so dicht wie möglich am Kunden sein", lautet das Ziel.

129 Rampen mit schallgedämmten Überladebrücken

Der Neubau hat es in sich: "Wir haben sehr viel Wert auf die Nachhaltigkeit gelegt, uns vorab die 20 modernsten Logistikimmobilien Deutschlands angesehen und überall nach den Besonderheiten geschaut", sagt Koch. Herausgekommen ist eine Immobilie, die vier Gebäude umfasst. Im kleinsten befinden sich die Lkw-Abfertigung und die Sozial- und Sanitärräume auch für externe Fahrer, die per Barcode die Räume nutzen können. Die 129 Rampen sind mit schallgedämmten Überladebrücken ausgestattet inklusive thermischer Trennung zur Halle. Kältebrücken gibt es nicht. Ist das Tor geschlossen, bleibt die kalte Luft draußen.




Das Unternehmen

Das 1900 gegründete Familienunternehmen Heinrich Koch internationale Spedition mit Sitz in Osnabrück legt neben dem Stückguttransport und temperaturgeführten Transporten für die Chemie- und Pharmaindustrie einen Schwerpunkt auf die Kontraktlogistik. Hinzu kommen europäische Teil- und Komplettladungsverkehre sowie die Luft- und Seefracht. Die 2013 neu eröffnete Firmenzentrale bietet auf 18.000 Quadratmetern Logistik- und Umschlaglager, Kleinteilelager, 8.500 Palettenstellplätze, 129 Rampen, 300 Schwerlast-Stellplätze und einen Verwaltungsbau. Koch International hat neun weitere Regional-standorte, beschäftigt rund 750 Mitarbeiter und erbringt über das Partnernetz von Cargoline europaweite Stückguttransporte. Täglich werden mehr als 350 Lkw disponiert. Der Fuhrpark umfasst 100 eigene Lkw und 145 feste Subunternehmerfahrzeuge.

Portrait

Autor

Foto

Koch International/Meckel

Datum

9. März 2015
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