Kipphydraulik von Winkler, Mercedes 10 Bilder Zoom

Kipphydraulik von Winkler: Druckaufbau

Bekannt ist Winkler als Teilehändler. Die Firma versteht sich aber auch auf Hydraulikanlagen etwa für Sattelkipper. Die Firma Omlor nutzt sie als kostengünstige Alternative zu Werkslösungen.

In Reih und Glied stehen die nagelneuen Mercedes Actros auf der Grube. Zwei Teams machen sich flugs an die Arbeit. Die einen rüsten elektronische Funktionen wie Telematik, Beladungssensor und Anfahrhilfe nach, die anderen eine Kipphydraulik. Derweil verpasst der Bekleber den schwarz lackierten Sattelzugmaschinen den letzten Schliff im Firmen-Look. Groß prangt bereits auf den ersten Fahrzeugen Omlor.

Schüttguttransport per Muldenkipper

Das Homburger Unternehmen befördert vor allem Schüttgüter. und setzt dazu überwiegend Muldenkipper ein. Die Kipphydraulik beziehen die Saarländer aber nicht ab Lkw-Werk. Sie rüsten selbst nach – in großem Stil, derzeit vier Fahrzeuge pro Tag. Sind gerade keine eigenen Zugmaschinen im Zulauf, bietet man diese Dienste auch Dritten an. An Nachfrage mangelt es der insgesamt 30 Mann starken Werkstatt nicht, erklärt Omlor-Technikchef Roland Leiner.

Die beiden je acht Mann großen Teams – zwei weitere Mitarbeiter sind damit beschäftigt, Schlauchverbindungen und Halterungen vorzumontieren – bedienen sich aus Kartons mit aufgeräumtem Inhalt, sinnvoll sortiert und mit einer verständlichen Bauanleitung versehen. Winkler steht in großen Lettern auf der Kartonage. "Der Einbau darf kein Puzzle-Spiel sein", erklärt Markus Kirn, bei Winkler zuständig für das Produkttraining und die Fachberatung Hydraulik.

Niederdruckhydraulik schultert Kippauflieger

Im Falle von Omlor lieferte das Unternehmen zunächst eine zweikreisige kombinierte Hoch- und Niederdruckhydraulik, um möglichst jeden Kippauflieger schultern zu können. Weil sich die Hochdruckausführung aber als zu schadenanfällig erwiesen hat, kommen heute nur noch Niederdruckausführungen mit bis zu 175 bar Arbeitsdruck zum Zuge.

"Wer bei der Hochdruckhydraulik nicht ständig genau hinschaut, riskiert Schlauchplatzer und undichte Verbindungsstücke", erläutert Leiner. Das sei zwar nicht häufig vorgekommen, auch weil jedes Fahrzeug alle sechs Wochen zu einer kleinen Inspektion in der eigenen Werkstatt antreten muss. Aber wenn doch, sei es eine ziemliche Sauerei. Der Nachteil der Niederdruckausführung: Sie wiegt etwa 20 Kilo schwerer. Denn um den etwas schweren Kippzylinder zu bedienen, muss mehr Öl im Tank bevorratet werden.

Ursprünglich ist Omlor von der Werkslösung abgekommen, weil sie einen weniger wertigen Eindruck gemacht habe und zudem das Unternehmen deutlich teurer bei der Anschaffung zu stehen kam. Die Qualität der Werkslösung hat Kfz-Meister Leiner heute nicht mehr im Blick. Zu lange arbeitet Omlor schon mit der Winkler-Hydraulik. Bei Winkler stimme die Qualität jedenfalls zu 100 Prozent. Der Preis indes, der laut Leiner gut die Hälfte der Werkslösung beträgt, ist weiter ausschlaggebend.

Einbau der Hydraulik viel geübte Praxis

Heute ist der Einbau der Winkler-Hydraulik eine vielfach geübte Praxis und die eigene Werkstatt ohnehin vorhanden, weil Leiner auf einen ständig gewarteten Fuhrpark achtet. Stehende Züge kann sich laut dem Technikleiter in der Schüttgutbranche keiner leisten. Mit der eigenen Werkstatt kann er in den meisten Fällen garantieren, dass das Fahrzeug am Ende des Arbeitstages auf die Bahn rollt und am nächsten Morgen wieder zur Abfahrt bereitsteht.

Zudem sei die eigene Werkstatt flexibler, wenn es darum geht, sämtliche anfallenden Arbeiten an Zugmaschine, Anhänger und Komponenten abzudecken. "Die Werkstatt ist ein wichtiger Baustein des wirtschaftlichen Erfolgs von Omlor", argumentiert Leiner. Im Servicebetrieb geht es derweil rege zu.

Alu-Öltank mit 170 Litern Fassungsvermögen

Der Bedienhebel in der Kabine muss gesetzt, Luftleitung zur Ansteuerung des Kippventils und Ölschläuche gezogen sowie Konsolen angebracht werden. Am Rahmen findet der 170 Liter fassende Alu-Öltank Platz, Edelstahlbänder fixieren ihn. Am werksseitig montierten Nebenabtrieb des Getriebes wird die Hydraulikpumpe angeflanscht. Zur Kompetenz von Winkler gehört auch die Auslegung der Übersetzungsverhältnisse zwischen Nebenabtrieb und Pumpe. Am Ende der Arbeiten steht die Druck- und Dichtigkeitsprüfung.

Am späten Nachmittag sind die Teams mit den Fahrzeugen fertig. Die vier Actros nach Omlor-Spezifikation rollen von der Grube. Draußen vor den Hallentoren warten schon die nächsten vier Zugmaschinen auf eine Hydraulikanlage; 50 neue Actros sind es bei dieser Bestellung insgesamt. Noch setzt Omlor auf den – wie es im Daimler-Sprachgebrauch heißt – bewährten Mercedes Actros in Euro 5, selbst wenn Leiner zur Erprobung bereits einen Arocs in Euro 6 bestellt hat.

Variantenvielfalt nimmt zu

"Mit Einführung des neuen Modells wird das Geschäft für uns nicht leichter", erklärt er. Damit zielt er nicht nur auf den mit Einführung von Euro-6-Motoren gestiegenen Anschaffungspreis ab. Die Variantenvielfalt habe mit der neuen Baureihe enorm zugenommen, der Beratungsbedarf sei groß.

Auch das Mehrgewicht durch Euro 6 beschäftigt ihn. Deswegen will er sich die stärkste Ausführung des leichteren 10,7-Liter-Reihensechsers OM 470 genau anschauen und die leichtere, schmale Kabine bestellen. Winkler sorgt derweil dafür, dass die nächsten Hydraulikanlagen auf Lager liegen, damit den Teams die Arbeit nicht ausgeht.

Das Unternehmen

Omlor ist spezialisiert auf den Transport von Schüttgut und Baustoffen, handelt aber auch als Verlader und Baustoffhändler. Das Unternehmen unterhält Steinbrüche und Kiesgruben, versorgt mit den Erzeugnissen Baustellen, Betonbetriebe und Bauunternehmen. 500 Fahrzeuge, darunter mehr als 200 ziehende Einheiten der Marken Mercedes, DAF und Scania, zählt der Speditionsfuhrpark. Bei den gezogenen Einheiten setzt Omlor auf Kipper von Kempf. "Weil Kempf die besonderen Wünsche von Omlor zu einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis umsetzt und dabei ein gutes Eigengewicht bietet", begründet Technikleiter Roland Leiner. Besonderer Höhepunkt am Tag des Redaktionsbesuchs: Von 202 Lkw waren 200 unterwegs. Eine solch hohe Auslastung hatte die Spedition bislang noch nicht verzeichnet.

Mannigfaltige Möglichkeiten

Die von Omlor verwendete Hydraulikanlage ist laut Winkler-Experte-Markus Kirn auf den Einsatz dieses Fuhrparks hin abgestimmt. Die Auswahl bei Winkler ist recht umfangreich. Seit acht Jahren bietet das Unternehmen eigene Systeme an und greift dafür auf am Markt verfügbare Teile zurück und verfeinert diese. Kunden haben zum Beispiel die Wahl zwischen einem Öltank aus Stahl oder Alu, auch eine Montage an der Kabinenwand statt am Rahmen ist möglich. Öl-Rückführ- und Filtrationssysteme je nach Schwere des Einsatzes sind verfügbar. Die Pumpen sind Markenprodukte, etwa Schrägachsenausführungen von Parker und Bosch Rexroth. Arbeitsdrücke bis 350 bar sind ebenso möglich wie Fördervolumen zwischen 80 bis 130 Litern. Winkler bietet Kippventile für Hoch- und Niederdrucksysteme sowie kombinierte Lösungen an. Das Ventil kann laut Kirn mit bis zu 250 Liter Öl pro Minute arbeiten, eine Hilfe für den Kippbetrieb von Leichtbaumulden im Winter. Zum Angebot zählen auch Ausführungen für Tankwagen, Schubboden, Futtermittelauflieger und Trailer mit Kranaufbauten.

Thomas Rosenberger lastauto omnibus Chefredakteur

Autor

Foto

Jacek Bilski

Datum

27. Januar 2014
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