Mercedes Vito, Kaufberatung 23 Bilder Zoom

Kaufberatung: Aller guten Dinge sind drei

Drei Karosserievarianten, drei Längen und mit Frontantrieb erstmals auch drei Antriebsvarianten – der Mercedes Vito ist so vielfältig wie nie. Wir haben uns stellvertretend die Modelle Vito 111 CDI, 116 CDI und 119 Bluetec genauer angesehen.

Mercedes setzt im Transporterbereich die Zusammenarbeit mit dem Renault-­Nisan-Konzern konsequent fort und ergänzt seine Modellpalette an genau den Stellen, wo heute kein eigenes Angebot vorhanden ist. Davon zeugt auch der jüngst neu aufgelegte Mercedes Vito. Der neue Transporter übernimmt den 1,6-Liter-Diesel OM 622 und rundet damit nicht nur das Leistungsangebot nach unten ab.

Mercedes Vito mit Frontantrieb

Mit dem kleinen, quer eingebauten Turbodiesel bietet Mercedes den Vito zugleich wieder mit Frontantrieb an, der mit dem Modellwechsel von der Baureihe W638 zu W639 im Jahr 2003 ad acta gelegt wurde. Die günstigeren Produktionskosten spiegeln sich beim Preis wider. Lässt man den karg ausgestatteten Vito Worker (weiterhin 17.990 Euro) außen vor, dann sinkt der Einstiegspreis beim Vito-Kastenwagen um rund 600 Euro auf 23.830 Euro (109 CDI Kompakt).

Turbodiesel ist für Euro 6 gerüstet

Der Turbodiesel ist kein Unbekannter im Mercedes-Motorenregal. Er durfte sein Können schon in der Pkw-Sparte bei der C-Klasse beweisen. Der aufgeladene, kompakte Vierventilmotor mit zwei oben liegenden Nockenwellen und Common-Rail-Einspritzung mit maximal 1.600 bar über elektromagnetische Siebenloch-­Einspritzdüsen ist eine moderne Kon­struktion mit Querstrom-Zylinderkopf, reibungsarmer Beschichtung der Zylinderlaufbuchsen sowie Alukolben. Diesel­partikelfilter, gekühlte Abgasrückführung und Oxi-Kat übernehmen die Abgasreinigung, womit der Vito die Norm Euro 5b+ erreicht, aber laut Mercedes bereits für Euro 6 gerüstet ist.

Der Motor und das manuelle Sechsgang-­Getriebe FSG 350 sind speziell auf die Bedürfnisse des Transporters und dessen Nutzlast abgestimmt. Beim Vito 111 CDI baut der VTG-Lader das maximale Drehmoment von 270 Nm ab 1.500 Touren auf. Der erste Gang ist kurz übersetzt, wodurch der Transporter kräftig vom Start weg beschleunigt.

Bei Zwischenspurts kommt der Vierzylinder indes nur träge aus dem Drehzahlkeller. Um ihn im Bereich seines maximalen Drehmoments zu halten, muss der Fahrer häufig zum Schaltstock greifen. Der sechste Gang ist wiederum lang übersetzt, womit der Motor bei Tempo 100 kraftstoff­sparend unter 2.000 Umdrehungen bleibt. Beide Leistungsstufen benötigen im Schnitt 6,2 Liter auf 100 Kilometer (Normverbrauch).

Mit Vorderradantrieb und kompaktem Vierzylinder fällt der Vito leichter aus als die heckgetriebenen Vorgängermodelle. So haben die frontgetriebenen Modelle bei einer maximalen Zuladung von 1.289 Kilo (bei 3,05 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht) einen Nutzlastvorteil von rund 60 Kilo gegenüber den Hecktrieblern.

Für leichte Touren mit wenig Gewicht

Obwohl der Vito mit Renault-Motor mehr schultern darf, eignet er sich dennoch eher für leichtere Touren mit wenig Gewicht. In Verbindung mit dem 1,6-Liter-Motor lässt sich das ­Gesamtgewicht per Auflastung nur auf 3,05 Tonnen (830 Euro) erhöhen. Die Anhängelast des 109 CDI liegt bei 1,2 Tonnen, beim 111 CDI sind es zwei Tonnen, mit einer verstärkten Anhängerkupplung sogar 2,5 Tonnen.

Für schwere Fracht empfiehlt sich vielmehr der heckgetriebene Vito mit hauseigenem Vierzylinder OM 651 (136, 163 und 190 PS). Der 2,1-Liter-Diesel kommt nicht nur im Sprinter, sondern in nahezu allen Mercedes-Pkw-Modellen zum Einsatz. Mit diesem Antrieb lässt sich der ­Vito auf bis zu 3,2 Tonnen auflasten (1.220 Euro). Die Nutzlast steigt auf bis zu 1.369 Kilo und das maximale Gesamtzuggewicht auf 5.550 Kilo. Damit erweist sich der Hecktriebler auch als ­besseres Zugpferd.

Das maximale Drehmoment reicht beim 2,1-Liter-Diesel je nach Leistungsstufe von 330 bis 440 Nm und liegt beim 114 CDI schon bei 1.200 Touren an. Statt eines VTG-Laders wie beim 1,6-Liter-Aggregat bläst dem Mercedes-Motor ein zweistufiges Abgasturbolader-System Frischluft ein. Der kleinere Hochdrucklader baut das Drehmoment früh auf, sodass sich der Vito 116 CDI leicht aus dem Drehzahlkeller hochhangelt. Das manuelle Sechsganggetriebe (TSG 380) ist weit ­gespreizt, was die Drehzahlen bei Autobahn­fahrten niedriger hält und den Verbrauch auf bis zu 5,7 Liter drückt (Normverbrauch für 116 CDI mit Blue-Effiency-Paket für 495 Euro).

Vito 119 hält Euro-6-Abgasnorm ein

Komfortabler ist der Vito mit der optionalen und flink schaltenden Siebengang-Wandlerautomatik samt Start-Stopp-Funktion (2.100 Euro, nur für 114 CDI und 116 CDI), die der 119 ­Bluetec ebenso wie das Spritspar-Paket Blue-Efficiency serienmäßig an Bord hat. Die Top-Version beschleunigt kraftvoll und fährt selbst bei hohen Geschwindigkeiten niedertourig. Kein Wunder, dass die leistungsstärkste Variante mit ­einem Normverbrauch von 5,8 Litern auch gleich­zeitig eine der sparsamsten ist. Außerdem hält der ­Vito 119 Bluetec schon jetzt dank Adblue-­Zusatz im Abgasstrom und SCR-Katalysator die Euro-6-Norm ein.

Der 119 Bluetec ist der passende Transporter für Touren mit anspruchsvoller Topografie und ­hohen Lasten, aber auch für all jene, die regel­mäßig mit Anhänger unterwegs sind. Er ist derzeit noch die einzige Version, die Mercedes auch mit Allradantrieb (3.300 Euro) anbietet. 114 CDI und 116 CDI mit 4x4-Antrieb sollen Ende des Jahres folgen. Der Allradantrieb besteht aus der von den 4Matic-Pkw-Modellen abgeleiteten elektronischen Traktionskontrolle 4ETS, welche zusammen mit ESP und ASR arbeitet. Weil die Technik weniger Platz in Anspruch nimmt, ist die Dachhöhe der neuen 4x4-Modelle identisch mit der der Hecktriebler (1,91 Meter), der Mehrverbrauch liegt bei 0,6 Litern.

Auf alle Motorisierungen umgemünzt spricht ­Mercedes von einer Verbrauchsreduktion von 20 Prozent gegenüber dem Vorgänger-Vito. Beim Spritsparen helfen auch bedarfsgeregelte Neben­aggregate, die Lichtmaschine lädt bevorzugt im Schubbetrieb. In die elektromechanische Lenkung fließt nur Energie, wenn das Steuer tat­sächlich gedreht wird.

Bei hohem Tempo ist die Lenkung straff, der Vito liegt ruhig auf der Straße. In der Stadt wiederum lässt sich das Lenkrad leichtgängig drehen, was das Rangieren mit dem Transporter erleichtert. Mit verwinkelten Innenstädten kommt der heckgetriebene Vito besser zurecht, sein Wendekreis fällt mit 11,8 Metern über ­einen Meter kleiner aus als der der Fronttriebler. Selbst bei zügiger Beschleunigung sind kaum Antriebs­einflüsse an der Lenkung zu spüren.

Die Hinterachse – mit Einzelradaufhängung an Schräglenkern und Schraubenfedern – hat Mercedes neu abgestimmt, weshalb der Kastenwagen bei unebenen Straßen weniger poltert als zuvor. Für den Tourer serienmäßig und den ­Mixto optional ist das Komfortfahrwerk mit sensibler ansprechenden Stoßdämpfern. Stabilisatoren vorne und hinten verringern die Seitenneigung bei schnell durchfahrenen Kurven.

Serienmäßige Sicherheitsausstattung

Vorbildlich ist auch die serienmäßige Sicherheitsausstattung. Unter dem Begriff Adaptive ESP bündelt Mercedes neben ABS, ESP und ASR eine ganze Reihe weiterer Fahrdynamikregelungen, welche beispielsweise die Ladungsverteilung im Kastenwagen berücksichtigen (Load Adaptive Control LAC) und die Schwingungen des Anhängers ausgleichen (Trailer Stability Assist TSA). Ab 80 km/h schaltet sich der Seitenwind-Assistent hinzu, der Windböen über die ESP-Sensoren erkennt und durch abbremsen einzelner Räder effektiv entgegenwirkt. Auf Brücken und beim Überholen von Lkw liegt der Vito dadurch wankstabil auf der Straße.

Ebenfalls Serie: ein Aufmerksamkeitsassistent, der müde Fahrer akustisch warnt, eine Berganfahrhilfe, ein Tempomat sowie Fahrer- und Beifahrerairbag im Kastenwagen und bis zu acht Airbags im Kombi Tourer. Gegen Aufpreis rüstet Mercedes den Vito mit Kollisionswarner, Spurhalte- und Totwinkelassistent (im Paket für 930 Euro) sowie LED-Scheinwerfern (1.550 Euro) aus. Parkschrammen können Betreiber einer Vito-Flotte nur mit großen Investitionen vorbeugen. Einfache Parkpiepser gibt es ausschließlich im Paket mit dem aktiven Parkassistenten, der mit 740 Euro zu Buche schlägt und weitere Sonderausstattung voraussetzt.

Die ganze Armada an Assistenzsystemen erhöhen die Sicherheit und den Komfort des Transporters aus Stuttgart zweifellos. Wer mit dem Vito dann aber noch Geld verdienen will, muss seine Transport- oder Dienstleistung mit sehr spitzem Bleistift kalkulieren.

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Kostenlos herunterladen Vito Kastenwagen Abmessungen und Gewichte (PDF)

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

10. Juli 2015
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