Branche, Logistik Zoom

Kosten: Kapazitäten richtig kalkulieren

Wer in der Logistik erfolgreich sein will, sollte Kostenmanagement betreiben und eigene Vermögenswerte gering halten. So jedenfalls lauten die Empfehlungen der Commerzbank.

Es lebe der Sofaspediteur. Er hält fast keine Vermögenswerte vor und sein Risiko überschaubar. Gegenüber dem Spediteur im Selbsteintritt ist er in vielfacher Hinsicht im Vorteil. Das gilt zwar nur in der Theorie. Wer sich den neuen Branchenbericht der Commerzbank zu Gemüte führt, muss jedoch zu diesem Schluss kommen.

Asset-light-Konzept

Gleich an erster Stelle kommt man im Glossar mit dem Asset-light-Konzept in Berührung. Wer dieses Geschäftsmodell lebt, macht offenbar alles richtig. Er setzt auf maximale Flexibilität und kommt weitgehend ohne eigene Kapazitäten wie Lager oder Lkw klar. Dass die Wirklichkeit etwas differenzierter ist, unterschlägt der Bericht. "Das Vorhalten hoher eigener Kapazitäten beziehungsweise vertraglich unflexibler Fremdkapazitäten wirkt sich im Abschwung negativ auf die Flexibilität des Geschäftsmodells aus", heißt es. Ein Stück weit relativieren die Autoren ihre Aussagen aber. "Grundsätzlich ist ein Bodensatz eigener Kapazitäten durchaus sinnvoll, da im Aufschwung die Preise für Subunternehmer deutlich steigen."

Welche Kapazitäten sollte man überhaupt vorhalten? Diese Frage muss laut den Commerzbank-Analysten jeder Spediteur in Abhängigkeit von der Stabilität seiner Kundenbranchen sowie den dort zu erwartenden Schwankungen selbst beantworten.

Kapazitäten bedeuten Kosten

Kapazitäten bedeuten Kosten. Überhaupt gilt es, diese im Griff zu haben beziehungsweise zu minimieren. Die Autoren des Reports empfehlen daher, "mit optimierten Kostenstrukturen dem Wettbewerbsdruck zu begegnen". Was das heißt? Nicht unbedingt neu dürfte jedenfalls die Erkenntnis sein, dass steigende Dieselkosten Leerfahrten oder nicht optimal ausgelastete Verkehre immer teurer machen und sich die Nutzung des Kombinierten Verkehrs empfiehlt.

Apropos Kosten: Den Autoren scheint bewusst zu sein, dass der Fachkräftemangel zu höheren Lohnkosten führt. Das sehen sie als Risiko an, genauso wie offenbar einen Verdienst von 8,50 Euro pro Stunde. "Ein flächendeckender Mindestlohn würde insbesondere für kleine Logistiker den Kostendruck weiter erhöhen", warnen sie.

Individuelle Bedürfnisse der Kunden kennen

Neben einem strikten Kostenmanagement gibt es auch andere, qualitative Erfolgsfaktoren. Ein Kennzeichen erfolgreicher Transport- und Logistikunternehmen sei es, die individuellen Bedürfnisse der Kunden zu kennen, heißt es. Allerdings ist auch diese Empfehlung mit einem Hinweis auf die Kosten verbunden. Ein konkurrenzfähiger Preis sei in dem Zusammenhang eine absolute Grundvoraussetzung. Der zur Erklärung verwendete Anglizismus taucht im Glossar wieder auf: Online Bidding. Gemeint sind Ausschreibungsverfahren über das Internet, die mit hoher Transparenz verbunden sind. Soll heißen: Spediteure, die hier zu hohe Preise ansetzen, sind gleich aus dem Rennen.

Wer seinen Kunden und dessen Bedürfnisse kennt, ist im Vorteil. Doch damit nicht genug: Erfolgreiche Unternehmen müssen laut Commerzbank auch in der Lage sein, Qualität, Verlässlichkeit und Problemlösungskompetenz für ihre Kunden an den Tag zu legen. Das gelte besonders in Krisensituationen. Dabei gehe es darum, nicht nur den Kunden zu kennen, sondern auch ein Verständnis für dessen Branche zu entwickeln.

Fokussierung auf einen Kernbereich

Mit jedem Wirtschaftszweig müssen Speditionen aber nicht vertraut sein. "Die Fokussierung auf einige Kernbranchen hat Vorteile", ist in dem Report zu lesen. Das gelte vor allem für Kontraktlogistiker. Ebenso essenziell für Unternehmen ist Kompetenz im Controlling und in der IT. "Jeder Logistiker sollte in der Lage sein, die Aufträge sowohl beim Angebot als auch später bei der Leistung richtig und zeitnah zu berechnen", schreiben die Autoren.

Doch auf welche Segmente sollten sich Unternehmen konzentrieren? Paketdienste, Kontraktlogistik und Containertransporte bieten laut den Commerzbank-Autoren hohe Wachstumspotenziale. Das heißt aber nicht, dass es in allen Bereichen auch gute Verdienstmöglichkeiten gibt. Reine Transportdienstleister haben es – auch das ist nicht neu – eher schwer. Die Unternehmen suchten ihr Auskommen in einem relativ margenarmen Marktsegment, ist zu lesen. "Sie konkurrieren fast ausschließlich über den Preis." Im Transportgeschäft auf der Straße dominierten kleine Unternehmen, deren Leistung leicht austauschbar sei. "Es ist kein großes Know-how erforderlich und die Eintrittsbarrieren sind gering."

Ausländische Anbieter drängen auf den Markt

Das zeigt sich offenbar auch daran, dass verstärkt ausländische Anbieter auf den deutschen Markt drängen und den Markt weiter aufmischen. Ungleiche Chancen im Wettbewerb und Lohnkostennachteile bringen die deutschen Unternehmen hier in Bedrängnis. Waffengleichheit gibt es allein deshalb nicht, weil deutsche Betriebe bei der Mineralölsteuer benachteiligt seien. Hinzu kommen die Ökosteuer und eine striktere Kontrolle, ob die Sozialvorschriften eingehalten werden. Und obendrein drohe die zunehmende Freigabe der Kabotage. Alles in allem also keine sehr beruhigende Lektüre für Unternehmen, die eine eigene Flotte einsetzen. Sofaspediteure dagegen dürften sich durch den Report bestätigt sehen.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Jüngst, Grafik: Frieser

Datum

6. November 2013
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