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Iveco Stralis AS440S42: Gelungener Auftritt

Gut verarbeitet, im Detail verbessert und mit äußerst günstigem Verbrauch machte der Iveco Stralis AS440S42 eine gute Figur beim Test.

Natürlich liegt es nahe, beim Iveco Stralis von einem Italiener zu reden. Doch das war er eigentlich nie. Er hat deutsche Gene, wurde in Deutschland gebaut und ist heute eher ein Spanier als ein Italiener oder Deutscher. Kurz: Seit gut einem Jahr ist Spanien der Geburtsort eines jeden schweren Iveco. Einher mit der Produktionsverlegung vom Traditionswerk in Ulm-Donautal nach Madrid aber ging die Frage, ob denn Spanier überhaupt in der Lage sind, hochwertige Lkw zu montieren.

Sie können es. Noch kein schwerer Iveco kam so solide verarbeitet zum Test. Noch keiner zeigte sich so ausgereift, noch keiner zuvor verfügte über so gut funktionierende Assistenzsysteme wie dieser dunkelblaue AS440S42. Und – hier kommt eine vierte Nation ins Spiel  –  er erreichte mit konventionellen Mitteln einen sehr guten Verbrauch, welcher der Iveco-Motorenschmiede in Arbon in der Schweiz zuzurechnen ist. Konventionelle Mittel meint in diesem Zusammenhang, dass der Stralis noch nicht über all jene Helfer wie vorausschauender Tempomat, geregelte Nebenaggregate oder jene aerodynamischen Finessen verfügt, wie etwa der Mercedes Actros sie nutzt. Immerhin aber gibt es ein Eco-Paket mit langer Achsübersetzung und manch andere Zutat, um den Verbrauch nach unten zu drücken. Dazu zählen beispielsweise eine Fahrstilanalyse und  neuerdings ein Getriebe mit Eco-Roll-Funktion. Und nicht zu vergessen das ­Motoröl der Spezifikation 0W20, was den Motor mit 10 bis 15 Grad höheren Temperaturen als zuvor arbeiten lässt und die Wartungsintervalle des Partikelfilters auf 600.000 Kilometer ausdehnt.

SCR Only verzichtet auf Abgasrückführung

Wichtigster Helfer beim Dieselsparen jedoch ist die Methode "SCR Only", nach der die Cursor-Motoren arbeiten. Der Verzicht auf eine Abgasrückführung (AGR) bietet mit Blick auf Motorkühlung, Leistung, Bauraum und Verbrauch eine Menge von Vorteilen. Einziger Nachteil: Der Adblue-Verbrauch steigt auf rund sieben Prozent, während AGR-Motoren mit zwei bis drei Prozent auskommen. 2,48 Liter pro 100 Kilometer Harnstofflösung brauchte der Iveco, was – je nach Einkaufspreis – mal 50 Cent oder an der Tankstelle dem Gegenwert von einem Liter Diesel entspricht.

Doch dieser Adblue-Zuschlag lässt sich locker wegstecken, wenn der Dieselverbrauch so niedrig wie im 420er Stralis ist. Nur 33,9 Liter auf 100 Kilometer genehmigte sich der 11,1 Liter große Sechszylinder. Einschließlich der Kosten für Adblue liegt er leicht  unter dem Niveau der bisher besten Euro-6-Fahrzeuge. Nur eine Zugmaschine konnte es bisher besser als der Iveco: der Scania G410LA, der gleichfalls auf SCR-Only setzt und 32,9 Liter pro 100 Kilometer erreichte. Die Hälfte des Vorteils geht beim Scania auf das Konto "prediktiver Tempomat", die andere Hälfte auf die deutlich höheren Kräfte (2.150 statt 1.900 Nm) des 12,7 Liter großen Scania-Motors, der folglich auch mit  weniger steigungsbedingten Schaltungen (23 statt 37 beim Iveco) und mit deutlich größeren Fahranteilen im direkten (zwölften) Gang über die Teststrecke rollte.

Sportliche Iveco-Automatik

Trotz nur 1.900 Nm erreichte der Stralis mit 81,7 km/h ziemlich genau das Tempo des kräftigeren Scania (81,6). Was exakt zwei Gründe hat. Der prediktive Tempomat im Scania lässt das Tempo regelmäßig auf deutlich unter 80 km/h sinken. Im Gegenzug arbeitet die Iveco-Automatik (ZF12AS-Tronic) im Standardmodus fast sportlich, schaltet recht früh abwärts und spät aufwärts. Im Eco-Modus, der sich per Schlüsselschalter aktivieren lässt, passiert exakt das Gegenteil, was sicher den einen oder anderen Liter Diesel spart, aber nicht zu den relativ geringen Kräften des Cursor  11-Motors passt. Die Wahrheit liegt etwa in der Mitte zwischen diesen Extremen – zumindest in Kombination mit 420 PS. Erstaunlich immerhin, dass die lange Achs­übersetzung von 2,64 zu 1 ganz gut zum Motor passt.

Trefflich hingegen geht die neue Eco-Roll-Funktion ihrer Arbeit nach. Sie kommt ohne Neigungssensor aus und erkennt – mit geringem zeitlichen Verzug – wirklich jede Gelegenheit, wo es etwas zu rollen gibt. Folglich lief der Stralis mehr als elf Prozent der Gesamtstrecke im Leerlauf, was bisher noch keinem Lkw auf dieser Rundstrecke gelang. Ein geschätztes Viertel bis Fünftel dieser Zeit ist allerdings kontraproduktiv, weil die 40 Tonnen auch mit geschaltetem großen Gang und ohne Verbrauch das Tempo gehalten hätten. Ganz perfekt gelingt eine Eco-Roll-Funktion eben nur mit einem GPS-Tempomaten, der die Strecke kennt.

Elektronik arbeitet elegant

Auch das Zusammenspiel von Eco-Roll und Tempomat gelingt bestens. Wobei die Eco-Roll-Funktion das Tempo mitunter leicht unter den Tempomatwert sinken lässt oder sich nach mehreren Fehlversuchen (Gang rein, Gang raus) auf leichtem Gefälle selbst korrigiert und schließlich den Gang geschaltet lässt. Gemessen an der Eleganz, mit der diese elektronischen Systeme arbeiten, kommt vor allem die Bedienung des AS-Tronic-Getriebes etwas altbacken daher. Drei große, nur per Verbeugung zu erreichende Schalter im Instrumententräger rechts, die für Fahrprogramm, Leerlauf, manuell und rückwärts zuständig sind. Eingriffe in die Schaltfolge werden per Lenksäulenhebel getätigt.

Davon abgesehen gibt sich die Bedienung kaum Blößen. Das große farbige und zentral zwischen Drehzahlmesser und Tacho montierte Display will mit seinem etwas grellen Auftritt  zu den jetzt dezenten Innenraumtönen nicht mehr ganz passen, doch übersichtlich ist die Sache allemal. Und leicht zu bedienen obendrein. Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien stellen auch anspruchsvolle Zeitgenossen zufrieden. Zumal auch die Qualität von Kühlschrank oder Liege hinzugewonnen hat und der Stralis in AS-Ausführung gleich vier ganz gut zugängliche Außenstauräume offeriert.  Mit den Innenabmessungen der größten Iveco-Kabine lässt sich prima leben – auch wenn der  Wettbewerb bei Innenhöhe und Innenstauraum mitunter ein paar Millimeter oder Liter mehr bietet.

Ähnliches gilt für den Fahrkomfort. Mancher mag es sanfter, als sich der Stralis gibt, und auch etwas leiser, aber die geringen Einschränkungen beim Fahrkomfort haben ein fast sportliches Fahrverhalten zur Folge. Das sind dann die letzten verbliebenen italienischen Momente des in Deutschland entwickelten und in Spanien gebauten Iveco.

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Autor

Foto

Mario Rodrigues

Datum

23. Februar 2015
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