Intelligente Transportsysteme Zoom

ITS: Europa gibt den Weg vor

Die europäische Union fordert intelligente Transportsysteme (ITS). Die Staaten sind in der Pflicht, die Vorgaben umzusetzen.

Begriffe wie Car-to-Car- oder Car-to-X-Kommunikation waren bisher nur unter Spezialisten geläufig. Das wird sich in den kommenden Jahren ändern. Bald schon sollen alle Fahrzeuge untereinander kommunizieren, dann sind diese Begriffe auch jedem Fahrer bekannt. Zudem laufen dann alle Daten über durchschnittliche Geschwindigkeit, Bremsverhalten und Standort in Rechenzentren auf, in denen sie mit den aktuellen Verkehrsdaten verheiratet werden. Mit den neu gewonnenen Informationen ließe sich so der Verkehr besser steuern.

Diese Techniken gehören zu den intelligenten Transportsystemen (ITS) – in Deutschland fällt öfter der Begriff intelligente Verkehrssysteme (IVS). Ein wesentlicher Bestandteil von ITS ist die Telematik. Die Lösungen sorgen dafür, dass die Daten vom Fahrzeug in die Rechenzentren gelangen. Genau das Gleiche gilt für den umgekehrten Weg. Nachdem die Informationen verheiratet und aufgewertet wurden, gehen sie zurück in die Fahrzeuge und geben dem Fahrer Tipps, wie er am besten zum Ziel kommt. Wie das in der Realität aussehen kann, zeigt das Beispiel Hamburger Hafen.

Richtlinie 2010/40/EU als Rechtsgrundlage

Die rechtliche Grundlage für die Einführung dieser Systeme lieferte die Europäische Union mit der Richtlinie 2010/40/EU. Hierin legten die Parlamentarier und Ratsmitglieder sechs vorrangige Maßnahmen fest (siehe Kasten). Die Mitgliedsländer haben fünf Jahre Zeit, um intelligente Transportsysteme (ITS) im Zuge des Maßnahmenplans in den Ländern umzusetzen und zu etablieren. Zu berücksichtigen ist dabei immer, dass die Technik anschließend möglichst länderübergreifend funktionieren soll. Im August des vergangenen Jahres legte das Bundesverkehrsministerium der EU-Kommission einen entsprechenden Katalog vor. Darin identifizierte das Ministerium drei Handlungsfelder. Das sind die optimale Nutzung von Straßen-, Verkehrs- und Reisedaten, die Durchgängigkeit der ITS-Dienste in den Bereichen Verkehrsmanagement und -information und ITS-Anwendungen zur Steigerung der Verkehrseffizienz und -sicherheit.Die Systeme sollen nicht nur den Straßenverkehr besser fließen lassen, sie sollen darüber hinaus auch alle Verkehrsträger kombinieren. Die Ware und die Ankunftszeit bestimmen dann letztendlich die Verkehrsmittel, den Rest regeln die Systeme. So die Vision der Macher von ITS. Dabei haben ITS nach Auskunft des Branchenverbandes Bitkom einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Dieser liegt nach Schätzungen bei zehn Mrd. Euro, davon 4,4 Mrd. Euro allein durch das Vermeiden von Staus. Das führt in der Folge auch zu weniger Umweltverschmutzung. Neue Logistiksysteme sparen weitere 3,5 Mrd. Euro, hinzu kommen Wachstumsimpulse durch die Entwicklung von Apps und Services von zwei Mrd. Euro.

Wie ITS in der Realität aussehen könnte, zeigen erste Produkte. So hat beispielsweise VDO ein Parkraum-Management entworfen. Es enthält allgemeine Informationen über die Parkplätze und informiert Fahrer über die nächstgelegenen Stellplätze. Um jedoch festzustellen, ob es noch freie Plätze gibt, setzt VDO auf eine Online-Plattform. Das Unternehmen plant dafür eine Fahrer-Community, wie es Dr. Michael Jörg Ruf, Leiter Commercial Vehicles & Aftermarket, bei Continental bezeichnet.

Sicherheit und Motorsteuerung im Fokus

Auch bei den Fahrzeugherstellern entstehen immer neue Funktionen, die sich in die ITS-Landschaft integrieren lassen. Hier spielt besonders der Bereich Sicherheit und die effiziente Motorsteuerung eine große Rolle. So hat Volvo mit der jüngst vorgestellten zweiten Generation von I-See eine Software geschaffen, die den Kraftstoffverbrauch weiter senken soll. Sie steuert den Tempomaten entsprechend der Topografie und übernimmt dann die Kontrolle der I-Shift-Schaltung und Bremse. Um die genauen Strecken zu kennen, arbeitet das System mit den GPS-Daten. Weitere Fahrerassistenzsysteme, die über die aktuellen Verkehrsdaten ergänzt werden, sind bei den Herstellern in Arbeit. So wäre beispielsweise eine aktive Warnung bei zu niedrigen Brücken möglich. Dafür müssen jedoch die Daten exakt stimmen. Das Notfall-Bremssystem der Lkw gehört auch zu den Sicherheitsfunktionen, die durch ITS ergänzt werden. Hier wäre der Ausbau der Car-to-Car-Kommunikation hilfreich, denn je früher das hinterherfahrende Fahrzeug weiß, was sein Vordermann macht, desto schneller kann es reagieren und damit Unfälle vermeiden.


Anforderungen: Das sollen ITS leisten

In Artikel 3 der europäischen Richtlinie 2010/40/EU sind folgende vorrangige Maßnahmen festgelegt worden:
a) die Bereitstellung EU-weiter multi­modaler Reise-Informationsdienste;
b) die Bereitstellung EU-weiter Echt­zeit-Verkehrsinformationsdienste;
c) Daten und Verfahren, um Straßen­nutzern, so weit möglich, ein Mindestniveau allgemeiner für die Straßen­verkehrssicherheit relevanter Verkehrsmeldungen unentgeltlich anzubieten;
d) harmonisierte Bereitstellung einer interoperablen EU-weiten eCall-Anwendung;
e) Bereitstellung von Informations­diensten für sichere Parkplätze für Lastkraftwagen und andere gewerbliche Fahrzeuge;
f) Bereitstellung von Reservierungsdiensten für sichere Parkplätze für Lastkraftwagen und andere gewerbliche Fahrzeuge.

Autor

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BMVBS

Datum

14. November 2013
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