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ITS: Der Weg zum perfekten Hafen

Der Hamburger Hafen testet zurzeit umfassende Telematikanwendungen, um die Abläufe besser zu koordinieren. Zu den Testern gehört auch die Spedition Stapelfeldt.

Es ist ein ruhiger Tag für Marcel Kaegebein. Im Hamburger Hafen sind weit und breit keine Staus in Sicht. So kann er den Auftrag, den er gerade vom Disponenten Holger Hermes über seine Telematikanwendung bekommen hat, ohne große Wartezeiten abarbeiten. Jetzt heißt es, den leeren Container abzuliefern, um dann einen Kühlcontainer am Terminal Burchardkai zu laden, bevor es zum Kunden geht. Täglich fährt Kaegebein so acht bis zehn Touren, je nachdem wie weit er muss und wie die Verkehrslage ist.

Er gehört damit zu den etwa 8.000 Lkw-Fahrern, die an den verschiedenen Terminals im Hamburger Hafen Container abholen und hinbringen. Allein diese Zahl lässt schon auf ein mittleres Chaos schließen, denn bisher gibt es nur wenige Mittel, um die Zu- und Abläufe zu steuern. Das soll sich ab dem kommenden Jahr ändern. Das Mittel dazu ist eine Kombination aus Telematiksystemen und Plattformen.

Für jeden Zweck eine Lösung

Verschiedene Bausteine tragen dazu bei, dass möglichst alle Lkw mit dabei sind. Unter dem Namen Smart Port Logistic läuft derzeit eine Plattform im Probebetrieb, die hauptsächlich von der Deutschen Telekom und SAP entwickelt wurde. Sie sorgt dafür, dass verschiedene Telematiksysteme zusammenlaufen und dadurch qualitativ bessere Informationen entstehen. Ein weiterer und bereits seit Jahren etablierter Baustein im Hamburger Hafen ist die Truckstation des Softwareunternehmens Dakosy. Transportunternehmen können hier die Aufträge ihrer Kunden mit den Informationen der Terminals verschmelzen. Sobald der Transporteur einen Auftrag erhält, sendet er eine Voranmeldung an das Terminal. Dieses gibt darüber Auskunft, ob alle Daten korrekt sind und der Container schon gelöscht und freigestellt ist. Sobald der Fahrer seine Ladung holen kann, bekommt er über die Truckstation eine kurze Meldung aus der Disposition. Schon damit lassen sich Wartezeiten verkürzen.

Doch nicht nur die vorgeprüften Daten der Truckstation laufen als Message auf dem Portal Telematic One auf. Hier liegen auch die Echtzeit-Verkehrsinformationen aus dem Port-Road-Managementsystem der Hamburg Port Authority (HPA) und die Parkrauminformationen. Bisher konnten in erster Linie nur die großen Container-Spediteure vom System profitieren, weil sie die Hard- und Software gekauft haben. Jetzt gibt es für Unternehmen, die nur selten kommen, eine Truck-App. Sie passt auf jedes Smartphone oder Tablet. Für diejenigen, die weder das eine noch das andere besitzen, will der Hamburger Hafen Lkw-Parkplätze mit Selbstbedienungs-Terminals anbieten. Auf solchen "Pre-Gates" gibt der Fahrer dann seine Container-Nummer ein. Damit sieht er, ob alle Daten auf grün stehen. Sollte etwas noch nicht fertig sein, kann der Fahrer seine Handynummer hinterlassen. Er wird dann per SMS benachrichtigt, sobald er seinen Container abholen kann. "Mit diesem Gesamtpaket können wir 99 Prozent aller Fälle abdecken", sagt Hans Stapelfeldt, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition und Mitglied des Kuratoriums der Logistik-Initiative Hamburg. Die Spedition hat sich auf Container-Trucking spezialisiert und kämpft fast täglich gegen lange Wartezeiten und Staus.

Damit haben die verschiedenen Beteiligten eine Lösung geschaffen, die die Abläufe im Hafen verbessern kann. Es fehlen nur noch die Unternehmen, die diese Anwendungen auch nutzen. "Bisher sind es nicht einmal 30 Prozent der Unternehmen, die mit den Systemen arbeiten. Das ist eindeutig zu wenig. Doch jetzt haben wir die Basis und die Chance für ein Pflichtprogramm", betont Stapelfeldt. Er könnte sich gut vorstellen, künftig eine Art Bonus-Malus-System einzuführen, um einen besseren Ablauf im Hamburger Hafen zu erhalten. "Es gibt spannende Lösungen in Amerika und Australien. Wer sich dort nicht an die vorgegebenen Systeme hält, kann zwar trotzdem liefern, doch er muss sich hinten anstellen und dadurch Wartezeiten in Kauf nehmen", erläutert Stapelfeldt. Es gebe zudem auch Häfen, die mit Zeitfenstern arbeiten. Zu bestimmten Zeiten wie beispielsweise in der Nacht gibt es Bonuspunkte, in der Rushhour Minuspunkte. Unter dem Projektnamen Port-Points entwickeln die Akteure gerade ein System. Stapelfeldt: "Jeder, der sich dann an die Ablaufoptimierung hält und sich am Hafensystem beteiligt, fährt im grünen Bereich. Alle anderen, die meinen, sie müssten ohne Voranmeldung und ohne Anbindung arbeiten und kommen, wann sie wollen, die müssen mit entsprechenden Wartezeiten und Minuspunkten rechnen."

Verkehrsströme analysieren

Das System hat auch noch einen weiteren Vorteil. Je mehr Transportunternehmen sich beteiligen, umso besser lassen sich auch Verkehrsströme im Hafengebiet nachvollziehen. Die Standorte der Fahrzeuge fließen anonymisiert ins System. Dadurch lässt sich erkennen, ob sich beispielsweise gerade viele Lkw im Zulauf befinden. Dies wird dann auf dem Portal mit der allgemeinen Verkehrslage abgeglichen. "Nach der Analyse versendet das System entsprechende Warnungen und gibt Empfehlungen", sagt Stapelfeldt. Fahrer könnten dann beispielsweise ihre Pause auf anderen Parkplätzen vorab machen. Damit sei allen geholfen.

Der Arbeitsablauf wird sich bei Marcel Kaegebein hingegen nicht weiter ändern. Er arbeitet schon lange mit dem System und findet es richtig gut. Doch wahrscheinlich hat es Auswirkungen auf seinen Arbeitstag, wenn er seltener anstehen muss.

Was ist "Smart Port Logistics"?

Die technische Grundlage für Smart Port Logistics bildet eine Kombination der Lösungen Telematic-One der Deutschen Telekom, der SAP Net-Weaver Cloud-Plattform von SAP sowie Konzepten zu webbasierten Dienstleistungsmarktplätzen. Telematic-One ist ein zentrales Steuerungsportal für Logistikdienstleister, das Frachtinformationen aus unterschiedlichen Telematiksystemen in einer gemeinsamen Anwendung zusammenführt und nutzbar macht. Mit SAP NetWeaver Cloud wird die mobile, Cloud-basierte Plattform bereitgestellt, auf der IT-gestützte Logistikdienste und -prozesse wie Telematic-One angesiedelt sind. Perspektivisch plant die Hamburger Port Authority, das Geschäfts­netzwerke basierend auf der SAP NetWeaver Cloud-Plattform für das Anbieten von Informationen und Dienstleistungen rund um den Hafen zur Verfügung stehen.

Autor

Foto

Johanning

Datum

11. November 2013
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