Dr. Eckhard Scholz, Sprecher des Markenvorstands VW Nutzfahrzeuge Zoom

Dr. Eckhard Scholz im Gespräch: VW Nutzfahrzeuge unter Strom

Ohne Konzepte zur E-Mobilität geht es nicht. Zwar scheint der Markt noch nicht reif für Elektrotransporter, aber wer jetzt nicht an der Technologie arbeitet, verliert in Zukunft den Anschluss. Wie sich VW Nutzfahrzeuge (VWN) aufstellt, erklärt Vorstandssprecher Dr. Eckhard Scholz im Gespräch mit lastauto omnibus-Mitarbeiter Markus Braun.

lastauto omnibus: Wie sieht Ihre Elektromobilitätsstrategie aus?

Dr. Eckehard Scholz: Wir haben in den vergangenen Monaten sehr intensiv an einer Gesamtstrategie für VWN gearbeitet. Dazu gehörten auch weltweite Markt- und Bedarfsanalysen. Im Zuge dessen haben wir uns gefragt, wie wir mit dem Thema alternative Antriebe umgehen und somit auch mit dem Thema Elektromobilität. Klar ist, dass das ganze Thema in der Zukunft spannend werden könnte, da in den großen Städten der Bedarf an solchen Antriebskonzepten zunimmt. Klar ist somit, wenn wir über neue Fahrzeugkonzepte nachdenken, werden wir immer auch alternative Antriebskonzepte berücksichtigen. Mein Wunsch wäre es daher, relativ zeitnah ein Serienkonzept zu präsentieren. Das ist aber im Moment nur der Wunsch.

In welcher Gewichtsklasse?

Ich glaube wenn, dann geht es mehr um Kleinlasttransporte. Unser auf dem Automobilsalon in Genf gezeigtes Konzept e-Co-Motion ist ein solches Beispiel. Aber auch unterhalb der Caddy-Klasse könnte ich mir einen Bedarf nach einem elektrischen Stadtlieferwagen vorstellen.

…unterhalb des Caddy?

Ja. Unseren Caddy sehe ich am oberen Ende der interessanten Gewichtsklasse. Was E-Fahrzeuge mitbringen müssen, ist weniger das Thema schwere Anwendung, als vielmehr die innerstädtische Transportlösung, egal ob das KEP-Dienste sind oder Flotten von Energieversorgern und Telekommunikationsunternehmen. Dort gibt es einen Bedarf, aber eben nach kompakten Fahrzeugkonzepten mit kleinem Wendekreis. Denn diese Leute legen meistens nur kurze Wege zurück und haben wenig Ladung. Mein Wunsch ist es, zu diesem Thema konkrete Aussagen machen zu können, aber da sind wir derzeit erst noch in der Diskussion.

Sie haben im vergangenen Jahr mit dem eT ein Elektrokonzept vorgestellt, das stark auf Volumen gesetzt hat. Ihr Ausblick in die nahe Zukunft klingt eher so als würden Sie sich davon wieder verabschieden.

Mit allen Analysen sind wir an der Stelle noch nicht durch. Grundsätzlich müssen wir die Frage von der Kundenseite aus beantworten. Bei der Elektromobilität haben wir diesbezüglich zwar schon ein erstes Bild, aber von den tiefergehenden Analysen gibt es noch keinen abschließenden Bericht. Die bewegenden Fragen dabei sind: Wer sind die Kunden, die so ein Fahrzeug nutzen? Und vor allem: sind die Kunden bereit für so ein Fahrzeug Geld auszugeben? Mehr Geld als für ein herkömmlich angetriebenes Fahrzeug – denn diese Hochtechnologie wird es nur mit einem entsprechenden Aufpreis geben. Genau an der Stelle war das Ganze bisher eine Enttäuschung, auch beim Wettbewerb. Wir alle haben schöne Dinge auf die Straße gebracht, aber eine richtige Erfolgsstory war bisher nicht dabei. Viele fragen nach Elektromobilität, aber wenn es ans Bezahlen geht, will kaum einer wirklich unterschreiben. Speziell für Privatkunden ist der Preis bisher zu hoch gewesen. Bei gewerblichen Flottenbetreibern sieht das jedoch anderes aus: speziell bei den leichten Nutzfahrzeugen sehe ich dafür das größte Potenzial. Mit dem e-Co-Motion haben wir ein erstes Statement abgegeben. Jetzt müssen wir uns Gedanken über ein profitables Projekt machen. Aber heute zu sagen „So wird das aussehen!“ wäre noch zu früh.

Wie gehen Sie mit Thema Batterie um? Suchen Sie sich einen Systemlieferanten oder entwickeln Sie die Energiespeicher selbst?

Da sind bei uns im Konzern die Weichen bereits gestellt. Wir brauchen uns nicht selbst an die Entwicklung machen. Das leisten wir mit unseren Partnern, aber auch mit der Konzernkompetenz. Es gibt ja bereits Batteriesysteme beispielsweise im e-up! und e-Golf. Da bedienen wir uns am Baukasten Lithium-Ionen-Batterie. Die Batterien im Konzept e-Co-Motion bestehen beispielsweise aus Modulen, die es auch im e-Golf gibt.

Was werden die Batterien kosten?

Dazu lässt sich jetzt noch nichts sagen.

Sie sehen rein elektrische Antriebe nur bei den kleinen Nutzfahrzeugen. Welches alternative Antriebskonzept werden Sie für den Crafter entwickeln – den Hybridantrieb?

Aus meiner Sicht gibt es dazu kaum eine Alternative. Nutzfahrzeuge werden über einen längeren Zeitraum gebaut als Pkw. Deshalb müssen wir allein aufgrund der ganzen CO2-Restriktionen Hybrid-Lösungen mitentwickeln, sonst sind wir irgendwann nicht mehr handlungsfähig. Wir arbeiten jedoch auch beim Crafter nach dem Baukastenprinzip, um Entwicklungen für die gesamte Palette nutzen zu können.

Lässt sich dieses Konzept dann auch auf die T5-Baureihe übertragen? Wäre das eine kurzfristig realisierbare und seriennahe Alternative zum e-Co-Motion?

Die Technik kommt durchaus dafür in Frage. Das ist einer der Schritte, die in naher Zukunft denkbar und auch möglich wären. Jedoch muss man zunächst sehen, was „kurzfristig“ bedeutet. Denn wir brauchen Zeit, um solche Systeme marktreif zu entwickeln und zu testen. Schließlich ist es nie unser Ziel, auf Biegen und Brechen als erster mit einem Modell auf dem Markt zu sein – bester ja, erster nicht zwingend.

Wie viel sind Sie bereit in diese Techniken zu investieren, auch konzernweit?

Konkrete Zahlen kann und will ich ihnen nicht nennen. Nur so viel: Die Bereitschaft für Investitionen in neue Technologien ist bei Volkswagen grundsätzlich vorhanden, aber der Konzern wird immer ein Auge darauf haben, dass sich das in einem vernünftigen wirtschaftlichen Rahmen abspielt. Bei VW läuft das so: machen Sie einen vernünftigen Vorschlag zu einem innovativen Produkt, das gute Chancen im Markt hat. Dann wird sich der Konzern das gut überlegen und in den meisten Fällen sagen – ja das machen wir.

Das trifft aber auf den e-Co-Motion nicht zu…

Warum? Weil wir noch kein konkretes Markteinführungsdatum und den entsprechenden Preis nennen? Beim Konzept e-Co-Motion ist die Frage gewesen, was man tun müsste, um zukunftsorientiert zu sein und einen perfekten, elektrisch angetriebenen Stadtlieferwagen zu erhalten. Auch hier war der Konzern bereit in Technologie zu investieren, denn schon diese Studie kostet Geld, das man sich leisten können will. Das Fahrzeug erzeugt nun eine Erwartungshaltung. Jetzt kommen Fragen auf wie es weiter geht. Wir haben uns also mit dem Konzeptfahrzeug selber unter Druck gesetzt. Ich finde das wunderbar, eine schöne Motivation für die ganze Organisation.

Sie haben vorher über mangelnde Investitionsbereitschaft von Flottenbetreibern in E-Mobilität gesprochen. Sehen Sie dafür einen Ausweg?

Unsere Flottenkunden müssen mit dem spitzen Bleistift rechnen, denn alle wollen mit unseren Autos Geld verdienen. So läuft das Geschäft nun mal. Beim Thema E-Mobilität investieren sie vielleicht in das eine oder andere Fahrzeug, aber sie wissen auch genau, dass sie mit diesen Autos im ersten Schritt kein Geld verdienen können. Aber ich glaube an diese Technologie. Denn allein mit herkömmlichen Antrieben werden wir die uns selbst gesetzten CO2-Grenzwerte der Flotte in der Zukunft nicht erreichen können.

Wie groß wird der Anteil von elektrifizierten Antrieben in der VWN-Flotte bis 2020 sein?

Das ist mir zu spekulativ, aber der Anteil wird nicht groß sein.

Wann wird es soweit sein, dass VWN mit einem E-Fahrzeug in Serie geht?

Ich gebe ihnen die Antwort, wenn wir uns das nächste Mal treffen. Bevor ich ihnen die Antwort gebe, ist es mir wichtig, alle entsprechenden Entscheidungen getroffen zu haben.

Wann unterhalten wir uns darüber, zur Pkw-IAA?

Das wäre ein guter Zeitpunkt.

Portrait

Autor

Foto

Andreas Wolf

Datum

20. März 2013
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