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Internationale Spezialtransporte: Mit einem Spezialtieflader auf Sondertour

Kein Ziel kann für Markus Dissertori zu weit sein. Mit seinem edlen Scania und einem Spezialtieflader transportiert er Baumaschinen an die entlegensten Orte Europas.

Das Beste, was einem international tätigen Fernfahrer passieren kann, ist eine gute Basis in der Heimat. Die findet Markus Dissertori immer wieder in Este südlich von Padua. Bevor er am nächsten Morgen bei Komatsu einen Bagger lädt, geht er zu Giulia. "Sie ist wie eine Oma zu mir", verrät er seinen kulinarischen Geheimtipp. "Selbstgemachte Nudeln, geschmortes Fleisch im Ofenrohr, Salat, Rotwein. Das passt."

Eine kräftige Mahlzeit vor der Arbeit ist auch unbedingt notwendig. Wenn Markus mit seinem Spezialauflieger Bagger und Baumaschinen lädt, dann liegt zuerst eine gut einstündige Vorbereitung vor ihm. Denn er muss zuerst den Weg frei machen, damit er die bis zu 18 Tonnen schweren Maschinen über die beiden Auffahrrampen in den Semitieflader fahren kann, bis sie genau in die Radmulden passen.

Vorbildliche Ladungssicherung

Fährt er überbreite Bagger muss er zudem die Plane vorne verzurren, alle losen Teile und Abdeckungen sichern, danach fixiert er die Ladung mit Ketten direkt am Rahmen. "Neulich hat mich die Polizei auf der A  61 Koblenz mit so einer offenen Ladungs rausgeholt", erzählt Markus. "So eine vorbildliche Ladungsicherung hätten sie noch nicht gesehen, urteilten sie. Das hat mich natürlich sehr gefreut."

Markus stammt aus Tramin, einem gemütlichen Dorf an der Weinstraße in Südirol mit Blick auf die A  22. Seit 1995 fährt der gelernte Schlosser, der als Junge seinen Vater auf dessen internationalen Touren begleitet hat, für das Unternehmem EMT. Das hat seinen Standort in einem Gewerbegebiet zwischen Tramin und der Ausfahrt Egna-Ora. "Als ich dort anfing, besaß mein Chef Elmar Morandell vier Lkw. Heute sind es 45 Fahrzeuge für bahnfähige Auflieger und Wechselbrücken. Viele Transporte mit Produkten aus Südtirol gehen mit der Bahn nach Deutschland. In Köln haben wir eine eigene Niederlassung."

"Mein Problem ist das ewige Fernweh."

Zuerst durfte Markus den MAN-Hängerzug seines Chefs fahren. Es folgten weitere Fahrzeuge und ein Zwist, nach dem Markus erstmal für fünf Jahre internationale Kühltransporte fuhr. Bis ihn Morandell 2011 zufällig an einer Tankstelle traf und ihm ein Angebot machte, dem er nicht widerstehen konnte: einen nagelneuen Scania und in Verbindung mit dem Auflieger von Meusburger, die Aussicht auf spannende Ferntouren. Meist pendelt Markus zwischen Italien und den Niederlanden, wo er Bagger an einen Vermieter von Baugeräten liefert. Rückladungen sind dann entweder gebrauchte Tauschgeräte oder Komplettladungen mit bis zu 33 Paletten. Das ist für ihn Routine, sie sorgt dafür, dass er jedes Wochenende wieder daheim in Tramin ist. Bei seinem Disponenten Kurt Obertegger ist er aber auch der erste Ansprechpartner, wenn es darum geht, einen Freiwilligen für Sondertouren an die entlegensten Orte Europas zu finden.

"Ich lebe gerne in Tramin", sagt Markus, der mit seiner Digitalkamera alle Touren festhält. Die Fotos veröffentlicht er auf Facebook unter dem Namen "Mark Nielsson". Das "Ni(e)ls" im Künstlernamen erklärt sich durch den Lieferanten von Motorölen, der die Plane gesponsert hat. "Mein Problem ist das ewige Fernweh. Das ist schon fast schlimmer als das Heimweh. Manchmal ist es so krass, dass ich bis nach Doha am Persischen Golf durchfahren könnte."

Dissertori spricht fließend Italienisch, Deutsch, Englisch und Spanisch

Der schwarze Scania, der – ganz alte Schule – mit einer Doppel-H-Handschaltung ausgestattet ist, darf ruhig als seine zweite Heimat bezeichnet werden. Das Emblem "Super" an der Front, bei allen eingefleischten Scania-Fans sehr beliebt, ist eine Hommage an die erfolgreiche Serie der Schweden aus den 80er-Jahren. Die Kabine ist mit hellem Leder der dänischen Innenausstattungsspezialisten "In-Truck" aus Padborg ausgeschlagen. Sie treibt jeden Beifahrer schon fast freiwillig dazu, nur mit Socken das Heiligtum zu betreten.

Bis Doha ist Markus noch nicht gekommen, aber sonst gibt es zumindest in Europa kaum ein Land, das der Abenteurer, der fließend Italienisch, Deutsch, Englisch und Spanisch spricht, noch nicht mit dem Lkw bereist hat. Finnland bis an die russiche Grenze, Irland bis an die entlegene Westküste, Portugal, Rumänien, Spanien – Touren von jeweils gut zwei Wochen. Von Termindruck bleibt Markus weitgehend verschont. "Wenn ich nach Spanien darf, ist das für mich fast wie Urlaub", verrät er lachend. Von dort bringt er meist Kartonagen für die heimischen Apfelbauern mit. "Ich liebe die langen Touren. Sie erlauben mir, unterwegs, wenn ich meine Ruhezeit einlegen muss, auch noch ein wenig Land und Leute kennenzulernen sowie entlang der Route immer wieder Restaurants auszuprobieren."

Geschichten für das Dorfblatt

In bislang vier Episoden hat er seine Reisen für das Traminer Dorfblatt in Wort und Bild nacherzählt. Das macht ihn mit Sicherheit zum bekanntesten Lkw-Fahrer seiner Gemeinde. Es sind Anekdoten, wie die mit dem Polizisten in Rumänien. Obwohl er sich überall an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält, knöpfte dieser ihm, wie Markus meint, völlig unberechtigt 30 Euro Bußgeld ab. Als Gegenleistung für die "Wegelagerei" überredete er den Polizisten zu einem gemeinsamen Foto. Extra für FERNFAHRER hat die Redaktion in Tramin die bisherigen Geschichten unter diesem Link hinterlegt. "Hin und wieder fragen mich tatsächlich Leute, die mich erkannt haben, wann sie wieder etwas von mir lesen können", sagt Markus. "Das macht mich natürlich schon ein wenig stolz."

Scania R 500

Hersteller: Scania
Motorwagen: R 500 Topline (4x2) Euro 5, Baujahr 2011, 12-Gang-Doppel-H-Schaltung, Retarder, Abstands- und Spurhalteassistent, Scania Driver Support, Innenaustattung von In-Truck aus Padborg
Auflieger: auf 3 Meter verbreiterbarer, Semitieflader von Meusburger mit vier Radmulden. 3 Zwillingsachsen, die letzte lenkbar. Innenhöhe 3,2 Meter, zentrale Ladefläche 10 m, 2 Auffahrrampen, Plane gesponsert von Nils (Spezialöle)
Leergewichte: Motor­wagen: 8.255 kg; Auflieger: 10.050 kg
Zulässiges Zuggesamtgewicht: 40 t, mit Sondergenehmigung: 48 t
Gesamtlänge Zug: 16,5–20 m (mit Ausnahmegenehmigung)

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 05/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

29. März 2016
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