Alles über Trucker & Country Festival Interlaken
Interlaken 2013 47 Bilder Video Zoom

Interlaken 2013: Country-Party im Alpenland

Das Trucker & Country Festival Interlaken wird 20 Jahre alt. Musik vom Feinsten und die Vielfalt der Schweizer Truckszene sind die Bausteine eines der schönsten Feste Europas.

Interlaken 2013, eines der legendärsten Festivals feiert seinen 20-jährigen Geburtstag. Unvergleichlich ist die Stimmung auf dem Bödeli, wie das Landstück zwischen dem Thuner- und Brienzer See heißt. Auf der einen Seite die Truckmeile mit 1400 Lkw, die sich entlang der Startbahnen und Verbindungswege des ehemaligen Flugplatzes aufreihen. Auf der anderen Seite locken internationale Stars der Countrymusik Tausende in die Zelte. Doch allein die technische Raffinesse der Fahrzeuge ist schon sehenswert.

Schweizer Kracher

Man sieht den vielen Sonderaufbauten gleich die sprichwörtliche Präzision an. Dazu kommen unglaublich kreative „Bauwerke“ aus Paletten, Planen und Baumstämmen, in denen es sich prima feiern lässt. In den Gassen cruisen dazu noch unzählige sehr originelle Party-Vehikel. Das reicht von der motorisierten Bierkiste bis zum westernmäßigen Planwagen, der einem alten Auto übergestülpt wurde. Manche „Teams“ haben einfach einen Sonnenschirm samt Stühlen und Tisch per Rasenmähermotor in Schwung gebracht. Diese Eigenbauten sind inzwischen geradezu ein Markenzeichen für das Interlakener Fest. Die Mühe, die hinter diesen Konstruktionen steckt, zeigt auch die Bedeutung des Festivals für die Teilnehmer. Für die Schweizer Truck-Szene ist Interlaken das wichtigste Wochenende des Jahres.

Mit 120 Trucks fing alles an

1994 starteten Iris Huggler und Lorenz Krebs mit der Idee, ein Countryfestival mit einem Treffen Schweizer-Lkw-Chauffeure zu verbinden und schon der erste Aufschlag war ein Erfolg. 120 Trucks gab es zu bewundern und die Bellamy Brothers füllten das große Zelt. Nur ein Jahrzehnt später waren die Veranstalter mit 1400 Lkw an der Höchstgrenze. Heute gibt es jedes Jahr um die 3000 Anfragen. Keine leichte Aufgabe für die Veranstalter, hier die richtige Auswahl zu treffen. Mit dabei sind auch die Lkw-Hersteller. So hat sich Volvo von der Kreativität anstecken lassen und ein riesiges Collosseum aus Paletten gebaut, um die aktuelle Flotte zu präsentieren. Konzernschwester Renault Trucks zeigt hier erstmals nach Lyon die neuen Fernverkehrs- und Baustellen-Trucks.

MAN vermittelt seine Zugmaschinen in Form von Heiratsanzeigen: Ist Emma N. deine gesuchte Löwin? Scania freut sich über die Wahl der Schweizer Chauffeure, die Schweden bekamen am Stand der Routiers Suisse den goldenen Wimpel für den besten Truck, gefolgt von Mercedes-Benz, die Schwaben locken hier mit Antos und Arocs und einem veredelten Actros. Iveco zeigt neben einem prächtigen Hauber und fünfachsigen Trakkern auch ein Dakar-Fahrzeug. Am DAF-Stand kann sich das Publikum unter den hochgehievten neuen XF stellen und bei Nacht die LED-Scheinwerfer begutachten.

Große Emotionen am Lenkrad

Spektakulär ist immer die Ankunft der Fahrzeuge am Freitagnachmittag. Schon viele Kilometer vor Interlaken sind die Autobahnbrücken gut besetzt mit winkenden Menschen. Eine schöne Geste für die Chauffeure. Auch Martin Müller aus Belp stand als neunjähriger Knirps mit seinem Götti (Onkel) dort und dachte sich schon damals: „Das möchte ich auch einmal machen“. Und dieses Jahr hat er seinen Kindheitstraum wahrgemacht. Erst vor einem guten Jahr hat der heute 26-jährige die Lw-Prüfung abgelegt und begann mit einem alten Saurer D5. „Ich brauche einfach den Dieseldunst zum Leben“. Das merkte auch seine neue Chefin von der Spedition Loosli aus Belp, die ihn vor zwei Wochen einstellte und dann gleich mit einem Volvo FH zum Festival schickte. „Ich fühlte mich wie ein Goldmedaillengewinner bei Olympia“, sagt Martin. Als er zum Tor hineinfuhr flossen tatsächlich die Tränen, gibt er zu.

Erlebnis Technik – 100 Jahre alter Saurer

Hillholder, eine Erfindung der Neuzeit? Pustekuchen, das gab es schon am Saurer-10-Tonner von 1913. Das Brauereifahrzeug des Cardinal-Museeums in Fribourg rammte vor 100 Jahren einfach einen Stachel in den Boden. Dann konnte der Fahrer Handgas, Rupfkupplung und das kniffelige Vierganggetriebe in Ruhe in Einklang bringen, bis der 30 PS-Benziner die Fuhre in Fahrt brachte. Selbst die originalen Vollgummireifen trägt der Hingucker noch auf seinen Holzfelgen. Auf dem Weg zur Musikarena begegnen den Besucher noch viele weitere Highlights der Truckszene, die den Fans selbst der am Samstag heftige Regen nicht vermiesen konnte. Auf dem Weg fasziniert der aus Holzbohlen gebaute Wohnauflieger von Peter Niedergesäß.

Auf dem Steinboden des Car-Ports im Heck hat der bekannte Rallye-Pilot einen bärenstark hergerichteten Porsche-Diesel-Traktor geparkt. Airbrush und superbreite Reifen machen den einstigen Ackergaul zu einem echten Unikat. Als Zugmaschine dient ein edler Scania-Hauber. Der komplett airbrushlackierte 420er hat Highpipes im Format Ofenrohr, der Innenraum glänzt in goldbraunem Lack, der Holzfußboden wird in der Mitte durch ein eine polierte Granitplatte ergänzt und anstatt Bett gibt es eine zweite Sitzreihe – natürlich in Alcantara, wie der Rest der Innenausstattung.

Drive-Your-Dream-Tour 2013

Gegenüber des Blockbohlen-Trucks haben sich weitere rollenden Airbrush-Kunstwerke versammelt, die bei den Fans oft als Herpa-Trucks bezeichnet werden, denn die famosen Fahrzeuge gibt es allesamt auch hochdetailliert im Maßstab 1:87. Bekannt sind die Silozüge der Spedition Melmer. Auch Giovannis V8-Hauber ist – „klarer Fall“ – mit von der Party. Zur Drive-Your-Dream-Tour gehören aber auch der Renault-Magnum der V-top-Initiative und die beiden US-Trucks von American Truck Promotion. Der International Lone Star und der Peterbilt 379 sind sicher auf hunderten von Handys und Fotoapparaten gelandet. Zu den Klängen der FERNFAHRER-Hausband Sawyer wirbt V-top-Mann Pascal Wiesner für mehr Miteinander auf der Straße.

Das Motto der Imagekampagne, mit vorbildlichem Verhalten voranzugehen, kommt bei den Schweizer Chauffeuren sehr gut an. Ebenso an der FERNFAHRER-Bühne anzutreffen ist Rainer Bernickel, der keine Gelegenheit auslässt, das DocStop-System der ärztlichen Unterwegsversorgung für Lkw-Fahrer auch international voran zu treiben. So ist das 20-jährige Jubiläum des Festivals in Interlaken auch eine gelungene Geburtstagsparty für den FERNFAHRER, der dieses Jahr seinen Dreißigsten feiert und dessen Geschichte sogar Schweizer Wurzeln hat.

Andreas Techel, Chefredakteur

Autor

Foto

Alev Sahan

Datum

2. Juli 2013
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