Sprinter 313 CDI Start Stop Zoom
Foto: Thomas Küppers

Intelligenter Fahrtenschreiber ab 2019

Besser vor Manipulationen geschützt

Mehr Transparenz in puncto Lenk- und Ruhezeit soll der intelligente Fahrtenschreiber bringen, der ab Juni 2019 für alle Neufahrzeuge Pflicht wird.

"Das ist ein großer technologischer Fortschritt für alle", sagte Jürgen Daucher, Leitung Werksbeauftragter vom Hersteller Continental Automotive, auf einer Veranstaltung der IHK Region Stuttgart mit dem Titel  "Lenk- und Ruhezeiten auf dem Prüfstand". ollege Winfried Rogenz, Leiter der Homologation, klärte über die neuen Funktionen auf (siehe Kasten).

Wer gedacht hat, dass mit der neuen Gerätegeneration eine lückenlose Überwachung möglich ist, ist allerdings auf dem Holzweg: So ist etwa das Auslesen personenbezogener Daten über eine IST-Schnittstelle nur erlaubt, wenn der Fahrer zuvor seine Zustimmung gegeben hat. Zwar gibt es eine automatische Standortbestimmung zu Anfang und Beginn der Arbeitszeit, weitere Standortdaten dürfen aber nur vorübergehend gespeichert werden und dürfen auch für keinen Nutzer zugänglich sein – es sei denn, auch hier hat der Fahrer zugestimmt.

Datenschutz steht im Vordergrund


Datenschutz ist auch bei der neuen Funktion Fernkommunikation wichtig – Lenk- und Ruhezeiten werden hier nicht übertragen. Stattdessen können die Beamten bei Straßenkontrollen feststellen, ob der Fahrer etwa gerade ohne gültige Karte unterwegs ist oder die Karte erst während des Lenkens einsteckt oder ob die Stromversorgung länger unterbrochen war – alles Hinweis für eine mögliche Manipulation.

"Auch auf die Werkstätten kommen Anpassungen zu", sagte Daucher. Ein europaweiter Mindeststandard schreibt künftig alle zwei Jahre (bisher: drei) ein Audit vor der Betriebe vor, bei mindestens zehn Prozent unangekündigt. Und: Werkstätten, die eigene Fahrzeug kontrollieren, müssen sogar jährlich geprüft werden. Auch die Plombierung, ebenfalls Aufgabe der Werkstätten, wird laut den Experten von Continental besser geregelt. Neu ist die Funktion GNNS, die auch vom Werkstattpersonal geprüft werden muss. Ob dazu auch das Überprüfen der Positionsdaten gehört, ist laut Daucher aber noch strittig.

Kein Gerät ist manipulationssicher


In Sekundenschnelle ist der Magnet am Sensor angebracht. Der Fahrer steigt ein, gibt Gas und der Lkw nimmt Fahrt auf. Doch ein Blick auf die Anzeige macht deutlich: das Kontrollgerät, das eigentlich die Lenk- und Ruhezeiten aufzeichnen sollte, ist lahmgelegt.
"Die Verordnung der EU-Kommission schreibt zwar vor, dass alle Komponenten des Kontrollgeräts manipulationssicher sein müssen. Aber ein solches Gerät gibt es auf dem Markt nicht", sagte Sven Kilian, Polizeihauptkommissar und stellvertretender Leiter des Schwerlastkontrolltrupps Koblenz. Er berichtete in Stuttgart von Lkw mit illegalen Schaltern, von manipulierten Sensoren und Zweitsensoren, die eine wahrheitsgemäße Auszeichnung unterdrücken.

"Die Manipulationen, die wir bei unseren Kontrollen inzwischen entdecken, sind hohe Ingenieurskunst", sagte Kilian. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Fahrer ohne eine technische Ausbildung so etwas alleine hinbekommt."
Doch die Fahrer haben ihre eigenen Tricks, um länger auf der Straße unterwegs sein zu können. Entdecken Kontrolleure allerdings eine Manipulation, können die in den Buß- und Verwarnungskatalogen zum Fahrpersonal festgelegten Strafgelder die Betroffenen empfindlich treffen. 250 Euro kostet das Fahren ohne Fahrerkarte je 24-Stunden-Zeitraum.
Das Fahren auf eine fremde Fahrerkarte ist keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat, die ähnlich der Urkundenfälschung geahndet wird. Hier ist eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe die Folge. Richtig teuer wird es, wenn ein Fahrer mit einem Magnet oder einer sonstigen technischen Einbau erwischt wird. Hier zahlt der Fahrer 5.000 Euro, Unternehmen müssen mit 15.000 Euro rechnen.

Um die Manipulationsversuche einzudämmen und einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, hat der Rat der Europäischen Union mit der VO (EU) Nr. 165/2014 die Einführung des smarten Kontrollgerätes zur Überwachung der Sozialvorschriften im gewerblichen Straßenverkehr beschlossen. "Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Kontrollgeräte zu einer Eindämmung von Manipulationen führen und die Strafen auf Dauer eine abschreckende Wirkung erzielen", resümiert Kilian. Schließlich führten Manipulationen nicht nur zu einer Gefährdung der Fahrer, sondern aller Verkehrsteilnehmer.

Mehr zu der Veranstaltung der IHK Region Stuttgart zum Thema Fahrpersonalrecht lesen Sie hier

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Datum

11. Januar 2017
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