Wabco-Technikchef Dr. Wiehen Zoom

Christian Wiehen im Gespräch: Partnerwahl

Intelligente Verbraucher und Aerodynamik – Wabco hat laut Technikchef Dr. Christian Wiehen ­Lösungen parat.

?: Intelligente Nebenverbraucher sind en vogue. Welche entsprechenden Systeme halten Sie vor?

Wiehen: Den Druckluft-Kompressor: Es gibt ihn vollelektrisch angetrieben für Elektro- und Hybridfahrzeuge sowie mit Lamellenkupplung. Der Antrieb wird Ende des Jahres bei zwei nordeuropäischen Herstellern in Serie gehen. Er lässt sich bedarfsgerecht steuern und wird die Schleppverluste eliminieren. Das spart bei 150.000 Kilometer Fahrleistung um die 1.000 Liter Diesel pro Jahr und Fahrzeug.

?: Wie aufwendig ist dessen Integration ins Gesamtsystem Lkw?

Wiehen: Mit der bedarfsgerechten Steuerung kann man die Leistung gegenüber dem Maximal-Auslegungsfall reduzieren. Die Lenkhilfpumpe ist ein gutes Beispiel. Sie läuft derzeit mit konstanter Übersetzung mit und fördert Öl im Kreis – bloß für den Fall, dass mal ein bisschen gelenkt wird. Die Unterstützungswirkung muss für die geringste Drehzahl ausgelegt sein, also für Leerlaufdrehzahl. Bei der zwei- bis dreifachen Optimaldrehzahl arbeitet das System nicht mehr effizient. Hier ergibt es Sinn, bedarfsgerecht zu steuern. Eine elektrische Lenkkraftunterstützung wird es aufgrund der nötigen hohen Kräfte aber nicht geben. Im Lkw wird die hydraulische Lenkkraftunterstützung weiter bestehen.

?: Gibt es eine sinnvolle Lösung?

Wiehen: Es mag elektronische und elektromechanisch-angetriebene Zusatzfunktionen geben wie eine Drehmoment- und Winkelüberlagerung, sodass sich damit Fahrerassistenzfunktionen darstellen lassen. Möglicherweise kann man dann bei schneller Autobahnfahrt vorzugsweise elektromechanisch fahren und die hydraulische Pumpe abschalten. Es wird aber spannend sein, die Übergänge von einem aufs andere System zu regeln.

?: Sie haben Ephicas von der Uni Delft gekauft und bieten damit Seitenverkleidungen für Trailer an, warum?

Wiehen: Wir haben den Markt abgesucht nach Technologien, die in unser zweigeteiltes Portfolio – Sicherheit und Kraftstoffeffizienz – passen. Wir haben untersucht, wo die größten Fahrwiderstände auftreten und wo die meiste Energie aufgewendet wird, um diese zu überwinden. Dazu gehört auch die Wärme, die übers Abgas verloren oder ins Kühlsystem geht. Hinzu kommen der Luft- und der Rollwiderstand. Dabei sind wir auf das Team der Uni Delft gestoßen. Am Anhänger ist das größte Potenzial vorhanden, um den Luftwiderstand zu verringern. Hier müssen wir auch über die Längenmaße diskutieren, die sich unter Umständen bald verändern. Dann werden Boattail oder Leitspoiler interessant.

?: Die Vorteile unbenommen, aber in der Praxis weisen solche Systeme auch Nachteile auf – etwa bei der Beladung und durch die Schadenanfälligkeit.

Wiehen: Beim Heckspoiler ist eine Lösung erforderlich, sodass er sich beim Andocken an die Rampe spurlos wegklappen lässt. Am besten mit dem Öffnen der Tür zusammen, damit keine zusätzlichen Handgriffe nötig sind. Da werden die geschickteste Kinematik und die robusteste Mechanik sich durchsetzen. Hier haben wir eine Lösung in petto, die bald präsentiert wird. Das System werden wir auf der nächsten IAA zeigen. Aber ich gehe davon aus, dass wir es schon vorher in den Markt bringen.

?: Aber zuerst sind eben Zugaben bei der Länge nötig.

Wiehen: Wir rechnen damit, dass spätestens Ende des Jahres eine entsprechende Neuregelung kommt. Zulässig sind übrigens nur verbrauchsreduzierende Maßnahmen.

?: Wie viel ist für einen großen Effekt nötig?

Wiehen: Mit 50 Zentimetern bekommen Sie den wesentlichen Effekt.

?: Ein weiteres, bereits genanntes Stichwort ist die Rückgewinnung von Wärme aus dem Abgas, was werden Sie hier vorstellen?

Wiehen: Wir verfolgen zwei Konzepte. Weiteres will ich aber nicht verraten.

?: Was klingt für Sie charmanter: Wandlung in elektrische oder mechanische Energie?

Wiehen: Elektrik wird mit weniger Bauraum und Gewichtsbelastung verbunden sein. Wenn man einen intelligenten Weg findet, diese zusätzliche Leistung auch ins Bordnetz einzuspeisen und sinnvoll zu nutzen, dann ist das der elegan-tere Weg.

?: Dampfkolbenexpansionsmaschine oder Turbinenexpander?

Wiehen: Wir haben langjährige Erfahrungen mit Kolbentriebwerken und würden das bevorzugen.

Thomas Rosenberger lastauto omnibus Chefredakteur

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

5. Februar 2013
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