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Insolvenz: Speditionen in Seenot

Nicht jede Spedition hat die Krise gut verdaut. Manch ein Unternehmen wird nunvon den in der Vergangenheit angehäuften Schulden eingeholt. Die Spedition Bruns steht vor dem Aus, bei den Unternehmen Breger und Peisker stehen die Chancen für eine Sanierung gut.

In finanziellen Schwierigkeiten stecken nicht nur Griechenland, Portugal oder Spanien. Defizite gibt es derzeit auch in den Kassen vieler Speditionen, wie einige Beispiele belegen. Mithilfe des Insolvenzverwalters arbeiten sie fieberhaft an Lösungen, um ihre persönliche Euro-Krise zu bewältigen. Auslöser der Misere ist meist nicht die derzeitige Auftragslage. Vielmehr sind es Ereignisse aus der Vergangenheit, welche die Speditionen einholen.

Bei Spedition Bruns gehen die Lichter aus

Ein drastisches Beispiel dafür ist die Spedition Bruns aus Stadthagen (Kreis Schaumburg) in Niedersachsen. Bis Monatsende gehen bei dem Unternehmen, das zuletzt 41 Mitarbeiter beschäftigte, die Lichter aus. Die Spedition hatte im Oktober Insolvenz beantragt. Die Auflösung sei nicht in seinem Sinne, sagt Insolvenzverwalter Stephan Höltershinken von der Kanzlei Höltershinken und Kollegen aus Minden. Sie sei aber nicht zu vermeiden gewesen.

Es habe erhebliche Verbindlichkeiten aus der Vergangenheit gegeben, die das Unternehmen stark belastet hätten. Die Spedition war in hohem Maße von der Automobilbranche abhängig. Es sei aufgrund der drückenden Schulden nicht gelungen, sich neue Kunden oder Segmente zu erschließen.

Zwei mögliche Investoren aus Polen waren kurzfristig abgesprungen. Der erste habe nicht einmal Gründe genannt, der zweite habe sich wegen der Finanzierungsgespräche einen weiteren Aufschub erbeten. "In den sechs bis acht Wochen hätte Bruns weiter Verluste gemacht", sagt der Insolvenzverwalter. Das habe er nicht verantworten können. 2009 und 2010 hätten die ­Gesellschafter noch in erheblichem Umfang Vermögen in das Unternehmen gesteckt. "Zum rettenden Ufer hat es trotzdem nicht gereicht."

Mitarbeiter bekommen schnell neue Jobs

Das Ende der Spedition bedeute für die Region aber keinen großen Flurschaden, sagt der Insolvenzverwalter. 32 Mitarbeiter hätten schon wieder neue Jobs. "Lkw-Fahrer und Dispo­nenten werden ja überall gesucht." Geschäftsführerin Anna Bruns sagte den Schaumburger Nachrichten, sie werde der Transportbranche erhalten bleiben.

Erhalten bleibt aller Voraussicht nach auch die auf Volumentransporte spezialisierte Spedition Peisker aus Waldbröl (Oberbergischer Kreis) in Nordrhein-Westfalen. Sie hatte Mitte Januar Insolvenz angemeldet. "Seitdem haben wir den Betrieb vollumfänglich fortgeführt", sagt Rechtsanwalt Dr. Mike Westkamp, Mitarbeiter von Insolvenzverwalter Dr. Jörg Bornheimer aus Köln. Die laufenden Kosten seien gedeckt. "Die Abwicklung läuft bislang ohne Komplikationen und die Kunden sind dem Unternehmen treu geblieben", erklärt Westkamp.

Mit Spannung blickt er den nächsten zwei Wochen entgegen. Dann habe man möglicherweise schon einen Investor für das Unternehmen gefunden. Mit zweien ist die Kanzlei in Kontakt. Dabei han­dele es sich um Speditionen, die auch in der Region zu Hause seien. Peisker beschäftigt 75 Mitarbeiter und setzt rund 40 eigene Lkw ein. Neben Waldbröl, wo die Spedition eine Logistikhalle mit 10.000 Quadratmetern betreibt, unterhält das Unternehmen Niederlassungen in Berlin und in Ransbach-Baumbach (Kreis Westerwald). Stärkste Branchen für das Unternehmen sind die Automobil- und die Bauindustrie.

Externen Berater helfen bei Sanierung

Wie Bruns sind auch Peisker Verluste in der Vergangenheit zum Verhängnis geworden. Hinzu kämen hausgemachte Probleme, sagt Anwalt Westkamp. Die Spedition habe die Schieflage aber erkannt und mithilfe von externen Beratern versucht, eine Sanierung in die Wege zu leiten – einige der Maßnahmen seien bereits erfolgreich umgesetzt worden. Die etwas abgeschiedene Lage des Betriebs sei weniger das Problem, heißt es. Es gebe auch im Oberbergischen Kreis Großkunden. Die ländliche Gegend habe auch ihre Vorteile – etwa ein insgesamt niedrigeres Kostenniveau.

Zuversicht herrscht ebenso bei den Mitarbeitern der insolventen Spedition Breger aus Viersen in Nordrhein-Westfalen. "Wir sind positiv gestimmt, das Unternehmen steht gut da", betont Markus Cichy von der Anwaltskanzlei Metzeler/von der Fecht aus Düsseldorf. Es sei gelungen, den Gebietsspediteursvertrag mit VW Ende Juli im Einvernehmen mit dem Kunden aufzuheben.

Breger scheiterte am VW-Deal

Ein solcher Vertrag sei für Speditionen attraktiv – sofern man das damit verbundene Geschäft in den Betrieb integrieren könne. Bei Breger war das nicht gelungen. "Er wirkte erdrückend und andere Kunden haben darunter gelitten, weil auch die Disposition der Fahrzeuge nicht mehr so rund lief", sagt Cichy. Der Vertrag umfasste die komplette Beschaffungslogistik aus dem Westen Frankreichs für alle deutschen VW-Werke sowie für die Produktion in Bratislava. Die Trennung von diesen Aktivitäten wirke befreiend, heißt es aus dem Büro des vorläufigen Insolvenzverwalters. "Die anderen Kunden sind erleichtert und stehen zum Unternehmen", sagt er. Teils hätten sie ihr Engagement auch ausgebaut.

Des einen Freud, des anderen Leid: Da mit dem Ende der VW-Aktivitäten auch die Hälfte des Umsatzes wegbrach, reduzierte die Firma analog die Belegschaft und die eigene Flotte. Die Zahl der Mitarbeiter sank um die Hälfte auf rund 50, die Flotte in gleichem Maß auf 26 ziehende und doppelt so viele gezogene Einheiten. Sanierer ­Cichy ist zuversichtlich, dass die Ausrichtung auf Frankreich-Verkehre Zukunft hat – auch im Zusammenspiel mit der französischen Muttergesellschaft. Viele Speditionen täten sich im Frankreich-Geschäft schwer, sei es ­wegen der Sprache oder fehlender Rückladungen. Auch Frankreich selbst steht noch gut da, im Gegensatz zu den Krisenländern Griechenland, Portugal oder Spanien.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Datum

22. August 2012
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