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Hofhund: Schneller Helfer

Mit dem T 225 D liefert Mafi eine außergewöhnliche Zugmaschine mit ganz speziellen Fähigkeiten.

Wenn im Transportgewerbe von einem Hofhund die Rede ist, dann hat das in den seltensten Fällen mit einem Vierbeiner zu tun. In aller Regel handelt es sich beim Hofhund um eine ausrangierte Sattelzugmaschine, die sämtliche Rangieraufgaben auf dem Gelände übernimmt – also Auflieger und Anhänger an die Rampe stellt und nach dem Be- oder Entladen von der Rampe wegzieht.

Einen solchen Hofhund hatte einst auch Harald Fakner im Einsatz. Mit einem Schmunzeln erzählt der 37-Jährige aus jener Zeit, als eine ­alte Mercedes-Zugmaschine bei ihm den Hofhund gab. Das freilich ist längst vorbei und passt nicht mehr zum enormen Rangierpensum auf dem riesigen Gelände des Logistikzentrums der LGI Logistics Group International in Hünxe.

Als Leiter dieses LGI-Standorts ist Fakner heute für die europaweite Logistik eines amerikanischen Elektronikkonzerns zuständig. Sein Reich besteht aus 65.000 Quadratmeter Fläche, 85 Rampen und 180 Trailerstellplätzen. 60 bis 65, in der Spitze auch 100 High-Cube-Container rollen täglich auf den Hof. Bis zu 160 Auflieger verlassen Hünxe täglich in alle Himmelsrichtungen. Dass weniger ankommt als weggeht, liegt daran, dass die eingehenden Container bis unters Dach gepackt sind. Da innerhalb Europas überwiegend Paletten in den Versand gehen, ergibt sich auf der Ausgangsseite deutlich mehr Volumen. Weil darüber hinaus nicht alle Container und Auflieger gleichzeitig be- oder entladen werden können und die Zugmaschinen der Spediteure keine Wartezeit haben sollen, gibt es in Hünxe die erwähnten Stellplätze auf dem Trailer Yard.

Mafi T 225 D - die moderne Interpretation des Hofhunds

Genau hier kommt die Sattelzugmaschine T 225 D von Mafi ins Spiel – eine äußerst moderne und effektive Interpretation des alten Hofhunds. Mit einer üblichen Sattelzugmaschine im Fernverkehr hat sie außer dem Radstand und – vielleicht – der Reifengröße nicht viel gemein. Das Fahrerhaus fällt deutlich kompakter aus, als Motorleistung gibt es nicht einmal die Hälfte des Üblichen und die Einrichtung scheint spartanisch. Auch in Sachen Endgeschwindigkeit setzt die Maschine andere Prioritäten. Rund 40 km/h sind maximal möglich. Eines aber kann die T 225 D besser, schneller und eleganter als jede andere Zugmaschine: aufsatteln, kurze Strecken transportieren, absatteln. Denn genau dafür ist sie maßgeschneidert.

Eine wichtige Rolle bei diesem Tun spielt die hydraulisch liftbare Sattelkupplung mit zwei Hubzylindern und – im Fall T 225 D – mit 500 Millimeter Hubhöhe. Die niedrigste Position liegt mit Bereifung 295/60 R 22,5 bei 990, bei abgesenkter hinterer Zweibalg-Luftfederung bei 960 Millimetern. Aufgleitkeile in Höhe von 830 Millimetern helfen in den wenigen Fällen, in denen auch die tiefste Stellung nicht reicht.

Aufsatteln im Zeitraffer

Das Aufsatteln funktioniert folglich wie im Zeitraffer: Unterstützt von einer wirklich guten Rundumsicht, einer üppigen Bespiegelung und einer äußerst leichtgängigen Lenkung lässt sich die Zugmaschine einfach, schnell und treffsicher unter den Auflieger rangieren. Dann folgen ein kurzer Griff zum Joystick neben dem Fahrersitz zum Anheben der Sattelkupplung und zwei, drei bequeme Schritte auf die Rahmenabdeckung hinter dem Fahrerhaus, um – zumindest – die Vorratsleitung anzuschließen. Selbst leere Druckluftbehälter des Aufliegers sind dank eines riesigen Luftvorrats der Zugmaschinen ruckzuck gefüllt. Zwei Kontrollleuchten signalisieren, dass die Sattelkupplung geschlossen ist. Und schon ist der Auflieger unterwegs zur Rampe. Die Stützen bleiben ausgefahren.

Die anschließende kurze Fahrt zur Rampe erledigt der T 225 D trotz geringer Motorleistung äußerst vehement. Kein Wunder, wenn die Achsübersetzung 12,73 zu 1 beträgt, was das maxi­male Tempo zwar auf 40 km/h begrenzt, aber für enorme Zugkräfte sorgt. Damit reichen dann auch die knapp 200 PS des 5,1 Liter großen Volvo-Penta-Vierzylinders, um bis zu 40 Tonnen zügig zu bewegen. Zumal zwischen Motor und Antriebsachse ein neues ZF-Getriebe sehr gekonnt seine Arbeit verrichtet. Es heißt 5WG 191, wurde ursprünglich für Baumaschinen entwickelt, verfügt über fünf Vorwärts- und drei Rückwärtsgänge. Es zählt zur Gattung der Lastschaltgetriebe. Hinzu kommt ein Drehmomentwandler samt Wandlerüberbrückung bereits ab dem zweiten Gang.

Typisch für ein solches Getriebe ist auch die praktische Kriechfunktion bei eingelegtem Gang und Leerlaufdrehzahl. Damit lässt sich die Fuhre quasi im Schneckentempo millimeter­genau rangieren. Weil der Wandler ziemlich steif ­ausgelegt ist, bedarf es eines beherzten Tritts auf das große Bremspedal, um den Vorwärts- oder Rückwärtsdrang zu stoppen. Von Hand geschaltet wird in der Praxis gar nicht – eigentlich nur, um die Fahrtrichtung per linkem Lenksäulenhebel zu ändern. Den Rest erledigt das Getriebe allein, schaltet schon fast sportlich durch die Gänge, ohne die Wandlerüberbrückung zu deaktivieren. Der größte Gang liegt ab etwa 30 km/h an, nur wenige Sekunden später ist Vmax erreicht.

Große Hilfe, kleiner Durst

Klarer Fall, dass bei einem solchen Einsatz der Verbrauch ein Thema ist. Je nach Einsatz, so Mafi-Verkaufsleiter Mathias Brand, sind es auch dank der ZF-Wandlerüberbrückungskupplung nur 4,5 bis 6,0 Liter pro Stunde, die sich bei
1.500 Stunden (LGI-Durchschnitt in Hünxe) pro Jahr auf bis zu 9.000 Liter addieren. Für den T 225 D offeriert Mafi verschiedene Tier-4-Vierzylindermotoren (das Baumaschinen-Pendant zu Euro 6) von Volvo, die mit Blick auf den Verbrauch jedenfalls eine gute Lösung sind.

An der Rampe angekommen, geschieht das Absatteln genauso schnell wie das Aufsatteln zuvor. Sattelkupplung absenken, bis die Stützen auf dem Boden stehen, Sattelkupplung entriegeln, Vorratsleitung abnehmen – und Abfahrt. Vom Ankommen bis zum Abfahren vergehen bei Könnern nur wenige Sekunden.

Fahrkomfort ist sogar auch vorhanden: Parabelfedern vorne, Luftfederung hinten, ein gleichfalls luftgefederter Fahrersitz und manierlich gedämmte Innengeräusche garantieren, dass auch stundenlanges Auf- und Absatteln weder den Rücken noch die Ohren über Gebühr strapazieren. Die Menge der Schalter und Instrumente reduziert sich auf das Notwendige, die Lenkung hat jenen praktischen Drehknauf, den sich viele Lkw-Fahrer auch gerne aufs Lenkrad schrauben, aber eigentlich nicht dürfen. Bei sechs Um­drehungen von Anschlag zu Anschlag ist der Drehknauf hier freilich eine Notwendigkeit, der das millimetergenaue Rangieren bei niedrigsten Geschwindigkeiten enorm erleichtert.

Großer Bruder T 230

Der T 225 D mit 25 Tonnen Hublast ist das kleinste Gerät im Programm von Mafi, setzt aber teilweise auf Komponenten der größeren Terminal-Zugmaschinen. Die nächstgrößere und weitgehend blaugleiche Variante heißt T 230 (32 Tonnen Hublast). Der große Unterschied: Der Kleine hat den größeren Radstand (3.500 statt 3.000 Millimeter). Damit lassen sich dann auch Kühlauflieger problemlos umsetzen, die auf ­osteuropäischen Relationen gerne für hochwertige Güter eingesetzt werden. Robust gebaut sind die ­Terminal-Zugmaschinen allemal. Die Achsen – vorne von Sisu, hinten von Kessler – tragen ­einen stabilen Rahmen. Die Antriebskomponenten zählen durchweg zur Gattung „Industrie­anwendung“ und sind entsprechend robust ­auslegt.

Sowohl Mafi als auch die Kunden bescheinigen der Zugmaschine, dass sie das Umsetzen von Aufliegern um den Faktor 5 beschleunigt. Die eigenen Erfahrungen belegen, dass dies eher noch untertrieben ist.

Autor

Foto

Frank Zeitzen

Datum

13. August 2015
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