Entstehung eines Supertrucks 23 Bilder Zoom

Heimwerker: Entstehung eines Supertrucks

Sich einen eigenen Supertruck selbst aufbauen – das wollten die jungen Finnen Tiina Karhula und Jani Palin. Das Ergebnis ist echt „monströs“. 

Jani Palin aus dem finnischen Örtchen Rajamäki ist alleinfahrender Unternehmer. Im Sommer 2011 wollte er sich einen neuen fahrbaren Untersatz gönnen. Mit den Planungen dafür begann er schon 2009 – schließlich sollte der Truck etwas ganz Besonderes werden. Dass dieser Plan in vollem Umfang geglückt ist, zeigt das Resultat: ein Scania, wie ihn Finnlands Straßen noch nie zu Gesicht bekommen haben.

Dazwischen lagen weit über 2.000 Arbeitsstunden, eine gehörige Portion Fleiß, Schweiß und Enthusiasmus. Aber auch eine Vielzahl von Rückschlägen und Situationen, in denen Janis Lebensgefährtin Tiina und er kurz vorm Ausflippen waren.

„Nachdem wir endlich fertig waren, schworen wir uns: Nie mehr wieder! Das sagt schon sehr viel darüber aus, wie es uns manchmal ergangen ist“, kommentiert Jani sein Do-it-yourself-Projekt. Die beiden wollten an ihrem neuen Fahrzeug nämlich so viel wie möglich alleine machen – und hier ist nicht die Rede von ein paar ausgesägten und mit Leder überzogenen Sperrholzplatten für den Innenraum.

Ähnliche Konstruktionen gibt es bei der 500 PS starken Sattelzugmaschine zwar auch, angesichts des Gesamtaufwands sind solche Arbeiten aber quasi vernachlässigbar. 2010 nahmen die Pläne von Tiina und Jani langsam Konturen an. In den Sommermonaten folgten schließlich die ersten Basteleien.

Der Sensemann als Krönung des Schaffens

Alle Arbeitsschritte in ihren Einzelheiten zu beschreiben ist schier unmöglich. Dass die ganzen Tätigkeiten in ihrem Umfang schlecht einzuschätzen waren, wurde dem Pärchen auch beinahe zum Verhängnis.

Die seitlichen Windleitbleche, die Sonnenblende, die Seitenverkleidungen und die geschwungene Heckpartie sind komplette Neuanfertigungen aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Selbst die beiden Hauptscheinwerfer bekamen aus diesem Werkstoff den „bösen Blick“ verpasst.

Die Krönung des kunstvollen Schaffens ist jedoch der Sensenmann hinter dem Fahrerhaus, der sein Werkzeug beiseitegelegt hat und jetzt die für den Auflieger bestimmten Kabel und Schläuche hält. Der Schädel stammt aus der Dekoabteilung eines Möbelhauses. Jani musste ihm allerdings den Hinterkopf absägen, da er nur die Vorderpartie gebrauchen konnte.

Anfangs produzierte Jani nur Teile für den Mülleimer

Final sieht der Scania äußerst zerknautscht und zerfleddert aus. Eben so, als wäre er seit geraumer Zeit die Behausung zahlreicher Monster. Mit den eigens angefertigten Zubehörteilen wollten Tiina und Jani dem Scania ein komplett neues Design geben: wild, verwahrlost und konfus.

Die Arbeit mit glasfaserverstärkten Kunststoffen hatte sich Jani von einem Kumpel, einem Spezialisten auf diesem Gebiet, beibringen lassen. Anfangs produzierte er allerdings nur Teile für den Mülleimer. „Aber irgendwann begann es dann zu funktionieren“, erzählt er strahlend.

Zuerst war viel Pinseln, dann viel Spachteln und Schleifen angesagt. Spachteln und Schleifen. Spachteln und Schleifen. Immer schön abwechselnd. Diese Arbeitsschritte erwiesen sich als echte Zeitfresser und drückten ab und an auch mal aufs Bastlergemüt. Tiina zeigte sich hier allerdings äußerst ausdauernd und resistent. Kein Schleifpapier, welches sie nicht durchgeputzt hätte.

Ab Weihnachten 2010 ging es ans Eingemachte

Parallel dazu werkelte Jani an den Schränken für den Innenraum und an den stählernen Elementen, wie dem Rammschutz für die Front und der Lichterleiste für das Dach. Der Witz an der Sache: Tiina und Jani arbeiteten Wochenende für Wochenende an Zubehörteilen für einen Truck, der noch gar nicht existierte. Der Scania war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal vom Band gelaufen.

Da Jani und Tiina viel Vorlaufzeit benötigten und es sich nicht leisten konnten, den neuen Truck monatelang rumstehen zu lassen, musste zum Maßnehmen und Anpassen deswegen öfter der Scania eines Freundes herhalten. Ab Weihnachten 2010 ging es dann ans Eingemachte. Von Dezember bis zur Fertigstellung des Trucks im Juli 2011 hatten die beiden kein freies Wochenende mehr.  Alles drehte sich nur noch um den neuen Scania, der im Frühjahr auf den Hof rollte.

Erst jetzt konnten sie alle Teile korrekt anpassen und montieren. Die riesige und eigentlich aus einem „Guss“ bestehende Heckpartie wurde, genau wie die Seitenverkleidung an der Beifahrerseite, mit einer Liftfunktion versehen. Diese Hebelkonstruktionen gewährleisten hinten den Zugang zum Batteriekasten und seitlich den leichten Zugriff auf die Staubox.

Jani's Ausspruch "Nie wieder!"

Mit dem eigentlichen Innenausbau konnte Jani ebenfalls erst beginnen, als der Truck vor Ort war. Das war dann der Zeitpunkt, an dem er auch noch zur Airbrushpistole griff. Denn sämtliche lackiertechnischen Arbeiten in der düster und ungemütlich wirkenden Scania-Hütte stammen ausnahmslos von ihm. Überflüssig zu erwähnen, dass auch im Innenraum fast kein Bauteil existiert, welches nicht überarbeitet ist.

Um die Außenlackierung kümmerte sich derweil der Airbrushkünstler Perttu Papunen aus Parkano. Ganze vier Wochen lackierte er an der Sattelzugmaschine und verschaffte ihr mittels diverser Horrorgestalten einen gruseligen „Anstrich“.

Im Juli 2011 brachten Tiina und Jani die Arbeiten an ihrem außergewöhnlichen Truck letztendlich zum Abschluss. Aber ganz so ernst hat es Jani mit seinem Ausspruch „Nie wieder!“ auch nicht gemeint. Mittlerweile fertigen er und Tiina nämlich ähnliche Fahrzeugteile für befreundete Fernfahrerkollegen an.

In der Print-Ausgabe von „FERNFAHRER Supertrucks 2012“ gibt es noch viel mehr heiße Lkw zu sehen. Das Sonderheft könnt ihr in unserem Online-Shop bestellen .

Autor

Foto

Otto Miedl

Datum

26. April 2013
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