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György Waberer im Interview: Gute Leistung ist willkommen

Wachstum und kein Ende in Sicht – das ungarische Unternehmen Waberer’s hat inzwischen mehr als 3.000 Lkw. Und Unternehmer György Wáberer hat noch nicht genug.

Es war einer der größten veröffentlichten Deals auf der diesjährigen IAA in Hannover. 1.000 Fahrzeuge kauft das ungarische Transportunternehmen Waberer’s von dem niederländischen Fahrzeughersteller DAF. Im ­Gespräch mit trans aktuell-Redakteurin Ilona Jüngst erklärte Chef György Wáberer bescheiden, wie man eine Flotte von 3.000 Fahrzeugen auslastet.

trans aktuell: Herr Wáberer, Ihre Flottengröße beträgt aktuell 3.300 Lastzüge. Gibt es eine Zahl, bei der Schluss ist?

Wáberer: Nicht unbedingt. Ich will innerhalb absehbarer Zeit die Flottengröße sogar noch verdoppeln.

Was heißt absehbar?

Innerhalb von sechs bis sieben Jahren.

Das heißt, wir sprechen dann von rund 7.000 Fahrzeugen. Das ist für Europa schon eine ziemliche Größe.

Das französische Unternehmen Norbert Dentressangle hat schon heute noch mehr Lkw. Ich habe allerdings den Eindruck, dass deren Fuhrpark sich nicht mehr vergrößert.

Ist es denn ihr Ziel, die größte Flotte in Europa zu besitzen?

Das will ich nicht leugnen.

Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Flotte so profitabel läuft? Sie reklamieren eine Ladungsquote von 91,2 Prozent.

Je größer die Flotte ist, desto besser kann man die Produktion optimieren. Da ist noch viel möglich. Momentan treiben wir die Entwicklung in die Richtung voran, auch die Administration – oder zumindest ein Großteil davon – künftig durch IT zu betreiben und zu automatisieren.

Die Fahrer sitzen also weiter im Fahrzeug, aber der Disponent wird durch IT ersetzt?

Ja, ganz genau.

Haben Sie schon Ansätze dafür?

Es gibt ein GPS-System und die komplette Kommunikation läuft darüber. Der Fahrer erhält Adresse und Route elektronisch. Sein Disponent sieht, wo er in Real-time ist, wie er seine Aufgabe meistert, wo und wie viel er getankt hat, wie schnell er fährt und so fort.

Sie behaupten sich gegen eine große Menge von Wettbewerbern. Wo können Sie die größten Kostenersparnisse vorweisen?

Ein großer Vorteil sind die selbst entwickelten IT-Systeme, dadurch schaffen wir die hohe Ladungsrate. Auf der IAA haben wir 1.000 neue Lkw gekauft, das führt dazu, dass unsere Flotte sehr modern ist und der Spritverbrauch jedes Jahr um zwei bis drei Prozent gesenkt werden kann.

Auch die Fahrer müssen geschult sein. Allein dieses Jahr haben Sie nochmals 400 eingestellt. Wie kann man die vielen Fahrer auf den aktuellsten Stand bringen?

Nicht alle Fahrer müssen zusätzlich ein Training absolvieren, sondern nur die mit schlechten Verbrauchsergebnissen. Unsere IT baut darauf auf, welcher Fahrer in welcher Situation schlechte Ergebnisse bringt. Damit kann das Training auf diese Problemstellen fokussiert werden. Wir kümmern uns sehr gründlich um unsere Fahrer. Neue Fahrer erhalten einen Mentor, der mit ihnen fährt – wenn nötig, monatelang. Der bringt ihnen das Eco-Fahren bei. Zudem starten wir noch dieses Jahr testweise ein eigenes Programm zur Fahrerschulung. Das wollen wir zunächst mit 100 Mitarbeitern testen, die als Lkw-Fahrer erst neu anfangen und bei uns ihren Führerschein machen. Die Kosten übernehmen wir. Wenn das erfolgreich ist, erhöhen wir die Zahl der Fahrer für die Schulungen.

Wie viele Fahrer haben Sie derzeit? Kommen diese ausschließlich aus Ungarn oder auch aus anderen Ländern?

Es gibt ungefähr 4.000 Fahrer. Die Mehrzahl ist natürlich aus Ungarn, aber auch aus benachbarten Ländern, in denen viele Ungarn leben, etwa Rumänien, der Slowakei, Serbien. Grund dafür ist, dass die Kommunikation auf Ungarisch für alle einfach leichter ist als etwa auf Englisch.

Suchen Sie die Fahrer gezielt?

Nein, die kommen von alleine. Wer gute Leistung bringt, ist immer willkommen.

Seit Kurzem dürfen Fahrer in Belgien und Frankreich nicht mehr ihre Wochenruhezeit im Fahrzeug verbringen, wovon hauptsächlich Fahrer aus Osteuropa betroffen sind. Wie handhabt man das bei Waberer’s?

Die Regelung gilt für alle, auch für uns. Das bedeutet sicher Änderungen im Ablauf und in der Konsequenz auch Kostensteigerungen, die der Markt aber wohl mittragen muss.

Thema Kosten: Wie setzen Sie sich bei den Frachtkosten gegenüber Ihren Wettbewerbern durch?

Das Unternehmen Waberer’s gibt ungefähr dieselben Preise ab wie die Konkurrenz. Der Unterschied liegt nur darin, dass Waberer’s unter diesen Bedingungen auch erfolgreich  und profitabel ist.

Sie wollen nicht nur organisch wachsen, sondern denken auch über Akquisitionen nach. In welchen Ländern?

Das Zielgebiet ist die Euro­päische Union – aber keine bestimmten Länder. Es gibt mehrere Gesellschaften, die sich dafür anbieten. Die Beurteilung, ob ein Unternehmen zu uns passt, beinhaltet mehrere Kriterien – Größe, Struktur, Kunden.

Überlegen Sie dabei auch, den reinen Transportpfad zu verlassen und ihr Angebot auch etwa in die Logistik auszuweiten?

Nein. Waberer’s ist ein Spezialist für Komplettladungen und in dieser Richtung wollen wir auch künftig unsere Leistungen anbieten.

Zur Person

György Wáberer hat nach einem Studium in Logistik und Informationstechnik bei der ungarischen Staatsspedition Volan Tefu in der Informatikabteilung gearbeitet. 1994 kaufte Wáberer das Unternehmen und privatisierte es, ebenso später den Konkurrenten Hungarocamion, der bereits damals mit mehr als 1.000 Fahrzeugen am Markt agierte. Seit dem Jahr 2003 firmieren Volán Tefu und Hungarocamion als Waberer’s. Heute hat Waberer’s einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro und Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Als Geschäftsführer teilt der Ingenieur sich das Unternehmen mit der Investorengruppe Mid Europa Partners in einem 50 : 50-Verhältnis. Wáberer ist Vater von drei Kindern.

Ilona Jüngst

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DAF

Datum

23. Oktober 2014
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