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GTF Zetros: Mehr Sicherheit am Hindukusch

Mit dem nagelneuen GTF Zetros möchte die Bundeswehr ihre Logistiksoldaten besser vor Angriffen schützen. Bevor es in den Afghanistan-Einsatz geht, müssen sich die Fahrer erst einmal mit dem Hauber vertraut machen.

Bullige Haube, kantige Stahlkabine, Panzerglasscheiben und große, grobstollige Reifen – der GTF Zetros beeindruckt durch seine pure Erscheinung. GTF steht für "geschütztes Transportfahrzeug" und bezieht sich auf die Kabine der knapp 15 Tonnen schweren Sondervariante des Mercedes-Benz Zetros. Sie ist aus Panzerstahl gefertigt und soll die beiden Insassen vor Gewehrbeschuss, Artilleriesplittern, Minen und Sprengfallen schützen. Außerdem ist reichlich Sonderausstattung darin verbaut: ABC-Druckbelüftung, Klimaanlage, Kommunikationsgeräte, Rückfahr-kamera und Halterungen für eine fernbedienbare Waffenstation auf dem Dach. Alles für die Sicherheit der Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz.

6.000 Container und 1.700 Fahrzeuge müssen zurück nach Deutschland

Bald soll der Abzug aus Afghanistan beginnen, die Logistiker werden dabei eine Schlüsselrolle einnehmen. Dann müssen etwa 6.000 Container und 1.700 Fahrzeuge zurück nach Deutschland transportiert werden: per Lkw, Großraumflugzeug und Schiff. Den kürzesten und gleichzeitig gefährlichsten Teil der Strecke – von den Feldlagern zum Flugplatz Mazar-i-Sharif – übernehmen deutsche Spediteure mit afghanischen Subunternehmern oder die Bundeswehr selbst. Da kommt der neue Zetros gerade recht – schließlich sind die Soldaten in der Nutzlastklasse bis zu fünf Tonnen noch mit über 
30 Jahre alten MAN-Zweiachsern (militärische Bezeichnung: MAN 5 t gl KAT I) unterwegs. Diese sind zwar mit Panzerplatten nachgerüstet, kommen in Schutz und Komfort aber bei Weitem nicht an den Zetros heran. Außerdem wird die Vorderachse der alten Frontlenker durch das vergrößerte Kabinengewicht 
zusätzlich belastet, was wiederum die Fahrdynamik beeinflusst. Hier kann der Zetros mit seiner Haube eindeutig punkten: weniger Gesamthöhe, eine gleichmäßigere Achslastverteilung und ein besserer Zugang zum Motorraum. Dort brummt ein Sechs-Zylinder-Reihendieselmotor, der dank Euro 3 auch mit nicht ganz so reinem Betriebsstoff eine Leistung von 240 kW und ein maximales Drehmoment von 1.300 Nm erzielt. Die Zugkraft wird über ein vollautomatisches Getriebe mit sechs Vorwärtsgängen auf die zwei permanent angetriebenen Achsen übertragen. So kann sich der Fahrer weitgehend aufs Gelände vor ihm konzentrieren. Das muss er auch, denn das zusätzliche Gewicht, die begrenzte Sicht durchs Panzerglas und das vom Frontlenker abweichende Lenkgefühl des Haubers sind durchaus gewöhnungsbedürftig.

Die Bundeswehr besitzt mehrere solcher Fahrzeuge in verschiedenen Gewichtsklassen

Dies gilt auch für andere geschützte Bundeswehrfahrzeuge, die in den vergangenen Jahren eilig beschafft und meist direkt nach Afghanistan gebracht wurden. Dort mussten sich die Fahrer dann recht kurzfristig damit vertraut machen. Inzwischen hat sich die Situation deutlich verbessert. Die Bundeswehr besitzt mehr solcher Fahrzeuge in verschiedenen Gewichtsklassen und die Industrie liefert schneller.

Der GTF Zetros ist ein gutes Beispiel dafür. Im Mai 2012 wurde die Lieferung von 110 Exemplaren bis zum Jahr 2014 vereinbart (Gesamtpreis: 74 Millionen Euro) und Anfang Dezember 2012 übergab die Daimler AG bereits die ersten 25. Knapp die Hälfte wurde in den Folgemonaten nach Afghanistan gebracht, der Rest bleibt in Deutschland zum Fahrtraining. Inzwischen müssen die Kraftfahrer der Bundeswehr, die geschützte Fahrzeuge im Einsatz bewegen sollen, nämlich zuerst die neu geschaffene interne Fahrerlaubnis G erwerben. G steht  für "geschützt" und ergänzt – ausschließlich beim Militär – die Führerscheinklasse CE.

136 Fahrer werden auf dem GTF Zetros ausgebildet

Ihre erste Begegnung mit dem GTF Zetros haben die Soldaten in Mechernich, einem kleinen Städtchen in der Eifel. Dort befindet sich das auf geschützte Lkw spezialisierte Kraftfahrausbildungszentrum mit derzeit 26 Ausbildern. Ab sofort sollen hier jährlich 136 Fahrer auf dem GTF Zetros ausgebildet werden. Der zehntägige Lehrgang beginnt mit einer Einweisung in die technischen Besonderheiten, dann geht es auf die Landstraße und schließlich ins Gelände. Eigens angelegte Geröllstrecken, Wasserlöcher, Steilstrecken und Bahngleise sollen die Zetros-Besatzungen auf den Auslandseinsatz vorbereiten – bei Tag wie bei Nacht. Am Ende steht sogar ein Fahrsicherheitstraining. "Wir führen den Kraftfahrer hier unter relativ sicheren Bedingungen an die Grenzen der Physik", beschreibt Hauptmann Stephan Laux, der Leiter des Ausbildungszentrums, seine Aufgabe. Wer in Mechernich ankommt, ist ohnehin kein Neuling mehr. "Das hier sind keine Fahrschüler, die können alle schon Lkw fahren." Für die taktische Ausbildung – zum Beispiel Marsch in der Kolonne – sei anschließend die Stammeinheit der Teilnehmer zuständig. Mit dem Zetros ist Laux hochzufrieden. Bislang seien keinerlei Kinderkrankheiten aufgetreten – was bei Militärvehikeln wegen der komplexen Anforderungen durchaus selten ist.

Nicht nur im Kabinenschutz, auch in der Benutzerfreundlichkeit setzt der Zetros durch luftgefederte Sitze, Vierpunktgurt, Automatikschaltung und hydraulische Türöffnung neue Maßstäbe bei den Bundeswehr-Lkw. "Für den Fahrer ist das eine hochkomfortable Sache", lobt Stabsfeldwebel Michael G., einer der Fahrlehrer, den Zetros. "Im Vergleich dazu sitzt man im alten MAN KAT I wie in einer Hasenkiste."

Technische GTF Zetros

Fahrzeugtyp
Zetros 1833A 4x4 GT

Hersteller
Mercedes-Benz (Motor und Fahrwerk), Indikar (Kabine), Doll (Aufbau und Staufächer), Kissling (Kommunikation) und Krauss-Maffei Wegmann (Waffenstation)

Motor
Mercedes-Benz 6-Zylinder-Reihendieselmotor OM 926 LA
Maximale Leistung240 kW (326 PS)
Maximales Drehmoment1.300 Nm bei
1.200–1.600 U/min
Abgasnorm EURO 3

Getriebe
Allison 3000 SP Vollautomat mit Retarder, sechs Vorwärtsgängen, Kriechgang, einem Rückwärtsgang

Abmessungen und Gewichte
Länge, Breite: 8,80 m, 2,55 m
Höhe über Fahrerhaus: 3,20 m (ohne Waffenstation)
Höhe über Plane und Spriegel 3,69 m
Höhe, Spriegel abgesenkt 3,25 m
Wendekreis 20,6 m
Watfähigkeit 1,20 m
Leergewicht mit Gerätesätzen,
Plane und Spriegeln 14.830 kg
Vorderachsgewicht (leer) 8.400 kg
Hinterachsgewicht (leer) 6.430 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 19,5 Tonnen
Nutzlast 5 Tonnen
Reichweiteca. 800 km
Seilwinde: Seillänge,
max. Zugkraft 40 m, 7 Tonnen

Panzerung
Schutzlevel der Kabine Gewehrbeschuss, Splitter, Minen und Sprengfallen

Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

Autor

Foto

© Johannes Roller

Datum

17. Mai 2013
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