Grüßing Spedition, Pflanzenlogistik, Westerstede Zoom

Grüßing Spedition: Grüne Logistik ist Paradedisziplin

Grüne Logistik ist für die Grüßing Spedition aus Westerstede nicht nurein zartes Pflänzchen, sondern die Paradedisziplin. Sie ist auf Pflanzenlogistikspezialisiert und hat sich weitere Bereiche aufgebaut.

Ob Hortensien, Kiefern oder Bonsaibäume: Bei der Grüßing Spedition im niedersächsischem Westerstede haben sie den idealen Mischwald gefunden. Wurzeln schlagen können sie dort aber nicht, denn die Mitarbeiter haben sie nicht in die Erde, sondern ins Lager gesetzt. Und das keineswegs zur Dekora­tion, sondern im Rahmen des Geschäftsbetriebs. Denn die Pflanzen sind für das von den Brüdern Stefan und Harald sowie ihrem Vater Hans-Gerd Grüßing geführte Unternehmen das wichtigste Transport- und Umschlagsgut. Auf Grüne Logistik verstehen sie sich also nur zu gut.

Die besondere Beziehung zu den Pflanzen kommt nicht von ungefähr: Westerstede liegt im Landkreis Ammerland, der nicht ohne Grund den Beinamen Parklandschaft trägt. Er gilt als das größte zusammenhängende Pflanzen-Produktionsgebiet auf dem Kontinent. Eine Vielzahl von Baumschulen hat dort ihren Sitz und vertraut seit Jahren ihre Setzlinge, Stauden und andere Gewächse der Grüßing Spedition an. Die Mitarbeiter bündeln die Ware und liefern sie nach ganz Deutschland an den Handel aus, darunter große Gartencenter in Süddeutschland.

35 Lkw im Fuhrpark

"75 bis 80 Prozent dieser Verkehre erledigen wir mit der eigenen Flotte", sagt Geschäftsführer Stefan Grüßing im Gespräch mit trans aktuell. Sie umfasst derzeit 35 Lkw, darunter 25 Sattelzüge, neun Wechselbrückenzüge und einen Lang-Lkw. Ein Teil wird auch über die Stückgutkooperation ILN verladen, der Grüßing angehört.
Doch gerade bei Umschlag und Transport ist besondere Vorsicht geboten. Das Transportgut lebt und ist daher besonders sensibel. Das stellt erhöhte Anforderungen an die Logistik: Feuchte Ware, die mitunter Erde verliert, lässt sich nicht in standardisierte Systeme pressen, sie eignet sich kaum für Flurfördersysteme. Das Handling der sogenannten CC-Container will ebenfalls beherrscht werden – und nicht zuletzt der Umgang mit extrem schwankenden Volumina.

Denn wenn ganz Deutschland pflanzt, hat die Grüßing-Mannschaft bereits ganze Arbeit geleistet: "Von Februar auf März verdoppelt sich das Volumen, statt 6.000 wickeln wir dann 12.000 Sendungen ab", berichtet Wolfram Goetze, Projektleiter im Bereich Logistik. Dann schlägt die Stunde der acht Subunternehmer, die hier mit ihren zwölf Lkw fest eingeplant sind.

Pflanzen, Wurst und Möbel

Doch so wohl sich die Grüßing-Verantwortlichen auch in ihrer Nische fühlen und so zuversichtlich sie auch ins laufende Jahr blicken – nur auf Pflanzenlogistik wollen sie nicht vertrauen. Daher haben sie vor Jahren begonnen, sich weitere Bereiche zu erschließen.
Mit Erfolg, wie einige Beispiele zeigen: Die Spedition lagert und kommissioniert Kartons für einen Wursthersteller sowie Profile für einen Fensterbauer und beliefert eine namhafte Einrichtungskette, die immer neue Märkte eröffnet. Hierfür kommen die Hängerzüge zum Einsatz. Denn die Grüßing-Fahrer dürfen meist nur mit einem Solofahrzeug in die City. Darüber hinaus müssen sie bereits um zehn Uhr – je nach Stadt auch schon deutlich früher – fertig sein.

Lang-Lkw kommt im Rundlauf zum Einsatz

Überdies bedient die Firma feste Verkehre sowohl für einen bekannten Dienstleister im Bereich Textilienreinigung als auch für den Paketdienst DPD. Für DPD kann sich Firmenchef Grüßing in Zukunft noch weitere Mehrwertdienste vorstellen.
Großes leistet Grüßing für den Expressdienstleister aber schon heute: So setzt die Spedition seit Ende November ein besonders großes Fahrzeug für ihn ein. Gemeint ist ein 25 Meter langer Lang-Lkw, der jede Nacht im Rundlauf von Uplengen im Kreis Leer über Bremen nach Lehrte und retour fährt. Der MAN TGX mit Koffern im DPD-Design hat sich laut Grüßing und Goetze bisher bewährt. "Wir hatten uns schon lange mit dem Konzept beschäftigt, sinnvoll erschien uns die Teilnahme am Feldversuch aber erst, nachdem sich Bremen für den Lang-Lkw geöffnet hat", erläutert Grüßing.

Das Fahrzeug hat bereits reichlich Prominenz angezogen, worauf er besonders stolz ist. So hat der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN), dem das Familienunternehmen angehört, der verkehrspolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, Susanne Menge, eine Mitfahrt vermittelt. Im Anschluss waren auch die CDU-Landespolitiker David McAllister und Armin Laschet bei Grüßing zu Gast.
Doch speziell die Grünen-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Oldenburg war den Langfahrzeugen gegenüber eher skeptisch eingestellt. Das änderte sich durch die Live-Eindrücke Ende Februar. Menge machte sich ein Bild vom Fahrzeug, seinen Laufeigenschaften sowie der umfangreichen Sicherheitstechnik. "Sie brachte zum Ausdruck, dass sie in der Vergangenheit teilweise sehr einseitige Informationen zum Feldversuch erhalten habe und ihre bisherige Auffassung mit den neu gewonnenen Erkenntnissen teilweise korrigieren werde", erklärte der GVN hinterher. Nicht nur der Verband, sondern auch die Grüßing-Chefs werten das als einen Erfolg – ebenso wie sie die Öffnung des Landes Baden-Württemberg für Lang-Lkw begrüßen, übrigens ebenfalls durch einen grünen Politiker.

Grüßing setzt auf den Kombinierten Verkehr

Was die Öko-Partei dagegen sicherlich begrüßen würde, ist das Engagement von ­Grüßing im Kombinierten Verkehr (KV). Seit Jahren nutzt die Spedi­tion die Bahnverkehre ab dem Kombibahnhof Dörpen nach Ludwigshafen, München oder Nürnberg. Betreiber der Anlage ist die Dörpener Umschlaggesellschaft für den Kombinierten Verkehr (DUK).
Projektleiter Goetze lobt, dass sie sich um die komplette Logistik kümmert. "Sie stellt den Trailer, holt ihn ab, organisiert den Hauptlauf und die Zustellung", sagt er. Und Stefan Grüßing sagt, dass der KV schon immer ein Steckenpferd von ihm gewesen sei. Bereits in seiner Ausbildung bei der damaligen Spedition Südkraft – einem der Gründer von Kombiverkehr – sei er mit Intermodalverkehren in Berührung gekommen. Er strebt in den nächsten Monaten einen Sendungsanteil von zehn Prozent im KV an. Grüne Logistik ist für die Spedition schließlich nicht nur ein zartes Pflänzchen, sondern die Paradedisziplin. Das zeigt bereits der Blick ins Lager, wo Hortensien, Kiefern und Bonsaibäume einträchtig beieinanderstehen.


Das Unternehmen

Die Grüßing Spedition aus Westerstede beschäftigt 70 Mitarbeiter, darunter 55 Berufskraftfahrer. Seit Jahren bildet das Unternehmen aus, aktuell beschäftigt es fünf Azubis zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung sowie acht Lehrlinge zum Berufskraftfahrer. Die 1922 gegründete Firma wird in vierter Generation von Stefan und Harald Grüßing geleitet, aktiv dabei ist auch ihr Vater Hans-Gerd Grüßing.
Das Unternehmen setzt 35 eigene Lkw ein, überwiegend Volvo, DAF und Daimler. Darunter sind 25 Sattel- und neun Wechselbrückenzüge sowie ein Lang-Lkw. Rund 75 bis 80 Prozent des Volumens erledigt Grüßing im Selbsteintritt. Kerngeschäft ist die Pflanzenlogistik, hinzu kommen zum Beispiel Dienstleistungen für den Maschinenbau, den Lebensmittelhandel oder die Verpackungs- und Getränkebranche.
Das Unternehmen ist Mitglied bei der Stückgutkooperation ILN. Es betreibt eine Lagerfläche von 6.500 Quadratmetern in Hallen und von 10.000 Quadratmetern im Freien. Die Firmenverantwortlichen blicken zuversichtlich ins laufende Jahr und rechnen erstmals mit einem Umsatz von zehn Millionen Euro. Für die Zukunft sehen sie weitere Wachstumspotenziale. In dem Zusammenhang sind sie offen für Kooperationen mit Firmen aus Industrie, Handel oder Logistik.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Rathmann

Datum

29. Mai 2015
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