Dorothee Reinschütz, Jessika Graf, Schenker Zoom

Großevent: Kraftakt vor den Spielen

Im russischen Sotschi beginnen die 22. Olympischen Winterspiele. Die Logistik war dieses Mal aufgrund der Örtlichkeit und der hohen Sicherheitsbestimmungen eine besondere Hausforderung.

Keine Selbstverständlichkeit, was die Logistik alles möglich macht: etwa, dass von morgen an Athleten aus aller Welt die ersten Wettkämpfe für die 22. Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi bestreiten. Die ganze Welt kann dies vom 7. bis 23. Februar an Fernseher und via Internet mitverfolgen.

Kühne + Nagel transportierte 14 Lkw-Ladungen

Dafür braucht es eine ausgeklügelte Organisation: Kühne + Nagel etwa transportierte für das Schweizer Team deren House of Switzerland in 14 Lkw-Ladungen. Die 4.000 Kilometer Distanz zwischen den Schweizer Alpen bis ans Schwarze Meer legte die Fracht auf der Straße und auf dem Seeweg zurück.

Schenker transportiert rund 140 Tonnen Gepäck und Ausrüstung

Für das deutsche Olympiateam hat DB Schenker Bekleidung und Sportgeräte transportiert, ebenso die Ausstattung des Deutschen Hauses. Insgesamt rund 140 Tonnen Gepäck und Ausrüstung hat der Logistikdienstleister, der seit 2002 Logistik-Partner des deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist,  in den vergangenen Wochen über das Luftfracht-Drehkreuz Frankfurt nach Sotschi befördert. Dort hat der Dienstleister extra für die Dauer eines Jahres ein 6.500 Quadratmeter großes Lager angemietet, denn neben dem Sportverband übernimmt er auch für andere Kunden die Logistik nach Sotschi, etwa für die großen Fernsehanstalten.

Hohe Sicherheitsvorschriften in Sotschi

"Sotschi ist besonders schwierig aufgrund der vielen Änderungen und der zahlreichen Sicherheitsvorschriften, die nach dem Anschlag in Wolgograd noch verschärft wurden", sagt Christian Schultz, Chef von DB Schenker Sportsevents. Für den reibungslosen Ablauf sind vor allem Dorothee Reinschütz und Jessika Graf verantwortlich, Projektmanager bei DB Schenker Sportsevents. Sie und weitere 40 internationale Schenker-Mitarbeiter werden für den gesamten Zeitraum der Spiele vor Ort sein und von zwölf lokalen Mitarbeitern unterstützt.

Reinschütz zeichnet vor allem für die Ausrüstung der Athleten und ihrer Betreuer verantwortlich. Weil viele Sportler bis kurz vor Sotschi noch andere Wettkämpfe mit ihrer Ausrüstung bestreiten, ist hier der Zeitrahmen für den Transport besonders knapp, erzählt Reinschütz. Auch Frachtraum stand im Vorfeld nicht unbegrenzt zur Verfügung, anders als etwa bei den Spielen in Vancouver oder Peking: "Bei maximal zwei Flügen pro Woche – und das auch nur in der Spitzenzeit – ist es eine besondere Herausforderung, alles rechtzeitig zur Verfügung zu stellen."

Das Gepäck von 150 bis 200 Sportlern und noch mal so vielen Trainern, Ärzten, Physiotherapeuten und anderen Betreuern musste nach der Einkleidung mit dem Teamoutfit in wenigen Tagen eingesammelt werden, um als Fracht nach Russland zu gelangen. Im Hub in Kelsterbach kennzeichnete Reinschütz jede Tasche nochmals: mit Namen, Sportart und Bestimmungsort in Sotschi – eines der drei olympischen Dörfer oder bei Betreuern auch ein Hotel.

800 Taschem plus Equipment

Neben den 750 bis 800 Taschen gehörte zur Fracht auch jede Menge Equipment: von den Langlaufskiern über die Massageliege bis zur Schleifmaschine des Biathleten-Teams. Sperriges wie Skier oder auch die Kisten mit Bobschlitten wurden als Übergepäck deklariert. Gefahrgut musste ebenfalls besonders gekennzeichnet und transportiert werden, "Flüssigwachse etwa, die die Skiteams mitführen", sagt Reinschütz.

Vor der Verladung in den Flieger wurde die Fracht gescreent, nur die Bobschlitten waren zu groß und wurden von Sniffer-Hunden kontrolliert. Die meiste Fracht wurde dann ab Frankfurt mit dem sogenannten Sotschi-Express mit einer Boeing 747 direkt befördert.

Ein Restaurant wird zum Deutschen Haus

Für Pressekonferenzen und als Treffpunkt von Athleten und Besuchern haben der DOSB und der Deutsche Behindertensportverband (DBS) im Skigebiet Krasnaya Polyana ein Restaurant zum Deutschen Haus umfunktioniert, das nach den Olympischen Spielen auch für die Paralympics von 7. bis 16. März genutzt wird.

Die Ausrüstung mit Möbeln, Elek­tronik, Catering- und Sicherheitsequipment sowie die flankierenden "Almhütten" transportierte Schenker mit der Bahn, berichtet die Verantwortliche Jessika Graf. "Wir haben die Fracht von 20 verschiedenen Lieferanten bei uns in Kelsterbach konsolidiert und dann insgesamt zwölf Container auf die Reise geschickt."

Über den Bahn-Hub nach Polen und Weißrussland an die Schwarzmeerküste

Über das Bahn-Hub Berlin ging die Reise weiter nach Polen und Weißrussland und von dort – mit vier bewaffneten Sicherheitskräften an Bord – weiter über den Kaukasus an die Schwarzmeerküste. "Wir haben die Bahn gewählt, weil wir damit einige Unwägbarkeiten vermeiden konnten, etwa die Witterung", sagt Sports­event-Chef Schultze.  Zudem seien die letzten 300 Kilometer Straße bis nach Sotschi nur mit Sondergenehmigung befahrbar, wegen Gewichtseinschränkungen und Vorgaben zur Fahrzeuggröße hätte die Fracht außerdem umgeladen werden müssen. So konnte der Bahntransport, der von Schenker Rail Russia betreut wurde, nahezu durchfahren. Alles in allem war die Bahnfracht rund zwölf Tage unterwegs.

Nach den Spielen sorgen Reinschütz und Graf dafür, dass das Gepäck und die Sportgeräte der Athleten wieder in der Heimat ankommen. Das Equipment der Fernsehsender wird aber gleich zur nächsten Destination des Weltsports befördert. Und auch die beiden Logistikerinnen zieht es bald dorthin – nach Brasilien, zur Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft.


 

Olympia in Zahlen

In Sotschi am Schwarzen Meer finden vom 7. bis 23. Februar die 22. Olympischen Winterspiele sowie vom 7. bis 16. März die Paralympischen Winterspiele statt. Im Olympiapark im Stadtteil Adler direkt an der Küste werden sämtliche Wettkämpfe in den Eissportarten wie Eisschnelllauf, Eishockey oder Curling abgehalten. Im Olympiastadion finden die großen Feiern statt. Im Skigebiet um das rund 30 Kilometer entfernte Städtchen Krasnaja Poljana finden die Ski-, Bob- und Rodelwettbewerbe statt. Insgesamt gibt es bei den Olympischen Winterspielen Wettbewerbe in 15 Sportarten.

Ilona Jüngst

Autor

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Ilona Jüngst

Datum

6. Februar 2014
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