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Gotthard-Tunnel: Röhre für mehr Sicherheit

Die Schweiz beschließt eine zweite Gotthard-Röhre für die Straße. Das Dosier-System für Lkw soll bleiben.

Rund 57 Prozent der Schweizer haben bei einer Volksabstimmung für den Bau eines zweiten Straßentunnels durch den Gotthard gestimmt. Damit haben sie das umstrittene Vorhaben von Regierung und Parlament bestätigt, die den Bau einer weiteren Röhre beschlossen hatten, um den bestehenden Tunnel anschließend zu sanieren. 

Ab 2020 soll gebohrt werden, die Eröffnung ist für 2027 geplant. Dann soll der erste Tunnel aus dem Jahr 1980 gesperrt und auf den neuesten Stand gebracht werden. Ab 2030 könnten beide Tunnel dann einspurig – wie in der Verfassung festgelegt – in jeweils eine Richtung befahrbar sein. Die Baumaßnahmen werden mit insgesamt etwa 2,6 Milliarden Euro veranschlagt. 

Die Befürworter des Tunnels hatten die Anbindung des Tessins und die erhöhte Sicherheit in den Vordergrund gestellt. In zwei Röhren ohne Gegenverkehr mit jeweils einer Notfallspur könnten Frontal- und Streifkollisionen weitgehend verhindert werden. Außerdem werde die wichtige Nord-Süd-Verbindung so offen gehalten und eine Verladung von Personen- und Lastwagen auf die Schiene vermieden. Ohne zweite Röhre hätte der Tunnel alle 30 bis 40 Jahre für Sanierungsarbeiten vollständig gesperrt werden müssen. 

Verkehr nur einspurig   

Gegner des Projekts befürchten, dass letztlich doch alle vier Spuren genutzt werden könnten. Außerdem verschlinge die Baumaßnahme Gelder, die dringend für andere Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen gebraucht würden. Verkehrsministerin Doris Leuthard versicherte, der Alpenschutz werde nicht unterlaufen. 

Die Verkehrsverlagerung auf die Schiene bleibe weiterhin Ziel der Regierung. Das Dosiersystem für Lkw, das seit der verheerenden Brandkatastrophe 2001 besteht, soll im Gesetz verankert werden. 

Der Verband der verladenden Wirtschaft der Schweiz zeigte sich erfreut, dass nun für die Straße und die Schiene die gleichen Sicherheitsregeln gelten. Tunnel ab einer Länge von 15 Kilometern  müssen nun aus Sicherheitsgründen zwingend einspurig gebaut und betrieben werden. 

Die zweite Röhre stelle sicher, dass Transitgüter wie bisher zum großen Teil per Zug durch die Schweiz rollen könnten, ohne dass der Schienengüterverkehr Trassen an die Rollende Land­straße abgeben müsse. Mit der Realisierung des Tunnels müsse jetzt umgehend begonnen werden, forderte der Schweizer Nutzfahrzeugverband Astag.

Der Gotthard-Tunnel ist mit einer Länge von fast 17 Kilometern die längste unterirdische Autobahn durch die Alpen. Pro Jahr wird sie von annähernd  900.000 Lkw und etwa fünf Millionen Pkw genutzt. 

Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 06/2016.
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Autor

Foto

Juliane Bezold

Datum

3. März 2016
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