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Gewinner des Fahrerwettbewerbs: Vater und Sohn beim Profitraining

Im vergangenen Oktober haben Marcello und Peter Euler den FERNFAHRER-Fahrerwettbewerb "Vater und Sohn" gewonnen. Nun waren die Preisträger bei Mercedes-Benz in Wörth zum Profitraining.

Besonderer Empfang für besondere Gäste: Ein Schild im Kundenzentrum des riesigen Lkw-Werks in Wörth weist den Weg in einen Vorführraum, den Ausgangspunkt einer exklusiven Führung durch die Produktonshallen. Peter Euler (50), langjähriger Fernfahrer und seit 2014 für das Transportunternehmen Neugart in Hennef mit einem Zwölftonner im Nahverkehr unterwegs, und sein Sohn Marcello (20), der dort gerade die dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer absolviert, lösen ihren Gewinn ein: ein Profitraining mit Werkstour bei Mercedes-Benz. Im vergangen Oktober haben die beiden in einem Wettstreit mit fünf Disziplinen gegen vier andere Teams den ersten FERNFAHRER-Fahrerwettbewerb "Vater und Sohn" auf dem Gelände von Neugart gewonnen. Marcello hatte den C/CE-Füherschein damals noch nicht in der Tasche und trat daher lediglich zu den Wettbewerbsstationen auf dem Betriebsgelände an, während sein Vater für die Stationen außerhalb zuständig war. Ein Ansatz, der von Erfolg gekrönt war. Nun darf Führerschein-neuling Marcello in Wörth auch gleich das wirtschaftliche Fahren üben, dieses Mal auch auf öffentlichen Straßen.

Doch zuerst geht es ins Werk. Auf Einladung von Mercedes sind die beiden bereits am Vortag angereist. Etwas über eine Stunde dauert die Führung, vorbei an Kabinenfertigung, Chassis-Montage für Sattelzugmaschinen und weiter zur "Hochzeit", wo die Kabine mit dem Chassis "verheiratet" wird. Schließlich endet die Runde mit dem stationären Probelauf der neuen Fahrzeuge.

Profitraining umfasst Theorie- und Praxiseinheiten

"Eine hochinteressante Führung", sagt Peter, der einen Mercedes Atego fährt. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Montage der einzelnen Typen am Band so flexibel ist." Doch selbst angesichts einiger Actros mit Gigaspace-Kabine, die vor ihm zur Auslieferung rollen, bleibt der Mann, der für die Siegwerk-Druckfarben seit den 90er Jahren in Ost- und Südeuropa unterwegs war, bei seiner Entscheidung: "Ein Job im Fernverkehr ist für mich keine Alternative mehr. Aber ich freue mich zu sehen, dass aus dem Actros in den vergangenen 20 Jahren ein toller Lkw geworden ist."
Der Ablauf eines herkömmlichen Profitrainings beginnt am Abend im Hotel Rio in Karlsruhe. "Pro Jahr gehen rund 10. 000 Berufskraftfahrer zur Erlangung des Abschlusses des Berufkraftfahrerqualifizierungsgesetzes durch die verschiedenen Module des Profitrainings", verrät Claws Tohsche aus der Presseabteilung von Daimler, der die Eulers an den beiden Tagen betreut. Diese Kurse finden nicht nur in unserer Schulungsstätte und auf dem Rundkurs bei Wörth statt, sondern auch direkt bei den Speditionen. Dazu kommen noch Trainer, die auf ausländischen Märkten schulen – bis hin nach Südafrika. In Zukunft wird der Praxisteil bei der Aus- und Weiterbildung wohl eine noch größere Bedeutung bekommen. Denn nur dieser Anteil kann noch im Rahmen der Modulschulung vom Bundesamt für Güterverkehr gefördert werden. Peter und Marcello jedenfalls absolvieren mit der Einladung zum Profitraining gleichzeitig ihr Modul im Kenntnisbereich wirtschaftliches Fahren.

Am nächsten Morgen geht es sehr früh los. Die Gruppe von insgesamt 16 Modulschulungsteilnehmern fährt über den Rhein ins Werk und trifft sich Punkt acht Uhr in einem der modernen Schulungsräume. Vier Lkw stehen an diesem Tag zu Verfügung, heißt es zur Einführung. Auf zwei Teilnehmer kommt je ein Trainer. Das Konzept ist denkbar einfach: Die erste Runde über eine knapp 28 Kilometer lange und meist flache Strecke über die B9, durch ein paar Dörfer und einige sehr enge Kreisverkehre fährt der Teilnehmer nach seinem bisherigen Stil. Es folgt die Demonstrationsrunde durch den Trainer und nach der Mittagspause die abschließende Runde der Teilnehmer mit dem neu erlernten Wissen.

Das Geheimnis von "Eco-Roll"

Zu Beginn des Trainings und immer wieder im Wechsel mit der zweiten Fahrergruppe folgt die theoretische Unterweisung in richtigem Gasgeben, die verschiedenen Stufen der Dauerbremse und das Geheimnis von "Eco-Roll". Am Ende geht es darum, weniger Diesel zu verbrauchen und dabei auch noch schneller unterwegs zu sein. Das ist, jedenfalls für die Unternehmer, der sogenannte Wirtschaftlichskeitsfaktor.

Peter Euler geht ins Team von Trainer Harald Pühlhorn. Marcello darf bei Friedrich "Toni" Thunsdorff mitfahren. Toni dürfte dem Einen oder Anderen noch bekannt sein, denn vor zwei Jahren saß er am Steuer des schwarzen Weltmeister-Trucks, mit dem die deutsche Fußballnationalmannschaft nach ihrer Rückkehr aus Brasilien durch Berlin gefahren wurde. Der erfahrene Trainer hat immer einen lockeren Spruch auf Lager: "Das Problem beim wirtschaftlichen Fahrern sitzt zu 90 Prozent zwischen Lenkrad und Rückenlehne. Aber um das zu ändern, seid ihr ja alle hier."

Wertvolle Tipps vom Profi

Marcello bekommt eine Einweisung in die Fahrzeugtechnik, dann fährt er los, Toni gibt dem Anfänger grundsätzliche Tipps: "Wenn du weißt, dass du auf der B9 die nächste Abfahrt nehmen musst, dann kannst du rechtzeitig den Blinker setzen und den Lkw frühzeitig ausrollen lassen. Hier ist kein Überholverbot, nachfolgende Kollegen können also an uns vorbei ziehen." Marcello schlägt sich auf der ersten, sehr vorsichtigen gefahrenen Runde gut: 36,2 Minuten braucht er für die Strecke und 11,6 Liter. Sein Vater im Sattelzug davor ist mit 34 Minuten etwas schneller unterwegs, bei 11,7 Liter Verbrauch.

Im Theorieunterricht steht vor allem die moderne Technik des Actros im Vordergrund. Beispielsweise rechnet die Elektronik zu Beginn der Fahrt das Gesamtgewicht des Lkw aus und bestimmt daraufhin den geeigneten Anfahrgang. "Wer also etwa als Kipperfahrer bei Beladen den Motor laufen lässt, gibt seinem Lkw die falschen Infos", erklärt Toni. Es ist zudem besser, gleich mit dem Tempomat statt mit den Gaspedal zu beschleunigen, weil das wirtschaftlicher abläuft. Es ergibt auch wenig Sinn, den Retarderhebel immer wieder in die fünfte Stufe zu reißen, wie es laut Toni so mancher unbelehrbarer Trucker noch macht, weil dieses Verhalten nur den Verschleiß beschleunigt. Am Ende kostet es auch nur Nerven, ständig mit 89 km/h über die Bahn zu preschen, weil man am Ende doch nicht schneller am Ziel ist.

"Jetzt kann ich beruhigt in meine Abschlussprüfung gehen"

Mit all dieser Theorie im Kopf treten Peter und Marcello schließlich die zweite Runde an. Die beiden Trainer geben im Lkw noch weitere Tipps: beim Beschleunigen mit Vollgas so schnell wie möglich auf Höchstgeschwindigkeit und danach sofort in den Eco-Roll-Modus. Vor allem bei Kreisverkehren, das erfährt Marcello sofort, kann er schon weit vorher den Schwung beziehungsweise die Bewegungsenergie des Lkw ausnutzen. "Fast jeder moderne Lkw hat heute ein Navi", sagt Toni, "wenn es dann heißt 'Kreisverkehr in 200 Metern' kannst du eigenlich schon vom Gas gehen."

Am Ende der zweiten Runde kommt Marcello auf 34,2 Minuten und einen Verbrauch von 9,7 Litern. Peter liegt mit 32 Minuten und 9 Liter etwas vorne. Die Gesamtauswertung der Gruppe macht es noch deutlicher: elf Prozent Dieselersparnis und vier Prozent Zeitgewinn. "Das hätte ich nie und nimmer erwartet", staunt Marcello. Am Nachmittag bekommt er die Bescheinigung über die Teilnahme am Profitraining ausgehändigt. "Jetzt kann ich am 18. Juni ganz beruhigt in meine praktische Abschlussprüfung gehen." Dem jungen Mann steht eine sichere Zukunft als Fahrer bevor. Und Peter, sein Vater, ist darauf stolz.

Fakten über das Montagewerk in Wörth

Das größte Lkw-Montagewerk von Daimler Trucks wurde 1963 gegründet und produziert die Mercedes-Benz-Lkw Antos, Arocs, Atego – und seit bereits 20 Jahren den weltweit erfolgreichsten Schwer-Lkw Actros. Auch die Mercedes-Benz Special Trucks Econic, Unimog und Zetros werden hier gebaut. Bis zu 470 genau nach Kundenwunsch gefertigte Lkw verlassen Wörth pro Tag. Kunden in über 150 Ländern schätzen die Qualität made in Wörth. Der Standort in der Kurpfalz ist das Kompetenzzentrum im weltweiten Produktionsverbund von Daimler Trucks. Darüber hinaus verfügt das Werk Wörth über 50 Jahre Erfahrung in der CKD-Produktion (Completely Knocked Down) und liefert Fahrzeug-Bausätze in zahlreiche Übersee-Märkte zur Endmontage vor Ort. Mit mehr als 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das Mercedes-Benz Werk Wörth zweitgrößter Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz.

FERNFAHRER sucht

Drei Teams, bestehend aus "Vater und Sohn" oder "Mutter und Tochter" für die 2. Auflage unseres Wettbewerbs am Samstag, 8. Oktober auf einem Speditionsgelände im Raum Karlsruhe. Die Teams müssen aus demselben Transportunternehmen stammen und aus der Region Freiburg, Mannheim, Karlsruhe oder Stuttgart kommen. Sie treten gegen die Vorjahressieger und die Heimmannschaft an. Aussagekräftige Bewerbungen bitte bis zum 15. August 2016 an diese E-Mailadresse.

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 07/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

9. Juni 2016
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