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Gebührenpflicht ab 7,5 Tonnen: Keine Angst vor der Maut

Die Maut wird den Mautkiller nicht killen. Das zeigt sich am Beispiel des Logistikdienstleisters LIT aus Brake.

Er ist einer der größten Betreiber von Ultraleichtfahrzeugen, bestehend aus Motorwagen und Einachsanhänger. Das Unternehmen wird die 11,99 Tonnen schweren Einheiten nach dem 1. Oktober nicht ausrangieren. Ab diesem Stichtag wird die Gebührenpflicht, die bisher bei Lkw ab zwölf Tonnen beginnt, auf Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen ausgedehnt.
LIT hält nicht nur an dieser Fahrzeuggattung fest. Die Firma will ihre Anzahl im Fuhrpark sogar noch deutlich ausbauen. Für einen entsprechenden dreiachsigen Volumenzug in Euro-6-Ausführung sind dann 11,3 Cent je Kilometer auf Autobahnen sowie den mautpflichtigen Bundesstraßen fällig.

"Wir glauben an dieses Konzept und halten es weiterhin für interessant", bekräftigt LIT-Geschäftsführer Simeon Breuer im Gespräch mit trans aktuell. 2015 wollen die LIT-Verantwortlichen die Zahl der Ultraleichtfahrzeuge um knapp 50 Einheiten erhöhen. 18 der beim Fahrzeugbauer Orten bestellten Lkw wurden bereits ausgeliefert. Schon 2014 hatte der niedersächsische Logistikdienstleister ihre Zahl von 115 auf 150 aufgestockt. Hatte LIT anfangs auf MAN TGL mit 220 PS gesetzt, ist die Entscheidung nun auf einen ähnlich motorisierten Mercedes-Benz Atego gefallen. "Um nicht nur auf einem Bein zu stehen", wie Breuer sagt.

Fahrzeuge rechnen sich trotz Maut

Er ist überzeugt: Das Fahrzeug rechnet sich, trotz des Faktors Maut. Grund sind die gegenüber einem Jumbo-Gliederzug deutlich niedrigeren Betriebskosten. Sie fallen um 10 bis 20 Prozent geringer aus. Den größten Effekt hat dabei der niedrige Verbrauch. "Wir liegen inzwischen bei unter 20 Litern."

Maßgeblich hierfür sind das geringe Eigengewicht sowie eine verbesserte Aerodynamik durch den Einsatz von Spoilern. Die Ersparnis werde durch die Maut nun zwar geschmälert, aber keinesfalls aufgefressen. "Bei den Betriebskosten sind wir mit den Ultraleichtfahrzeugen auch weiterhin im Vorteil", betont der gelernte Speditionskaufmann und Verkehrsfachwirt.

Außerdem hat LIT einen Hebel gefunden, um die Wirkung der Maut ein Stück weit abzumildern. Möglich machen soll das eine erhöhte Effizienz. "Wir werden die Fahrzeuge gewichtsmäßig auflasten, sodass sie nicht mehr nur fünf, sondern sieben Tonnen Nutzlast aufnehmen können", kündigt Breuer an. Fest stehe aber, dass es dann so gut wie keine Spielräume mehr beim Verbrauch gebe. Denn durch höhere Gewichte dürften die Fahrzeuge eher durstiger sein als zuvor.

So stark die Maut auch die Kostenbilanz dieser Fahrzeuge trüben mag, so groß sind laut Breuer die Potenziale durch den Nutzlastsprung. LIT kann mit diesen Fahrzeugen fortan auch andere Güter fahren als Dämmstoffe, leere IBC-Container oder Verpackungsmaterialien. Durch zwei Tonnen mehr Nutzlast werde der Einsatz dieses Fahrzeugs für die Automobilindustrie erleichtert, berichtet Breuer.

Eigener Vertrieb gestartet

Der 43-Jährige steht mit seiner Prognose zur Zukunft der Ultraleichtfahrzeuge aber relativ alleine da. "Ich habe das Gefühl, dass ihn viele für tot erklären", sagt er. Doch Totgesagte leben länger. Und so sagt auch Breuer: "Der Ultra wird anders – aber er ist mit Sicherheit nicht tot." Seine Einschätzung stützt sich auf die gestiegene Nachfrage nach diesem Fahrzeug. LIT hat dafür einen eigenen Vertrieb aufgebaut.

Gefordert ist künftig aber nicht nur der Vertrieb, sondern auch die Dispo. "Wir treten durch die Auflastung in einen Konkurrenzkampf mit dem konventionellen Jumbo-Gliederzug", sagt Breuer. So wetteifern zwei verschiedene Teams darum, ihre Fahrzeuge auszulasten. Das eine ist für die Steuerung der Lkw bis sieben Tonnen, das andere für die Einheiten bis 24 Tonnen Nutzlast verantwortlich.

Doch greifen beide Teams auf die gleiche Software zu und sind dadurch über Aufenthaltsort und Auslastung der anderen Fahrzeuge im Bilde. So ist nicht ausgeschlossen, dass mal ein Jumbo-Gliederzug zur Amtshilfe bestellt wird, wenn leichtes Volumengut abgeholt werden muss und kein Ultraleichter zur Stelle ist. Das wird aber eher die Ausnahme bleiben.

Das Unternehmen

Die Flotte: Die Flotte setzt sich aus Ultraleicht-Lkw, Jumbo-Gliederzügen sowie zwei Lang-Lkw, die in Bremen unterwegs sind, zusammen. Besondere Spezialität des Logistikdienstleisters sind Volumengüter. Die Flotte ist der Sparte LIT Cargo zugeordnet. Die weiteren Sparten heißen LIT Spedition sowie LIT Lager und Logistik. Fest im Einsatz sind 800 Lkw. 450 stellt die eigene Flotte, der Rest kommt von festen Unternehmern. Auf dem Spotmarkt kommen nicht selten 500 Einheiten täglich dazu.

Die Schwerpunkte: Das 1988 gegründete Unternehmen beschäftigt an 28 Standorten in Europa rund 1.300 Mitarbeiter und setzte 2014 etwa 200 Millionen Euro um. Hauptbranchen sind Automotive, Getränke und Baustoffe. Neu sind die Aktivitäten im Bereich Getreide/Futtermittel, die unter B-Log Bulk Logistik firmieren, und die Stahlsparte mit einem Coil-Standort in Prag.

Die neue Zentrale: LIT hat in Brake die Aktivitäten von drei Standorten an einem in der Otto-Hahn-Straße angesiedelt. Dort arbeiten seit wenigen Wochen 110 Mitarbeiter in einem modernen Neubau, der über 3.000 Quadratmeter Bürofläche verfügt. Der Bau dauerte anderthalb Jahre und kostete vier Millionen Euro.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

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Matthias Rathmann

Datum

9. Juli 2015
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