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Future Truck: Vernetzter Lkw fährt komplett autonom

Einen Lkw, der ohne Eingriffe des Fahrers auskommt, vermutet man eher in einem Science-Fiction-Film als auf der Autobahn. Der Fahrzeughersteller Daimler zeigt mit seinem Future Truck 2025, dass autonomes Fahren im Fernverkehr heute schon möglich ist.

Der Lkw der Zukunft ist sicher, verbrauchsarm und vernetzt. Liegt der Fokus der Hersteller schon lange auf den Themen Sicherheit und Verbrauch, gewinnt für den Fahrzeugbauer Daimler vor allem der dritte Punkt immer mehr an Bedeutung – die Vernetzung.

Was durch eine intelligente Kommunikation des Fahrzeugs mit seinem Umfeld alles möglich ist, präsentierte das Unternehmen am Donnerstag auf einem Teilabschnitt der A 14 bei Magdeburg. Daimler ließ dort einen Technologieträger der besonderen Art vorfahren, den "Mercedes-Benz Future Truck 2025". Der auf diesen Namen getaufte Truck ist das Ergebnis der vollendeten Vernetzung. Der Lkw kommt ohne Eingriffe des Fahrers aus, beschleunigt und bremst selbstständig, in Abhängigkeit von Strecke, Topografie und Verkehrslage.

Future Truck steht auf der IAA

Diese Vision vom vernetzten Fahren könnte nach Vorstellung des Fahrzeugbauers bis Mitte des nächsten Jahrzehnts Realität werden und die Gütermobilität in puncto Sicherheit und Nachhaltigkeit revolutionieren. Daimler wird den Future Truck 2025 im September auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover der Weltöffentlichkeit vorstellen.

"Wir glauben, dass der Truck der Zukunft in einer viel größeren Form als heute in einem Beziehungsnetzwerk steht – sei es zum Fahrer, zur Disposition, zum Kunden, zur Werkstatt sowie zur Verkehrssituation, Topografie und Streckenführung", erklärt Dr. Wolfgang Bernhard, Daimler-Vorstandsmitglied für den Bereich Daimler Trucks and Buses, im Gespräch mit der Redaktion trans aktuell. "Die erforderliche Sensorik liegt uns bereits vor, zum Teil stammt sie aus der Pkw-Sparte, zum Teil aus der Lkw-Sparte."

Als besonders visionär gelten die elektronischen Systeme in der neuen S-Klasse. Der Fahrzeugkonzern hatte vorigen Sommer von sich reden gemacht, als er diese auf 125 Kilometern von Mannheim nach Pforzheim mithilfe von Sensoren, Kameras und Radar autonom fahren ließ. 1888 war bereits Bertha Benz mit ihren beiden Söhnen diese Strecke gefahren. Die Ausfahrt im dreirädrigen Gefährt war damals die erste Langstreckenfahrt mit einem Benz-Motorwagen. Nun kann ein Fahrzeug diese Strecke also nicht nur motorisiert, sondern sogar fahrerlos zurücklegen. Überdies ist autonomes Fahren nun auch im Fernverkehr bei realistischen Geschwindigkeiten von 80 km/h machbar, wie Daimler in Magdeburg zeigte.

Autonomes Fahren nur auf speziell ausgerüsteten Magistralen

War autonomes Fahren für viele lange Zeit unvorstellbar, sind sich Experten inzwischen einig, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Maschinen das Kommando übernehmen – zumindest auf entsprechend ausgerüsteten Magistralen. Der Vor- und Nachlauf auf dem nachgelagerten Straßennetz wird nach Einschätzung von Daimler auch weiterhin konventionell erfolgen, sodass die Rolle des Fahrers nicht ­hinfällig wird.

Im Übrigen kann selbst der Future Truck 2025 nicht ohne Fahrer auf der Autobahn verkehren. Zwar haben die Vereinten Nationen im Mai die Wiener Konventionen von 1968 dahingehend geändert, dass Systeme zum autonomen Fahren erlaubt sind – so auch der sogenannte Highway-Pilot im Future Truck 2025. Der Fahrer müsse aber in der Lage sein, die Systeme jederzeit zu stoppen. Damit muss er weiterhin an Bord sein. "Dort kann er zum Beispiel anderen Tätigkeiten nachgehen, etwa mit der Disposition oder seiner Familie kommunizieren beziehungsweise sich um die Reservierung eines Parkplatzes am nächsten Rasthof kümmern", sagt Daimler-Vorstand Bernhard.

Vernetzter Truck ist ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit

Wie viel Geld der Konzern in die weitere Entwicklung des intelligenten Fahrzeugs stecken wird oder was der Future Truck 2025 die Transportunternehmer einmal kosten wird, lässt sich laut Bernhard noch nicht sagen. "Wir sind noch weit von einer Marktreife entfernt", erklärt er. Der Daimler-Manager ist aber überzeugt, dass der vernetzte Truck die beste Antwort auf die CO2-Diskussion und die Vorgaben des EU-Weißbuchs Verkehr ist, wonach die Emissionen im Verkehr bis 2050 um 60 Prozent sinken sollen.

Dagegen nähmen sich die Effekte anderer Maßnahmen in Richtung Nachhaltigkeit relativ bescheiden aus, sagt Bernhard. Er spielt damit auf die von der EU-Kommission zugebilligte zusätzliche Fahrzeuglänge für eine verbesserte Aerodynamik an. Das sei weder mit Blick auf den Verbrauch noch auf die Sicherheit der große Wurf. Ein 40-Tonner setze bei Tempo 80 im Falle eines Unfalls die kinetische Energie einer C-Klasse mit 300 km/h frei. "Da sind 30 bis 70 Zentimeter mehr Länge für eine Knautschzone an der Kabine in Sachen Sicherheit Peanuts. Der Schlüssel zum unfallfreien Fahren sind aktive Sicherheitssysteme", sagt Bernhard, der seit April 2013 an der Spitze des Geschäftsfelds Daimler Trucks and Buses steht. "Unser Future Truck definiert auf realistische Weise die Führungsposition dieser Technologien."

Weitaus größeres Potenzial haben in seinen Augen ein um 1,30 Meter verlängerter Sattelauflieger und der Lang-Lkw – oder besser noch: die Kombination aus beidem, die im Rahmen des Feldversuchs in Deutschland bisher nicht möglich ist. Den Feldversuch mit Lang-Lkw sieht Bernhard trotzdem durchweg positiv. Erneut wirbt er für einen flächendeckenden Einsatz dieser bis zu 25 Meter langen Fahrzeuge. Das Projekt laufe ohne Probleme und in Schweden oder den Niederlanden bewährten sich längere Fahrzeugeinheiten seit Jahren.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Daimler

Datum

3. Juli 2014
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